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Bildung

Integration durch Bildung

... ist Herausforderung und Chance zugleich für das Bildungssystem

Messe Stuttgart / didacta

890.000 Flüchtlinge kamen allein 2015 nach Deutschland, weitere Tausende in den vergangenen Monaten. Ihre Integration ist Herausforderung und Chance: Sie findet nicht zuletzt in Kitas, Schulen und Ausbildungsbetrieben, Unis, Berufsschulen sowie Sprachkursen statt

Lange war kaum bekannt, über wie viel schulische und berufliche Qualifikation die einzelnen Neuankömmlinge verfügen. Klar war nur: Der durchschnittliche Flüchtling ist jünger als 33 und männlich. Inzwischen zeigt eine Erhebung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge unter Asylbewerbern: Den vielen Personen, die eine Hochschule oder ein Gymnasium (36 Prozent) besucht haben, steht eine nennenswerte Gruppe gegenüber (31 Prozent), die keine Schule oder nur eine Grundschule besucht haben. Deutlichen Nachholbedarf gibt es auch bei der beruflichen Qualifizierung: Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung geht davon aus, „dass der berufliche Bildungsstand der Flüchtlinge sehr viel geringer als der der Deutschen ist“.

Sprachbarriere, Heimweh, Neuanfang

In Deutschland stehen die Geflüchteten vor vielen Herausforderungen: Die deutsche Sprache muss erlernt werden. Etwa ein Drittel der AsylbewerberInnen war noch nie erwerbstätig. Gerade Kinder und Jugendliche müssen Heimweh und Fluchterfahrungen verarbeiten. Das gesamte Bildungssystem ist gefragt, auch weil der Nationale Bildungsbericht vor Kurzem gezeigt hat: Integration funktioniert in Deutschland – unabhängig vom jüngeren Flüchtlingszustrom – nicht so gut, wie erhofft. Personen ohne deutschen Pass erreichen nur halb so oft die Allgemeine Hochschulreife wie ihre deutschen Mitschüler, und verlassen doppelt so häufig die Schule ohne Abschluss.

Angesichts nahezu 300.000 neu zugewanderter Schüler an allgemein- und berufsbildenden Schulen im vergangenen Schuljahr betonte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Dr. Claudia Bogedan: „Nur durch Bildung kann Integration gelingen.“ Kitas und Schulen haben sich inzwischen vielfach auf Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund eingestellt. Viele Unternehmen, Industrie- und Handelskammern initiieren Programme für Asylsuchende, Universitäten bieten kostenlose Studienplätze an. Einige Maßnahmen sind bereits angeschoben worden, vieles muss noch getan, verändert, verbessert werden.

Neue Initiativen, Methoden, Lernangebote

Bewährte Ansätze ebenso wie neue Methoden sind gefragt: Die Entwicklung zu mehr digitalem Lernen könnte für Deutschlands neue Bewohner hilfreich sein. Unbesetzte Ausbildungsplätze wären eine Chance für Geflüchtete. Doch welche Projekte, Lernangebote und Initiativen gibt es überhaupt? Wo mangelt es an bildungspolitischer Unterstützung? Muss Deutsch als Fremdsprache bundesweit Teil der Lehrerausbildung werden? Wie können Betriebe und berufliche Schulen in Kontakt zu interessierten Flüchtlingen treten?

Bildung durch Integration

Auf der didacta wird es viele Veranstaltungen zur Integration von Kindern mit Migrationshintergrund geben – auch zum Modell der Vorbereitungsklasse, in der etwa diese Flüchtlingskinder mit unserem Schulsystem „warmwerden“

Nicht zuletzt gilt es auch zu fragen, ob Bildung allein der Schlüssel zur Integration sein kann. Vor allem mit Blick auf die frühkindliche Entwicklung betont Bildungsforscher Prof. Dr. Wassilios E. Fthenakis: „Wir müssen das Verhältnis umkehren: erst die Kinder gut sozial und kulturell in die neue Umgebung einbetten und dann mit Bildungsangeboten beginnen.“ Die vorliegende Forschung bestätige, dass man sich nicht auf die Vermittlung von Sprachkompetenz beschränken dürfe. „Wir müssen aus den Fehlern der Vergangenheit die richtigen Schlüsse ziehen, damit Kinder mit Fluchterfahrung und ihre Familien selbstbestimmt an unserer Gesellschaft teilhaben können“, so der Präsident des Didacta Verbandes der Bildungswirtschaft.

Von den neuen Mitschülern, Kolleginnen und Kollegen können schließlich auch Lernende ohne Migrationshintergrund profitieren: „Die Welt kommt ins Haus, das Leben wird bunter und reicher, je verschiedener wir sind umso mehr können wir voneinander lernen“, meint Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Renate Zimmer, Direktorin des Niedersächsischen Instituts für Frühkind- liche Bildung und Entwicklung (nifbe). Diese Haltung gelte es, „bei Kindern, Eltern und pädagogischen Fachkräften zu unterstützen“ – in der Kita, der Schule und an vielen anderen Lernorten.

Weitere Informationen:

www.messe-stuttgart.de/didacta/

 

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