Unterricht
Den Ball flach halten
So klappt der Unterricht mit interaktiven Whiteboards
Markus Hofmann
Viele Möglichkeiten zu haben, bringt uns manchmal in die Bredouille. Interaktive Whiteboards sind dafür ein Beispiel: Sie verfügen über Dutzende Funktionen, Features und Schnittstellen, die richtig bedient und eingesetzt werden wollen. Wer eine Lehrerfortbildung zu Technik und Einsatz der Tafeln absolviert und nun „Blut geleckt“ hat, sollte darauf achten, nicht übers Ziel hinauszuschießen. „Weniger ist mehr“: Dieser Spruch trifft auch und gerade auf das Whiteboard im Unterricht zu. Um Anfängerfehler zu vermeiden, sich behutsam an die neue Technik heranzutasten und zu lernen, welche Contents und Arbeitsschritte in welcher Situation die Unterrichtsqualität fördern, gibt es einige Tricks, mit denen viele Pädagogen schon gute Erfahrungen gemacht haben.
1. Nutzen Sie das Whiteboard anfangs wie eine normale Tafel. Um sich mit der neuen Technik vertraut zu machen, können Sie Begriffe, Texte oder Schaubilder wie gewohnt an die Tafel schreiben – nur eben nicht mit Kreide, sondern beispielsweise mit elektronischen Stiften, die manche Hersteller anbieten, oder sogar direkt mit dem Finger, sofern Ihr Whiteboard das zulässt. Manche Modelle bieten auch eine Handschrifterkennung – eine Funktion, die Sie aber erst nutzen sollten, wenn Sie sich das zutrauen. Mit der Zeit werden sich Ihnen „by doing“ weitere Funktionen erschließen.
Manche Lehrer empfanden es in der Anfangsphase übrigens als hilfreich, parallel auch an einer normalen Kreidetafel arbeiten zu können, etwa um Schülerimpulse festzuhalten und diese dann in digitale Grafiken, Karten oder Tabellen einzupflegen.
Sollten Sie in der Lage sein, zuhause elektronische Tafelbilder oder Folien zu erstellen (etwa in Powerpoint), können Sie sie auf einen Speicherstick ziehen und ganz einfach per PC auf das Whiteboard spielen. Achten Sie aber darauf, dass Ihr Entwurf ein Tafelbild bleibt und nicht seiten- und klickweise präsentiert werden muss.
2. Entfachen Sie kein Effekt-Feuerwerk. Beschränken Sie sich – vor allem, wenn Sie Internetseiten oder Multimedia-Anwendungen aufs Whiteboard holen, auf wenige lerngegenstandsbezogene Inhalte. Die Ablenkung wäre sonst zu groß. Das gleiche gilt für Bild- und Grafikelemente: Sie sollten stets dem Lernfortschritt und nicht illustrativen Zwecken dienen.
3. Lassen Sie Ihre Schüler mitschreiben. Wenn Lehrer signalisieren, dass sie ihre digitalen Tafelbilder und Mindmaps als Download zur Verfügung stellen, verfallen viele Schüler ins Schwatzen: Sie müssen ja nichts mehr mitschreiben, denken sie. Machen Sie ihnen daher deutlich, dass vieles des im Unterricht Gesagten nicht in den Dokumenten auftaucht, aber trotzdem für den Lernerfolg eine wichtige Rolle spielen mag. Um dahingehend einen sanften Druck auszuüben, könnten Sie es zur Hausaufgabe machen, die handschriftlichen Notizen mit Informationen aus den elektronischen Dokumenten zu ergänzen und als Reflexion des Gelernten zur nächsten Stunde aufzubereiten.
4. Beziehen Sie Ihre Schüler aktiv ein. Obwohl sich das Whiteboard grundsätzlich gut für offenen Unterricht und freie Lernformen eignet, schleichen sich in so manche Stunde doch wieder frontale Prozesse ein. Langatmige Vorträge ermüden, daran ändern auch peppig aufbereitete multimediale Inhalte auf dem Whiteboard nichts. Planen Sie in Ihren Unterricht daher immer auch Anlässe dafür ein, einzelne Schüler oder Gruppen in die Arbeit am Board einzubinden.
5. Niemand außer Ihnen bedient Menüs und Tools. Schüler am Whiteboard arbeiten zu lassen, bedeutet nicht, dass sie Formatierungen verändern, Inhalte verschieben oder den aktuellen Arbeitsgegenstand verlassen dürfen. Stellen Sie daher von Anfang an klar: Toolbars, Menüs und sonstige Optionen sind Ihr Hoheitsgebiet. Lassen Sie aber Tipps und Hinweise der Schüler zu, wenn Sie bei der Lösung eines technischen Bedienproblems einmal nicht weiterkommen.
6. Vermeiden Sie Video-Bespaßung. Manche Sachverhalte lassen sich gut durch Filmbeispiele auf dem Whiteboard veranschaulichen. Dazu können Sie durchaus die Online-Community YouTube heranziehen. Suchen Sie aber unbedingt schon bei der Planung die in Frage kommenden Clips heraus, nicht erst vor der Klasse. Rufen Sie im Unterricht nur die eingeplanten Links auf. Andere Filme sind tabu – genau wie Zwischenrufe YouTube-erfahrener Schüler, die von anderen tollen Clips berichten wollen. Ganz wichtig: Die Videos sollten nicht länger als fünf Minuten dauern.
7. Picken Sie sich Internet-Contents punktgenau heraus. Wie beim Einsatz von YouTube-Filmen sollten Sie grundsätzlich verfahren, wenn Sie für Ihren Unterricht das Internet nutzen wollen: Recherchieren Sie bei der Vorbereitung jene Websites, die Sie verwenden wollen, und bewegen Sie sich während des Unterrichts ausschließlich zwischen diesen Seiten. Verlassen Sie das Internet, sobald es seinen Zweck erfüllt hat. Vermeiden Sie es, vor der Klasse zu googeln, das provoziert Unruhe und Zwischenrufe von „Besserwissern“ – und es kostet zuviel Zeit. Prüfen Sie bei der Unterrichtsplanung auch genau, ob die fraglichen Websites nicht eventuell jugendgefährdender oder volksverhetzender Natur sind. Zeigen Sie solche Seiten, machen Sie sich strafbar!
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