Technik + Ausstattung
Positionswechsel
Bewegt sich der Körper, kommt auch der Geist in Schwung
Markus Hofmann
Mit der Einschulung wird aus dem Spielkind ein Sitzkind. Und mit jedem Schuljahr steigt die tägliche Dauer des Stillsitzens. Eine fatale Entwicklung: Internationale Experten weisen schon länger auf eine enge Beziehung von statisch-passiver Sitzhaltung und physischen wie psychosomatischen Beschwerden im Kindes- und Jugendalter hin. Doch zu deutschen Schulträgern dringen diese Stimmen nur selten durch. Hier ist noch die Haltung verbreitet, dass Kinder nur mit dem Kopf, nicht aber mit dem Körper zur Schule kommen.
Dabei pfeifen schon die Spatzen von den Dächern, dass Lernen, Denken und Intelligenz der Mitwirkung des ganzen Körpers bedürfen. Deshalb darf das natürliche Bedürfnis der Kinder nach Bewegung nicht unterdrückt werden, sondern muss – während ihres gesamten Schullebens – im Sinne einer gesunden körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung in den Unterrichtsalltag integriert werden.
Möbel noch kein Thema
Diese Erkenntnis ist die Grundlage des Konzepts der „Bewegten Schule“, das viele Schulen zumindest teilweise in Unterricht und Pause umsetzen. Die Schulmöbel aber spielen dabei kaum eine Rolle. Dabei machen insbesondere mit dem Stuhl kippelnde Kinder deutlich, wie ihr Arbeitsplatz beschaffen sein sollte: dynamisch. Das Kippeln zeigt, dass der Körper der Kinder wichtige ganzkörperliche Impulse einfordert, um auch Geist und Seele wieder in die Balance zu bringen.
Solche Impulse bietet ein Drehstuhl mit einer sich um ca. sieben Grad stufenlos nach vorn und hinten beweglichen Sitzfläche. Er unterstützt den natürlichen, vom Körper geforderten dynamischen Wechsel von Statik und Dynamik, von Aktivität und Ruhe, von An- und Entspannung. Der Benutzer kann sein Körpergewicht einfach nach vorn als auch zurück verlagern. Der Stuhl ermöglicht sowohl die nach vorn orientierte Arbeitshaltung als auch die zurückgelehnte passive Ruhehaltung. Dieses aktiv-dynamische Sitzen erfordert die Bewegung von Füßen und Beinen. Und das ist gut so: Die Dynamik der Beine beeinflusst maßgeblich die Durchblutung unseres Körpers. Das Gewicht durch „Beinarbeit“ auf der beweglichen Sitzfläche zu verlagern, verbessert somit die Blutzirkulation und die Sauerstoffversorgung des gesamten Körpers und des Gehirns.
Raum und Bewegung
Mit einem bewegungsfördernden Schulstuhl ist viel, aber noch nicht alles gewonnen. Das gesamte Klassenzimmer muss als dynamische Einheit betrachtet werden. „Mitwachsende“ Möbelsysteme und flexibel platzierbare Arbeitsplatzmodule fördern ebenso die körperliche und geistige Dynamik im Unterricht: in Höhe und Neigung verstellbare Schultische etwa, die schnell und einfach je nach Unterrichtsform umgestellt werden können. Hier deutet sich aber schon an, dass es auch auf Unterrichtsmethoden und Organisationsformen ankommt. Ein Wechsel von Projekt-, Gruppen- oder Freiarbeit animiert die Schüler zum „Springen“ zwischen verschiedenen Arbeitsplätzen – und damit zu einer dynamischen Abfolge von Sitzen, Stehen und Gehen. Als sinnvoll hat sich folgende Gewichtung erwiesen:
- 50 Prozent aktiv-dynamisches Sitzen,
- 25 Prozent Stehen,
- 25 Prozent körperliche Aktivität.
Eine derartige Arbeitsplatz-Ergonomie beugt nicht nur Haltungsstörungen vor, die durch Bewegungsmangel verursacht werden. Sie schafft auch hirnphysiologische Bedingungen, die ein konzentriertes, geistig vitales Arbeiten erst möglich machen.
mho
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