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Bildung

Traumjob Lehrer?

Wie Lehrer den Herausforderungen von Inklusion, Integration, Bürokratie und Elternarbeit begegnen

Messe Stuttgart / didacta

Die hohe psychische Belastung sei die größte Herausforderung in ihrem Beruf – das sagen sieben von zehn Lehrkräften in einer aktuellen Umfrage des Didacta Verbands. Viele fühlen sich durch verhaltensauffällige oder schwierige Schüler überfordert; häufig fehlt die Unterstützung der Schul-leitung. Zudem beobachten die Befragten eine zunehmende Aggressivität in der Sprache der Schüler. Sie müssen sich daher auch verstärkt mit dem gesellschaftlichen Auftrag der Schule befassen

Besorgt über die „Verrohung des Umgangs miteinander“, ist auch der Baye-rische Lehrer- und Lehrerinnenverband. In einem Manifest forderte er im September Lehrkräfte dazu auf, „Haltung“ gegenüber sogenanntem „Hate Speech“ zu zeigen. Gewalt und Aggressivität unter Schülern kennzeichnen ebenfalls Situationen, in denen sich Teilnehmer der Didacta-Umfrage überfordert sehen. Etwa 80 Prozent wünschen sich bei schwierigen Schülern mehr Hilfe – insbesondere von externen Fachkräften wie Sozialarbeitern oder Psychologen.

Lehrerumfrage des Didacta Verbands 2016

Die wichtigsten Ergebnisse der Befragung des Didacta Verbands – insbesondere die erste Grafik – spiegeln gesellschaftliche Zustände und Herausforderungen

Der Didacta Verband befragte im Sommer rund 1.140 Lehrkräfte zu Herausforderungen im Schulalltag. Die Umfrage ist nicht repräsentativ, soll aber ein Stimmungsbild beim Unterstützungsbedarf zeichnen, damit sich die Verbandsarbeit besser auf die Lehrerbedürfnisse ausrichten kann. Unter den Befragten waren Vertreter von Grundschulen, Förderschulen, Berufsschulen sowie der Sekundarstufe I und II. Zwei Drittel der Befragten üben den Lehrberuf seit mehr als zehn Jahren aus. Die Unterstützung für Beschäftigte im Bildungswesen ist das Hauptthema des Angebots auf der Didacta-Bildungsmesse 2017 in Stuttgart.

Schulische Inklusion überfordert

Zudem nimmt die Heterogenität der Klassen in vielerlei Hinsicht zu: Das umfasst nicht nur Kinder aus sozial benachteiligten Familien oder Jugendliche mit Migrationshintergrund. Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention hat sich Deutschland zur schulischen Inklusion verpflichtet. Seit 2009 sollen Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam in regulären Schulen lernen können. Doch viele Lehrkräfte sind nicht sonderpädagogisch aus- oder weitergebildet und stoßen beim Umgang mit inklusiv beschulten Kindern deshalb an Grenzen. Laut Didacta-Umfrage wünschen sich etwa zwei Drittel der Befragten mehr Hilfe und Angebote im Bereich Inklusion. Dabei würden mehr als 70 Prozent der Lehrkräfte gern auf die Unterstützung von externen Fachkräften zurückgreifen können.

Wachsende Arbeitsbelastung

Ein Gutachten des Aktionsrats Bildung zeigt, dass viele Beschäftigte im Bildungswesen unter chronischem Stress und psychischen Beeinträchtigungen leiden. Dazu trägt auch der Aufwand durch bürokratische Aufgaben wie Dokumentation bei. Oft ist die Mehrarbeit sogar unbezahlt. Laut Arbeitszeitstudie der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) Niedersachsen machen Gymnasiallehrer beispielsweise durchschnittlich pro Woche mehr als drei Überstunden. Landesweit kämen so 50.000 Stunden unbezahlte Mehrarbeit zusammen. Die GEW Brandenburg forderte jüngst für alle Lehrkräfte eine zeitliche Entlastung und materielle Anerkennung für zusätzliche Tätigkeiten. Zu viele Zusatzaufgaben und Termine zählen auch in der Didacta-Umfrage zu den Aspekten, von denen sich Lehrende überfordert sehen: 97 Prozent gaben an, nach dem Unterricht immer mehr zusätz- liche Aufgaben übernehmen zu müssen. Ob Heterogenität der Klassen, Inklusion von Kindern mit Förderbedarf oder Erziehungsauftrag – das Stimmungsbild der Umfrage zeigt letztlich eines: Mit den wachsenden gesellschaftlichen Herausforderungen steigen auch die Anforderungen an Lehrkräfte.

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