Internet
Gut gerüstet ins Netz
Content Management Systeme: Helfer für die Website
Markus Hofmann
Lieber gar keine Website als eine schlechte: So lautet das Credo vieler Programmierer und Online-Dienste, und das zu Recht. Es finden sich im Internet zuhauf Präsenzen mit schlechter Usability: Chaotische Menü- und Seitenstruktur, unübersichtlicher Aufbau, hakelige Bildschirmdarstellung, tote Links und Downloads, unattraktives Design vergrellen die User. Andererseits überfrachtet so mancher technikverliebte Betreiber seine Site mit Flash-Filmen, bunten 3D-Animationen, Sound-Effekten, Pop-up-Fenstern und anderen Spielereien. Sie mögen zuerst „ganz nett“ erscheinen, lenken aber von den inhaltlichen Intentionen ab und bleiben letztlich Selbstzweck.
Wer braucht was?
Man kann technisch wie konzeptionell also einiges falsch machen bei der Produktion einer Website (die übrigens häufig irreführend als „Homepage“ bezeichnet wird: Eine Homepage ist lediglich die Startseite einer Internetpräsenz.). Eine Schule, die sich dennoch in Eigenregie im Netz präsentieren möchte, sollte sich zu Beginn eine grundsätzliche Frage stellen: Was wollen wir mit und von unserer Website? Soll sie ein interaktives Kommunikationstool für den internen und externen Austausch sein, mit Adressverwaltung, geschütztem Log-in-Bereich und Intranet, sogar einem Forum? Oder doch nur eine etwas ausführlichere, statische Visitenkarte?
Beides hat seine Berechtigung. Welches Konzept am besten passt, richtet sich nicht zuletzt nach der Kommunikationskultur der jeweiligen Schule. Setzt sie auf die traditionelle Kommunikationshierarchie „von oben nach unten“ – sich manifestierend vorzugsweise in frontalen Unterrichts- und Mitteilungsformen –, dürfte eine rein darstellende Website mit Kontaktformular und News-Box ausreichen. Lebt die Schule allerdings offene, handlungsorientierte Lernformen und Mitbestimmung, den demokratischen internen und externen Dialog, die Integration digitaler Medien in Unterricht und Schulleben, sollte sich das auch im Website-Konzept wiederfinden. Dabei muss die Schule aber zwischen Anspruch und dem tatsächlich Leistbaren abwägen: Mit der Zahl und Komplexität der Interaktionsangebote auf ihrer Website steigt der Administrations- und Moderationsaufwand. Um Kontaktanfragen, Newsletter-Anmeldungen oder Forums-Postings rasch bearbeiten zu können, sollten also genügend Zeit und Personal vorhanden sein. Ist das nicht der Fall, muss eine abgespeckte Website-Version genügen. Alles andere würde die User irritieren.
Info im Zick-Zack
Ob dynamisch oder statisch: In jedem Fall gilt es für die Betreiber, einige wichtige Gesetze der Internet-Rezeption zu beachten. Erstens: Internet ist ein schnelles Medium, in dem die User vor allem nach Überblicksinformationen suchen. Sie arbeiten Präsenzen nicht wie ein Buch kapitel- und zeilenweise durch, sondern springen von einer Seite zur nächsten und „scannen“ die Text- und Grafik-Elemente auf Schlüsselbegriffe und -reize. Besonders wichtig sind daher eine Darstellung und Funktion, die dieser nicht-linearen Rezeption entgegenkommen. Zweitens: Viel „Traffic“ macht eine Website noch nicht erfolgreich. Wer mit ihr nachhaltige Informations- und Interaktionsziele verfolgt, muss die Rezipienten bei der Stange halten. Die Chancen dafür stehen gut, wenn die User gesuchte Ankerpunkte in Navigation und Content einfach finden; dann steigt ihre Bereitschaft, sich näher mit der Site zu beschäftigen. Man spricht hier von qualifizierten Zugriffen, ablesbar an den sogenannten Click-through-Rates (CTR), mit denen erfahrene Webmaster unter Zuhilfenahme von Analysetools das Nutzerverhalten bewerten können. Je höher die CTR, desto besser scheint die Website ihre Besucher zu bedienen.
