Unterricht
Kein bisschen angestaubt
Gemeinsam mit den Schülern ein Tafelbild entwickeln
Martin Kohn
Interaktive Whiteboards bieten neue Perspektiven zur Gestaltung von Tafelbildern im Klassenraum. Eine völlig neue Art des planvollen Schreibens ist durch die digitale Tafel möglich geworden. Werden Tafelanschriebe mithilfe einer interaktiven Tafel unter etwaiger Zuhilfenahme verschiedener weiterer Materialien (Bilder, Film, Ton) gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern entwickelt, bietet dies zahlreiche Sprachanlässe zum diskursiven inhaltlichen Austausch in der Lerngruppe.
Auch komplexe Zusammenhänge lassen sich mithilfe der elektronischen Tafel verständlich machen. So kann ein naturwissenschaftlicher Versuch in seinen Einzelschritten dargestellt und gemeinsam detailliert nachvollzogen werden. Oder aber er wird mit einer Videokamera aufgenommen und über die elektronische Tafel abgespielt. Jetzt kann der Film jederzeit unterbrochen werden, und auf dem Standbild lassen sich Bearbeitungen wie Texte, Überschriften oder zeichnerische Erklärungen anbringen, die das Verständnis der Schülerinnen und Schüler erleichtern.
Machen Sie sich's einfach
Ein weiteres Beispiel für einen gemeinsam erstellten Tafelanschrieb ist das Zusammenfügen von Satzteilen, beispielsweise im fremdsprachlichen Unterricht. Was früher mühsam und zeitaufwendig mit Schere, Folie und Overheadprojektor gemacht wurde, lässt sich nun per Drag-and-Drop realisieren: Ein Textobjekt (z. B. ein Satzteil) lässt sich durch Klicken aktivieren und mit dem Finger an die richtige Position ziehen. Auf diese Weise entstehen komfortabel und einfach dynamische Tafelbilder, die per E-Mail an die Lerngruppe verschickt oder direkt in eine eingeführte Lernplattform hochgeladen werden können, wo sie etwa im Rahmen einer Hausaufgabe weiterbearbeitet und ergänzt werden können.
Außerdem können Schüler auf dem Tafelbild aufbauende, weitergehende Aufgaben für ihre Mitschülerinnen und Mitschüler erstellen. Die Lerngruppe kann Zusammenhänge leichter erkennen, da sie anschaulicher und verständlicher dargestellt werden können.
Bekanntes neu erleben
So können mithilfe eines Spots oder der Lupe einzelne Bestandteile des projizierten Bildes hervorgehoben und fokussiert werden. Die Funktion des Spots ist ein erhellter Bildausschnitt, der sich durch Drag-and-Drop vom Mittelpunkt nach außen vergrößern und durch Ziehen am Rand verschieben lässt. Andere Objekte wiederum lassen sich durch einen digitalen Vorhang verdecken und langsam – Schritt für Schritt – sichtbar machen, ähnlich, wie Sie es vermutlich mit einem Deckblatt auf dem Overheadprojektor ebenfalls getan haben.
Flexibel nutzbare Ergebnisse
Um Lösungen einer Aufgabe zu verdecken, haben Sie bei der Nutzung einer interaktiven Tafel eine weitere Möglichkeit als nur die Verwendung des Bildschirmvorhangs. Sie können nämlich ein in der Hintergrundfarbe erstelltes Objekt über den zu verbergenden Text legen. Dadurch wird er verdeckt und ist nicht mehr sichtbar. Klickt man das nun über dem Text liegende Objekt an und verschiebt es, gibt es den Blick auf den Text (also die Lösung) frei. Ein Objekt (z. B. ein Textfeld oder eine Abbildung) lässt sich durch Drücken und Ziehen an seinen Rändern vergrößern oder verkleinern. Objekte lassen sich am Rand verstecken und bei Bedarf ins Tafelbild einholen. Über die Whiteboard-Software lassen sich getätigte Aktionen mit dem auf die interaktive Tafel projizierten Computerbild aufzeichnen und später abspielen. Dabei wird eine Animationssequenz erzeugt, die über die Steuersymbolleiste gestartet werden kann. Diese kann den Schülern dann digital zur Verfügung gestellt werden, sodass sie die einzelnen Unterrichtsschritte, die zur Erstellung des Tafelbildes geführt haben, nachvollziehen, beispielsweise im Rahmen der Vorbereitung auf eine Klassenarbeit oder Klausur. Da die gesamte Lerngruppe am Entstehungsprozess beteiligt ist und den Geschehnissen einfacher folgen kann, zeigt sie eine größere Aufmerksamkeit und ist motivierter.
Dieser Beitrag ist ein Auszug aus Martin Kohns Buch „Unterricht 2.0. Lernen und Lehren mit interaktiven Tafeln“. Velber 2011, Friedrich Verlag, ISBN 978-3-7800-1084-1, 24,95 EUR. Erhältlich im Buchhandel oder direkt beim Verlag (Adresse siehe Impressum).
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