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Projekte

Auf gute Nachbarschaft

Schüler aus Schweden und Stralsund gemeinsam im „virtuellen Klassenzimmer“

Thomas Jahnke / Markus Hofmann

Computer und Internet bieten ganz neue Möglichkeiten, um internationale Schulpartnerschaften zu pflegen. Schüler des Hansa-Gymnasiums Stralsund schlugen so gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: Sie übten sich in der Fremdsprache Englisch, in multimedialer Kommunikation und im sozialen Miteinander

Gerade in den frühen Phasen des Fremdsprachenlernens können virtuelle Austauschprojekte eine Bereichung für den Unterricht sein: Es findet authentische Kommunikation in der zu erlernenden Sprache statt; die Laborsituation der Klasse wird aufgebrochen; die Lernenden erleben, dass das Gelernte auch von anderen verstanden wird.

Zugleich flexibilisiert das Internet die Kommunikation mit den Partnerschülern: Der Austausch muss nicht mehr „verordnet“ zu festen Zeiten im Unterrichts- und Schulrahmen stattfinden, sondern kann weiterverfolgt werden, wenn Muße und Motivation dafür da sind. In „Leerlaufzeiten“ können die Schüler die während des elektronischen Austauschs entstandenen Texte in Ruhe übersetzen und analysieren. Das ist gerade dann vorteilhaft, wenn in der Schule nur wenige Medienecken mit Internetzugang verfügbar sind.

Projektanlässe

„Was wissen wir eigentlich über unsere schwedischen Nachbarn? Welche Wege bietet das Internet für einen spannenden Austausch?“, hatten sich 15 Schüler des Stralsunder Hansa-Gymnasiums gefragt. Schwedische Schüler und die schwedische Schulkultur kennen lernen – dabei konnten die Jugendlichen sehr viel über sich selbst und die eigene Identität herausfinden.

Die Stralsunder Schule entwickelte die „Begegnung mit einer Fremdsprache“: ein Kurs, an dem 15 Ganztagsschüler nachmittags im Medienlabor teilnahmen. Englisch sollte die Zielsprache sein, darin stimmte man mit den schwedischen Partnerschülern überein. Über den EMailAustausch hinausgehend, sollten die Schüler als Gruppe miteinander kommunizieren und den Austausch in eine gemeinsame Gestaltungsaufgabe integrieren.

Im Rahmen der Ganztagsschule konnten sie die Kontakte zur ausländischen Schule individuell vertiefen. Meist standen den Ganztagsschülern auch am Nachmittag Internetrechner zur Verfügung, sodass sie die Chance hatten, den Kontakt weiter auszubauen. Auf das Austauschprojekt bezogene Hausaufgaben waren in einen authentischen Kontext eingebunden und erhöhten die Motivation.

Die Internetoberfläche von Schola21 (siehe auch S. 12 ff.) bot dafür methodische Anreize. Dem Projektleiter oblag es, über den eigenen Login die individuellen Bemühungen zu verfolgen und zu honorieren.

In einzelnen Etappen bauten wir den Kontakt zur anderen Schule auf. Anschließend erfolgten Anmeldung und Einrichtung des virtuellen Klassenzimmers. Die teilnehmenden Schüler wurden angemeldet und die Zugänge zum virtuellen Klassenzimmer an die Partnerschule übermittelt.

Dem virtuellen Klassenzimmer war ein Homepage-Generator angeschlossen. Er generierte automatisch eine Website, die auf der Schulhomepage verlinkt ist und anzeigt, welche Ergebnisse aus der Kommunikation wichtig sind. Mit dieser Funktion sicherten wir die Teilergebnisse als Pool für neue Ansätze des Austauschs. Eingepflegte Bilder wurden künstlerisch gearbeitet, Werke gescannt und den Themenbereichen zugeordnet. Das Ergebnis aus dieser Kombination ist eine lebendige Website.

Vielfältiges Werkzeug

In thematischen Arbeitsgruppen wie etwa „My school“, „The first day every week“, „My favorite book, movie“ usw. tauschten sich Schüler in unterschiedlicher Bandbreite und Intensität aus. Sie konnten Texte in Word vorschreiben und sprachlich überprüfen. Durch die zeitliche und örtliche Unabhängigkeit war es ihnen zusätzlich freigestellt, von zu Hause die Kontakte auszubauen und thematisch in den Arbeitsgruppen des virtuellen Klassenzimmers zu arbeiten.

Dank Internet sind die Schüler nicht mehr an einen festen zeitlichen und örtlichen Rahmen für die Pflege ihrer Schulpartnerschaft gebunden. Das lockert die Kommunikation auf – und steigert die Motivation, sich in einer Fremdsprache daran zu beteiligen

Die Oberfläche öffnete jedem Schüler die Möglichkeit, auf interaktive Werkzeuge zur Kommunikation zuzugreifen. Der Lehrer konnte auf einzelne Schüler zugeschnittene Aufträge erteilen, Hinweise geben, die Kommunikation unterstützen und koordinieren. Durch die methodische Struktur der Internetoberfläche erfassten die Jugendlichen die Ganzheitlichkeit des Austauschvorhabens und koordinierten ihre Bemühungen selbstständig. So konnten sie selbstbestimmt neue Themen öffnen und z. B. künstlerisch den Kontakt und ihre Aussagen beleben. Die Tatsache, dass eine Homepage die wichtigsten Ergebnisse automatisch veröffentlicht und so auch der gesamten Schule Einblicke liefert, wurde zur kreativen Herausforderung. Als positiv hat sich dabei herausgestellt, dass jeder Schüler in einem Steckbrief zeigen konnte, welche Beiträge er beigesteuert hat.

Positive Erfahrungen

Drei Schülermeinungen mögen genügen, um die Erfolge des Kurses zu umreißen:

  • „Ich finde, das Projekt hat mir geholfen, sicherer in der englischen Sprache zu werden. Man bekommt ein besseres Sprachgefühl. Man baut seine Fähigkeiten viel motivierter aus, z. B. mit dem Computer umzugehen und daneben noch Stoff zu lernen und im Internet zu arbeiten. Man lernt, sich besser mit Leuten aus verschiedenen Ländern zu verständigen. Man kann besser auf Leute eingehen, sich offener seine Meinung sagen.“
  • „Durch das Austauschprojekt ist es mir leichter gefallen, in der englischen Sprache zu kommunizieren. Dadurch, dass wir echte Kontakte aufgebaut haben, war es für mich interessanter, wirklich in Englisch zu schreiben. Ich habe das Gefühl, dass sich meine Sprachkenntnisse dadurch verbessert haben.“
  • „Mir hat unsere Arbeitsweise gefallen. Ich war verantwortlich, die Kommunikationsbeiträge aufzustellen und diese in die Diskussion zu bringen. Es war spannend, wenn im virtuellen Klassenzimmer neue Themen aufgemacht wurden.

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