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Unterricht

Eine „BildungsBande“ gründen

Schüler lehren Schüler: ein Peer-Education-Programm

Julia Kerber

Jüngere Kinder nehmen von älteren Tipps und Hinweise beim Lernen oft bereitwilliger an als von Erwachsenen. Diesen Umstand nutzt die Peer-Education

Was ist Peer-Education? Der Kern des Projektes „BildungsBande“ ist das gemeinsame Lernen aus der Begegnung von Jugendlichen mit Kindern beziehungsweise älteren mit jüngeren Kindern

Das englische Nomen „peer“ heißt über- setzt „Kollege/Kollegin“ oder „Gleich-gestellte(r)“, und das Verb „to peer“ bedeutet „forschend blicken“. Es drückt also den Aspekt der Gleichrangigkeit aus. Der Begriff Peer-Education bezeichnet Projekte, bei denen Jugendliche zu Schülercoachs geschult werden, um Gleichaltrigen oder Jüngeren ein bestimmtes Thema nahezubringen. Im Deutschen wird neben dem Begriff des „Peer-Coachs“ auch der Begriff „Teamer“ verwendet.

In dem Peer-Education Programm „BildungsBande“ betreuen Schülerinnen und Schüler institutionenübergreifend jüngere Kinder und fördern ihre sprachlichen, personalen und sozialen Kompetenzen und Talente. Grundschulkinder betreuen Kinder in der Kita, Jugendliche aus weiterführenden Schulen arbeiten mit Grundschulkindern. Sie unterstützen die jüngeren Kinder im Unterricht, bei den Hausaufgaben, der Erkundung ihrer Umgebung oder bei eigenen Projekten.

Für die „BildungsBande“ haben sich zahlreiche erfahrene Träger zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Claudia Menge, Assistentin der Geschäftsführung in der Zukunftsstiftung Bildung, erklärt: „BildungsBande bringt eine andere Richtung in die Schulen. Denn Kinder und Jugendliche dürfen erleben: Ich darf etwas entwickeln und mich um andere kümmern. Jetzt bin ich ein gestaltender Akteur. Diese Erfahrung von Sinnhaftigkeit des persönlichen Tuns möchten wir vielen jungen Menschen ermöglichen. Dadurch entsteht auch eine neue Begegnungskultur.“

Lass uns eine Bande gründen!

Die „BildungsBande“ realisiert diverse Projekte. Es gibt unterschiedliche Banden für bestimmte Themen:

  • „BildungsBande – damit’s beim Lernen klappt“
  • „BildungsBande – mit Energie in die Zukunft“
  • „BildungsBande – mit Kinderrechten in die Zukunft“
  • „Die Bande filmt – das Filmprojekt der BildungsBande“

Aktuell beteiligen sich Partnerschulen in Nordrhein-Westfalen, Berlin, Hessen und Rheinland-Pfalz. Mit Grundschulen, Kitas und Familienzentren sind es insgesamt über 100 Partner.

In jedem Schuljahr werden fast 500 Schülercoachs für den Einsatz in Partnerschulen und Kitas ausgebildet. Etwa 800 Kinder in Grundschulen und Kitas werden betreut.

Damit’s beim Lernen klappt

Die Zukunftsstiftung Bildung in der GLS Treuhand in Bochum betreut bundesweit die „BildungsBande – damit‘s beim Lernen klappt“. Sie setzt sich die Erneuerung von Bildung zum Ziel und unterstützt Konzepte und Methoden, die in Kindergärten, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen individuelle Entwicklung fördern, damit sich junge Menschen zu freien und verantwortungsvollen Persönlichkeiten entwickeln können. Es werden pädagogische Ansätze gefördert, die Lernen und Kreativität zusammenführen.

