Projekte
Mitmachen motiviert!
Im Stadtraumblog präsentieren Jugendliche ihre Stadt-Raum-Gestaltung
Susanne Schlaikier / Frauke Langhorst
Jugendliche der Saale Schule für (H)alle modellieren ihre Ideen in 3D mit Google SketchUp
© Daniela Küllertz, DKJS
8 „Das Projekt will Kinder dazu ermutigen, das zu machen, was ihnen wichtig ist“, sagt Sylvia Ruge, Regionalstellenleiterin der DKJS in Sachsen-Anhalt. Jugendliche würden viel zu wenig berücksichtigt, wenn es darum geht, Straßen, Plätze und Parks zu planen, erklärt Projektleiterin Daniela Küllertz. „Bei ,Jugendliche gestalten Stadt-Raum‘ bekommen sie eine Stimme“, sagt sie. Ihre Vorstellungen realisieren die Jugendlichen nun gemeinsam mit Architekten, Künstlern, Medienpädagogen, Spielzeugdesignern, lokalen Unternehmen sowie kommunalen Vertretern. Das DKJS-Projekt wird finanziert aus Eigenmitteln sowie durch den Europäischen Sozialfonds, Sachsen-Anhalts Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt und die Heinz-Nixdorf-Stiftung.
Partizipation fördert Engagement und Eigenverantwortung
Über ihre Projektfortschritte berichten die Schüler im eigenen Stadtraumblog. Die Plattform ist für sie außerdem ein wichtiges Forum, um sich auszutauschen und neue Mitstreiter zu gewinnen. „Und ganz nebenbei erwerben die Schüler wichtige Medienkompetenzen“, stellt Projektleiterin Küllertz fest. Im Blog findet man auch Informationen zum interaktiven mobilen Stadtplan für die mobile City Bernburg, entwickelt von Schülern des Campus Technicus. Entworfen haben sie mit Unterstützung der FH Anhalt und des Stadtraumteams außerdem einen Schulhof: eine komponierte Fläche mit farbenfrohen Terrassen, Dschungel, Fußballfeld, Ruhezone, „Rankgerüst“ zum Klettern und verschiedenen Sitzelementen. Dafür haben die Jugendlichen lokale Unternehmen als Unterstützer gewonnen, eine Scheckübergabe der Volksbank war krönender Abschluss der Projektpräsentation.
Die Partizipation Jugendlicher am kommunalen Geschehen und ihre aktive Beteiligung an der Gestaltung öffentlicher Räume fördert das Engagement und die Eigenverantwortung von Jugendlichen – und wirkt damit Abwanderungen entgegen, wissen die Programmleiterinnen: „Ziel des Projektes ist es zum einen, den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, ihre Perspektiven und stadt-räumlichen Bedürfnisse öffentlich zu machen. Zum anderen sollen die Erwachsenen – vom Bürgermeister bis hin zum lokalen Kioskbesitzer – diese Perspektiven und Bedürfnisse kennenlernen. Das Gefühl, dabei auf Augenhöhe mit Entscheidungsträgern und Experten zu agieren, stärkt Kinder und Jugendliche in ihrem Selbst- und Verantwortungsbewusstsein, in ihrer sozialen Kompetenz und Identifikation mit ihrer Umgebung. “
Stadt-Räume werden zu Lernräumen
Das Projekt öffnet die Stadt-Räume auch für den Unterricht. In Haldensleben etwa haben vier Jugendliche gemeinsam mit dem Kinderkunstforum und in Begleitung des Stadtraumteams der DKJS ein „mobiles Klassenzimmer“ entwickelt: ein Konzept zur Verlegung des Unterrichts an Lieblingsorte im Stadt-Raum. Noch in diesem Schuljahr wird es im örtlichen Schwimmbad starten. Auch Hallenser Schüler gehen demnächst auf Tour. Sie haben Outdoormöbel für städtische Brachflächen entworfen und ein selbst gebautes Skatemobil vor Ort mit Jugendlichen aus anderen Projektstandorten getestet. Selber skate sie zwar nicht, sagt Sonja Nebel von der Saaleschule, „aber es ist schön, mitzumachen und Teil des Ganzen zu sein“. Auch Paul Poege hat das „mobile Klassenzimmer“ begeistert mitgeplant. In Zukunft werden er und seine Mitschüler losziehen, um an ihren Lieblingsorten im Stadt-Raum zu lernen – im Schlepptau einen Wagen mit einem Klassensatz Sitzkissen, Schulmaterialien und einer Tafel.
Von dem Projekt sind auch die beteiligten Pädagogen begeistert, unter ihnen Kunstlehrerin Petra Reinecke aus Wolfen. Dort soll in einem Wohngebiet eine „Innenhoflandschaft“ entstehen. Ihre Ideen haben die Jugendlichen gemeinsam mit dem Architekten Wolfgang Würth und dem Team der DKJS in einem maßstabsgetreuen Modell sowie in verschiedenen 3D-Modellen dargestellt. Da würden sich nicht nur die Kinder wohl fühlen, sondern auch ältere Menschen, die ihren Enkeln beim Klettern zusehen und junge Mütter beim Spazierengehen, meint Petra Reinecke.
Angret Zahradnik aus Bernburg denkt zudem, dass aktive Beteiligung die Lernmotivation positiv beeinflusst. Überhaupt habe die Mitarbeit die jungen Leute auch persönlich weitergebracht. Projektleiterin Küllertz bestätigt das. Die Jugendlichen lernen, in ihren Planungen das Organisatorische genauso zu beachten wie unterschiedliche Perspektiven und Interessen. Auch die Erwachsenen würden davon profitieren, meint DKJS-Projektmitarbeiter Marcel Korth: „Jugendliche machen oft Vorschläge, auf die Erwachsene nie kommen würden.“
Susanne Schlaikier, Journalistin Frauke Langhorst, Programmkommunikation Deutsche Kinder- und JugendstiftungProjekte
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