Heute + morgen
Ganztagsschule verändert!
An GTS stehen die Chancen für neues Lernen besonders gut
Maren Wichmann
Seit der flächendeckenden Einführung ganztägiger Bildungsangebote in Deutschland stehen Schulen und ihre Kollegien vor ganz neuen Herausforderungen. Dazu gehört vor allem, dass sich Ganztagsschulen öffnen – und das nach innen und nach außen. Innerschulisch kann das Kollegium die neuen Chancen für ein verändertes Verständnis von Lernen nutzen, denn die Ganztagsschule hat Kindern und Jugendlichen viel mehr zu bieten als nur mehr Zeit. Rhythmisierung und jahrgangsübergreifendes Lernen können Einzug halten, der Unterricht kann mit außerschulischen Angeboten verknüpft werden.
An Ganztagsschulen kann es besser gelingen, Heranwachsende individuell und unabhängig von ihrer Herkunft zu fördern. Viele Beispiele zeigen, wie fruchtbar es ist, dafür auch die Kompetenz anderer Professionen und der Kooperationspartner zu nutzen. Wenn Lehrkräfte gemeinsam mit Erzieherinnen und Erziehern, Sozialarbeiterinnen und -arbeitern und anderen pädagogischen Mitarbeitenden ein Team bilden, können alle von dem Know-how der anderen profitieren. Jede Profession hat ihren eigenen Blick auf die Heranwachsenden. So kann Schule viel genauer auf die unterschiedlichen Stärken, Lebensumstände und Bedürfnisse ihrer Schülerinnen und Schüler eingehen.
Die Schule zu einem attraktiven Lebensort zu machen und sich dabei an der Lebenswelt von Kindern und Jugendliche zu orientieren – dieses übergeordnete Ziel findet sich zunehmend in Schulprogrammen und Leitbildern. Weil Lernen nicht nur im Unterricht, sondern ebenso beim Mittagessen, auf dem Fußballplatz, beim Spielen eines Instruments oder bei anderen Freizeitaktivitäten mit Gleichaltrigen stattfindet, sind außerschulische Vereine wie z.B. Musikschulen, die Jugendhilfe und ortsansässige Unternehmen ausgezeichnete Ansprechpartner, wenn es darum geht, mit Kindern und Jugendlichen ein Angebot zu entwickeln, das ihre Interessen aufgreift oder neue weckt.
Ganztagsschulen sind in einem ständigen Wandel begriffen. Bei diesen Veränderungsprozessen werden sie seit nunmehr fast sieben Jahren durch das Programm „Ideen für mehr! Ganztägig lernen.“ unterstützt. In allen Bundesländern begleiten wir in unseren Serviceagenturen Schulen fachlich, wir bieten ihnen Beratungen und Fortbildungen an und schaffen Möglichkeiten, sich mit anderen Schulen zu vernetzen, um so von anderen zu lernen.
Die Kreativität, die Begeisterung und die Resultate des Engagements der vielen Ganztagsschulen, mit denen wir in unserem Programm zusammenarbeiten, zeigen, wie sich das Einlassen auf Neues lohnen und wie aus dem Müssen ein Wollen werden kann. Veränderungen sind keineswegs nicht immer nur eine Pflicht, sondern bieten große Chancen. Wenn Unzufriedenheit herrscht, die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen am offenen Angebot gering ist, das Kollegium beim Ganztag nicht an einem Strang zieht, die Eltern sich nicht interessieren oder es in der Kooperation mit außerschulischen Partnern hakt, ist es höchste Zeit für den nächsten Veränderungsschritt. „Wege entstehen dadurch, dass man sie geht“, hat der Schriftsteller Franz Kafka einmal gesagt. Und in der Ganztagsschule braucht es den Mut aller, alte Pfade zu verlassen und gemeinsam neue auszuprobieren.
Die im Heft vorgestellten Beispiele zeigen, wie Ganztagsschulen eine nachhaltige Kultur der Veränderung etablieren, die darauf fußt, dass Schulen sich in einem immerwährenden Entwicklungsprozess befinden. Das Porträt über Renate Schmidt von der Regionalen Schule in Greifswald (S. 34 f.) zeigt, wie die Physiklehrerin ihren Unterricht im Rahmen unseres Projektes „Labor Lernkultur“ vollständig vom Frontal- hin zum Projektunterricht verändert hat. Der Schulleiter Torsten Buncher von der Südschule Lemgo beschreibt seine Sicht auf die notwendigen Schritte des Veränderungsprozesses an seiner Schule (S. 36 ff.).
Von der beispielhaften und Mut machenden Arbeit von Ganztagsschulen werden wir auch auf unserem diesjährigen Ganztagsschulkongress am 4./5. November in Berlin hören. Sie zeigen, wie neues Handeln dazu führt, dass Schule Spaß macht – den Schülerinnen und Schülern und dem Kollegium gleichermaßen. Und wir haben in diesem Jahr schulferne Professionen eingeladen, die sich tagtäglich mit Umgestaltungen auseinandersetzen und uns aus ungewohnten Blickwinkeln Impulse geben können. Wie erklärt eine Neuropsychologin Veränderung? Was rät ein Unternehmensberater einer Ganztagsschule? Wie kann moderne Kunst den Blick für Neues öffnen?
Wir freuen uns auf Sie und darauf, von Ihren Erfahrungen und Ideen zu hören.
Maren Wichmann Deutsche Kinder- und Jugendstiftung Leiterin des Programms „Ideen für mehr! Ganztägig lernen.“
© DKJS
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