Abgesehen von der erfolgreichen Befriedigung des Informationsbedürfnisses: Eine gut funktionierende, ansprechende Website hebt auch das Image einer Schule, was wiederum die äußere Akzeptanz fördert. Eine Schule, die im Web strukturiert, pointiert und zeitgemäß kommuniziert, macht sich attraktiv für Schüler und Eltern, für potenzielle externe Partner – und auch für Pädagogen, die eine neue Anstellung suchen. Kurz: Eine Website kann durchaus dem Selfmarketing der Schule dienen.
Ein System, das sich anpasst
Eine professionelle Funktion und Wirkung im sogenannten Front-End (dem, was der Besucher nach Aufruf der Website auf seinem Bildschirm vorfindet) bedarf eines klar strukturierten, möglichst einfach administrierbaren Aufbaus. Bewährt hat sich die Programmierung von Templates. Diese beliebig duplizierbaren „Content-Behälter“ weitgehend identischen Zuschnitts werden in einer Baumstruktur miteinander verknüpft und mit Texten, Bildern, Grafiken usw. befüllt. Dieses System macht eine Website ohne viel Aufwand erweiter- und komprimierbar. Je nachdem, ob z. B. eine neue AG ihre Arbeitsergebnisse präsentieren möchte oder der Beitrag zum letztjährigen Schulfest obsolet geworden ist, richtet der Webmaster Seiten ein oder schaltet sie offline, ohne damit in die Grundfunktionen der Website einzugreifen. In ein solches System können auch User hineinarbeiten, die keine Administratoren sind – um beim obigen Beispiel zu bleiben, etwa jene AG-Schüler, die ihr naturwissenschaftliches Experiment selbstständig ins Netz stellen wollen. Der Administrator regelt diese Zugriffe über individuelle Autorisierungsprofile.
Per CMS können auch zugriffsberechtigte Schüler Content auf der Schul-Website einpflegen. Damit reduziert sich der Administrationsaufwand für den Webmaster. Zugleich steigt aber das Fehler- und Missbrauchsrisiko
© istockphoto.com/humonia
Was sich zunächst kompliziert anhört, kann heute auch ein Betreiber oder Webmaster schaffen, der kein ausgemachter Programmierer ist. Content Management Systeme (CMS) machen es möglich: Software-Anwendungen, mit denen sich Websites anlegen und verwalten lassen. Es gibt kommerzielle Angebote auf dem Markt (so z. B. das verbreitete Typo3), die teilweise aber Features bieten, die eine Schule kaum braucht. Ohnehin ist es aus Kostengründen sinnvoller, auf kostenfreie, im Internet zur Verfügung stehende Freeware-Anwendungen zurückzugreifen. Deren Funktionsumfang ist zwar vergleichsweise schmal, aber für Schulen in der Regel ausreichend. Vertreter dieser Gattung sind etwa webEdition und Joomla (siehe Kasten).
Mit diesen Programmen kann der Administrator eine Navigationsstruktur errichten und Seiten anlegen. In einem sogenannten Editor befüllen die zugangsberechtigten User die Seiten nach vorab festgelegten Formatvorlagen mit Inhalt, dem Content. Die Benutzeroberfläche des Editors ähnelt meist der von Office- und Gestaltungsprogrammen, mit Buttons und Eingabefenstern für Textformat, Zeichengröße und Schriftfarbe sowie mit Schaltflächen für die Einbettung von Bildern, Grafiken, Download-Dokumenten und Hyperlinks. Entsprechend schnell hat sich der halbwegs PC-Erfahrene an die Arbeit im Editor gewöhnt. Wie intuitiv sie von der Hand geht, sollte – neben den enthaltenen Funktionen – auch ein Auswahlkriterium für das CMS sein. An Demoversionen kann man das testen, bevor man sich entscheidet.