„Wir möchten dazu beitragen, soziale Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen zu stärken“, sagt Lea Jaenicke, Regionalkoordinatorin in Berlin. „Denn neugierig und kritisch auf die Welt zu schauen wird im Austausch gelernt – um Antworten auf Fragen zu erhalten braucht es ein Miteinander.“

Wenn es um Sprachkompetenz geht, ist diese Bande genau richtig. Leider haben heute viele Kinder mit oder ohne Migrationshintergrund Probleme beim Lesen, Schreiben und Sprechen. Die Schülercoachs unterstützen jüngere Kinder zum Beispiel, indem sie sich gegenseitig vorlesen, gemeinsam spielen oder Übungen zur Stärkung von Aufmerksamkeit und Konzentration machen. Das Lernen auf Augenhöhe macht nicht nur Spaß, sondern zeigt erstaunliche Erfolge und ist eine Bereicherung für beide Seiten. Schülerin Michaela erzählt von ihren Erfahrungen: „Ich bin ein Schüler-Coach, weil viele Kinder Unterstützung brauchen, die sie von ihren Eltern nicht bekommen. Deswegen bin ich da, um den Kindern zuzuhören, welche Probleme sie haben und damit ich aus meiner eigenen Erfahrung helfen kann. Ich liebe es, mit Kindern zu arbeiten, weil sie mir einfach ein Lächeln ins Gesicht zaubern, auch wenn ich nicht so gute Laune habe.“

Mit Energie in die Zukunft

Im Frühjahr 2015 startete die Bande „mit Energie in die Zukunft“. Sie verschafft Kindern und Jugendlichen vielfältige Zugänge zum Thema Energie.

Kooperationspartner wie die wert-voll gGmbh, das Öko-Zentrum NRW und RWE unterstützen Jugendliche aus Dortmund und Hagen dabei, das Thema Energie aus vielfältigen Blickwinkeln zu begreifen. Anschließend gehen die Jugendlichen als Schülercoachs in Partnergrundschulen, um mit den Kindern dort ein halbes Jahr lang am Thema Energie zu arbeiten. Bei gemeinsamen Experimenten wird bei den Grundschülern die Neugierde geweckt, während die Schülercoachs vor der Herausforderung stehen, komplexe Vorgänge einfach zu vermitteln. Und gleichzeitig profitieren alle von der sozialen Komponente, indem sie sich helfen und eine Beziehung aufbauen. Die rege Nachfrage vieler Schulen aus der Region zeigt, dass das Konzept gut ankommt.

Arne Riepe, Programmkoordinator für die „BildungsBande – mit Energie in die Zukunft“ freut sich: „Das Staunen in den Augen der Grundschulkinder und der Stolz über eine bewältigte Herausforderung der Schülercoachs zeigen mir immer wieder, dass das Projekt für alle ein echter Gewinn ist. Es werden nicht nur die sozialen Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen gestärkt, sondern auch gleichzeitig fundamentale Themen bearbeitet, um die Gesellschaft von morgen zu gestalten.“

Kinderrechte

Makista e.V. in Frankfurt ist zuständig für die „BildungsBande – mit Kinderrechten in die Zukunft“ für Schulen in Hessen und Rheinland-Pfalz. Sie möchte dazu beitragen, dass Kinder von klein auf Respekt erfahren und Demokratie leben lernen. Die beteiligten Kinder und Jugendlichen dieser Bande lernen auf spielerische Art Kinderrechte und ihr Recht auf Partizipation kennen. Als Botschafter für Kinderrechte stärken sie sich und andere.

„Wir wollen ganz vielen Kindern in allen Regionen Deutschlands diese Gelegenheit bieten, als Schülercoach mit jüngeren Kindern regelmäßig über ein Jahr zu lernen, zu spielen und sich vertrauensvoll auszutauschen“, sagt Matthias Riepe, Geschäftsführer der Zukunftsstiftung Bildung. „Wenn möglichst viele junge Menschen in ihren frühen Jahren unmittelbar aus Erfahrung verstehen, was positive Beziehungen sind, dann wird das wertvoll sein für die Zukunft unserer Gesellschaft.“

Weitere Informationen:

www.bildungsbande.de

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