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Praxis

Pool guter Beispiele

Maren Wichmann über den Sinn der Netzwerkarbeit von Ganztagsschulen

Stephan Lüke

56 Ganztagsschulen gehören dem zweiten bundesweiten Netzwerk im Programm „Ideen für mehr! Ganztägig lernen.“ an. Diese Schulen gelten inzwischen auch jenseits des Netzwerks als hervorragende Best-Practice- Beispiele. Die für das Programm zuständige Leiterin bei der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, Maren Wichmann, erläutert im Interview das Erfolgsrezept – und warum Netzwerkarbeit so wichtig ist

Im Sommer 2012 haben Sie das erste bundesweite Netzwerk Ganztagsschule abgeschlossen, im Frühjahr 2013 sind Sie mit einem neuen gestartet. Worum geht es da konkret?

Das Besondere des alten und des neuen Netzwerks ist, dass die beteiligten Ganztagsschulen jeweils ein konkretes Entwicklungsvorhaben benennen und es an ihrer Einrichtung umsetzen. Die Schulen des abgeschlossenen, aber auch die des neuen Netzwerks sind jeweils in einem der sechs unterschiedlichen Unter-Netzwerke aktiv. Dort arbeiten sie mit Schulen aus anderen Bundesländern zusammen. Bei den Netzwerktreffen, die zweimal jährlich in verschiedenen Bundesländern stattfinden, reflektiert jede Schule den Entwicklungsstand ihres Vorhabens und erhält dazu kollegiales Feedback.

Kann das überhaupt funktionieren, wenn so unterschiedliche Schulen, und dann auch noch aus verschiedenen Bundesländern, voneinander lernen sollen?

Das hat bei den Schulen in der Tat zunächst Skepsis ausgelöst: Die Rahmenbedingungen und auch die Bezeichnungen ganztägiger Angebote in den einzelnen Bundesländern sind so unterschiedlich. Manch einer fragte sich, ob man in dieser Konstellation voneinander lernen kann? Was können wir als Gymnasium von einer Grundschule lernen? Oder: Wie kann man z. B. die Erfahrungen von gebundenen Ganztagsschulen mit individuellem Lernen auf eine offene Ganztagsschule übertragen? Doch es zeigt sich schnell: Neugier, Offenheit und Zugewandtheit ermöglichen ein sehr kreatives Arbeiten.

Die Schulen des abgeschlossenen Netzwerkes haben den neu aufgenommenen bei ihrer Auftaktveranstaltung mit großer Begeisterung von den Wirkungen dieses Austausches und den Ver-änderungen an ihren Schulen erzählt. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Die Historikerin Maren Wichmann leitet seit 2008 bei der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung das bundesweite Ganztagschulprogramm „Ideen für mehr! Ganztägig lernen.“

Das sind im Wesentlichen drei Momente: Auf die Bedeutung der bundesweiten Netzwerktreffen bin ich schon eingegangen. Wichtig ist erstens, dass diese gut strukturiert an den jeweiligen Entwicklungsstand der Schulprojekte anknüpfen. Dass die Schulen dort Raum erhalten, auch innerhalb ihres Schulteams zu reflektieren. Dass sie kollegiales Feedback erhalten und gemeinsam nächste Schritte planen. Dafür ist es unabdingbar, dass mehrere, und in der Regel die gleichen Personen, teilnehmen. So entsteht Kontinuität, Vertrauen und große Verbindlichkeit.

Ganz besonders hoch im Kurs stehen zweitens die gegenseitigen Hospitationen. Jede Schule wählt dafür eine sogenannte Tandemschule aus, die sie besucht. Diese Tandems entwickelten oft ein besonderes Vertrauens- und Lernverhältnis.

Und drittens stehen die regionalen Serviceagenturen „Ganztägig lernen“ den Schulen zur Seite. Sie helfen, wenn es um die konkrete Begleitung vor Ort, um eine Fortbildung oder die Hospitationen geht.

Wie werden die Erkenntnisse des ersten Netzwerks genutzt? Welche Bedeutung hat das Thema Transfer?

Das besitzt einen hohen Stellenwert. Die Porträts dieser Schulen sind auf der Programmseite www.ganztaegig-lernen.de nachzulesen und sind alle hervorragende Best-Practice-Beispiele. Diese Schulen haben etwas zu erzählen und sind mittlerweile gefragte Experten. Wenn Sie einmal einen Blick in die Referentenlisten von Fachtagungen, Fortbildungen oder Hospitationen in den Ländern oder auch bundesweit werfen, werden Sie immer wieder auf diese Netzwerkschulen treffen. Den Pool an guten Beispielen zu vergrößern, ist auch ein Ziel der Netzwerkarbeit. Die Vernetzung dieser Schulen vor Ort und die Zusammenarbeit mit den Ser­viceagenturen ermöglichen einen nachhaltigen Transfer außerhalb des Netzwerks.

Nun sind Sie erneut mit 56 Ganztagsschulen aus allen Bundesländern gestartet. Was mussten die Schulen tun, um dabei zu sein?

Sie haben sich bei ihren Serviceagenturen „Ganztägig lernen“ mit einer konkreten Projektidee beworben. Die Service­agenturen haben aus der zum Teil großen Zahl von Bewerbungen jeweils bis zu vier Schulen ausgewählt. Es wurden sechs Netzwerke mit Schulen mit ähnlichen Vorhaben gebildet. Die Heterogenität in Bezug auf Schularbeit, Ganztagsform und Bundesland ist erneut bewusst gesetzt. Diese Schulen haben sich jetzt im Februar beim Auftakttreffen kennengelernt, die weiteren vier großen Netzwerktreffen vereinbart und erste Instrumente des Projektmanagements erprobt. Nun entwickeln sie mit Unterstützung der Serviceagentur bis zum Frühsommer die konkreten Ziele und Maßnahmen für ihr Vorhaben.

Welche Erwartungen verbinden Sie im Programm „Ideen für mehr! Ganztägig lernen.“ mit dieser neuen bundesweiten Netzwerkrunde?

Zunächst einmal möchten wir erfolgreiche Entwicklungsprozesse bei den beteiligten Schulen anstoßen. Dann wollen wir die Entwicklung guter Beispiele, guter Lösungen und Wege für gute Ganztagsschulen bekanntmachen. Als Inspiration für all jene in den Ländern und vor Ort, die nicht dabei sein können. Für diesen Transfer ist es wichtig, dass die Serviceagenturen von Beginn an mit dabei sind.

Das vollständige Interview unter:

www.ganztagsschulen.org/de/4041.php

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