Wer darf was?
Ein wichtiger Punkt sind die schon angesprochenen Autorisierungen. Je stärker die Website von Dialog, Mitbestimmung und Interaktion geprägt sein soll, desto größer die Zahl der an Schule Beteiligten, die darin „mitmischen“ wollen (und sollen). Der Vorteil eines solch offenen Systems: Der Pflegeaufwand verteilt sich auf viele Schultern. Der Nachteil: Die Gefahr des Wildwuchses und des Missbrauchs wächst. Darum muss der Webmaster zunächst entscheiden, welche User oder Usergruppen sich von welchen Rechnern aus ins CMS einloggen dürfen, und dafür entsprechende Einzel- oder Gruppenzugänge einrichten. Dann weist er den Befugten die Seiten zu, auf denen sie Contents einpflegen können, sowie die Editor-Funktionen, die sie dafür brauchen. Dabei sollte der Verantwortliche sparsam verfahren: Wer viel darf, kann auch viel Unheil anrichten. Eingriffe in die Menü- und Seitenstruktur, in Feedbacktools oder das Impressum sollten daher nur zentral möglich sein. Beim Einpflegen von Texten, Bildern und Grafiken auf Einzelseiten jedoch kann technisch kaum so viel schiefgehen, dass die ganze Seite darunter leidet. Zudem verfügt ein modernes CMS über Warn- und Schutzmechanismen, die Fehler beim Editieren verhindern sollen. So sind beispielsweise die hochladbaren Datenmengen und -formate von Fotos limitiert: Unkomprimierte Bilder von mehreren MB würden sonst das Laden der betreffenden Seiten auf dem PC des Betrachters immens verzögern.
Ein CMS erlaubt es dem Webmaster, individuelle Zugriffsrechte für das Editieren von Contents zu erteilen, zu erweitern oder einzuschränken. Damit bleibt eine offene Schul-Website kontrollierbar
© istockphoto.com / Pashalgnatov
Gewisse Inhalte, die auf einer Schulwebsite erscheinen sollen, können allerdings rechtlich sensibel sein. Dazu gehören z. B. Links auf Seiten Dritter mit volksverhetzendem oder jugendgefährdendem Inhalt oder Elemente, die durch das Urheber- oder Personenschutzrecht geschützt sind (siehe auch S. 20). Es sollte daher die Regel sein, dass allein der Webmaster in Abstimmung mit der Schulleitung Seiten auf Anfrage online schalten kann. Diese „Zensur“ ist im Sinne der juristischen Unbedenklichkeit einer Schul-Website dringend erforderlich.
Alles ein Kinderspiel?
In der Tat lässt sich mit einer template-basierten und per CMS administrierten Website eine hohe Usability realisieren. Doch die vorangegangenen Ausführungen zeigen schon, dass das ohne etwas Insiderwissen und Routine bisweilen schwieriger ist, als das die CMS-Anbieter versprechen. Eine entsprechende Webmaster-Fortbildung für Pädagogen, eventuell ergänzt um eine Beratung durch einen lokalen Online-Diensteister, sei daher empfohlen.
Glücklicherweise ist eine Website aber ein „lebendes“ Medium, ihre Erstellung eine Art „work in progress“. Anders als Buch oder Broschüre kann sie optimiert werden, wenn sie bereits veröffentlicht ist. Pädagogen, die sich da noch nicht sattelfest fühlen, können daran im Rahmen eines Unterrichtsprojektes durchaus Schüler beteiligen, die selbst bereits gut funktionierende Websites erstellt haben. Die Verantwortung sollte aber stets in Lehrerhand bleiben.
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Journal der Leipziger Buchmesse