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Unterricht

Gute Beispiele machen Schule

Jugendliche übernehmen Unterricht und Verantwortung

Eva Walitzek

Ob beim Unterricht in den Klassen oder in der Schulleitung: Am Schüler-machen-Schule-Tag tragen die Jugendlichen die Verantwortung

Ein Wechsel der Perspektive bringt oft neue Einsichten – und stärkt das Verständnis für die „andere Seite“. An der Evangelischen Schule in Neuruppin werden die Schülerinnen und Schüler an einem Tag zu Lehrkräften. Mehr Informationen über das mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnete Projekt im folgenden Artikel – und auf der Onlineplattform Deutsches Schulportal.

Den vorletzten Tag vor den Weihnachtsferien nutzt das gesamte Kollegium der Evangelischen Schule Neuruppin seit gut einem Jahrzehnt für eine schulinterne Fortbildung außer Haus. Dafür, dass an der Schule dennoch alles rund läuft und der Stundenplan eingehalten wird, sorgen die Schülerinnen und Schüler der elften Klassen: Sie übernehmen sämtliche Aufgaben – vom Hausmeisterdienst über Verwaltung und Unterricht bis zur Schulleitung.

Sorgfältige Vorbereitung

Auf den Schüler-machen-Schule-Tag bereiten sich die Jugendlichen gewissenhaft vor. Sie überlegen zunächst, wo ihre persönlichen Stärken liegen und wer welche Aufgaben übernehmen kann. Um sich mit den Anforderungen vertraut zu machen, sprechen sie mit den jeweiligen Fachlehrkräften, dem Hausmeister, den Sekretärinnen und mit der Schulleitung. Am Projekttag erleben die Jugendlichen dann, wie komplex die verschiedenen Arbeitsbereiche sind – und sehen alles mal aus einer anderen Perspektive.

Gemeinsam erstellen die Elftklässler im Vorfeld Einsatzpläne für den Unterricht, für Pausen- und Essensaufsichten sowie für kurzfristige Vertretungssituationen. Am Projekttag koordiniert die Schüler-Schulleitung dann die Abläufe und die Arbeit der „Kolleginnen und Kollegen“.

Die Lehrer-Schüler wählen ihren fachlichen und pädagogischen Interessen entsprechend die Klassen und Kurse der Grundschule und der Sekundarstufe I aus, in denen sie – jeweils zu zweit – unterrichten wollen. Um die Kinder kennenzulernen, hospitieren sie etwa 14 Tage vor dem Projekttag in „ihren“ Klassen. Mit den Fachlehrkräften besprechen sie Besonderheiten und Themen, die auf dem Lehrplan stehen. Die Jugendlichen können aber auch eigene Ideen einbringen und Themen behandeln, die im Unterricht sonst keinen Platz finden.

Rollenwechsel mit Folgen

Mit dem Einsatz vor Weihnachten endet das Engagement der Lehrer-Schüler meist nicht. Nach den Weihnachtsferien erhalten sie zunächst von den Klassen und den Fachlehrkräften ein Feedback zu ihrem Unterricht. Das fällt meist positiv aus.

Die Schülerinnen und Schüler der elften Klassen übernehmen auch nach dem Projekttag mehr Verantwortung und identifizieren sich stärker mit ihrer Schule als zuvor. Viele Lehrer-Schüler kehren später gelegentlich in „ihre“ Klassen zurück, unterrichten eigenverantwortlich oder auch im Team mit einer Lehrkraft einzelne oder mehrere Stunden. So sammeln die Jugendlichen wertvolle Erfahrungen und entwickeln didak­tisch-methodische Kompetenzen. Und manche/r bekommt dadurch Lust auf einen pädagogischen Beruf.

Die Zusammenarbeit beim Projekt stärkt zudem das Teamgefühl und den Zusammenhalt der Elftklässler. Und auch das Verhältnis zu den Lehrkräften, die ihnen Verantwortung übertragen, und zu den jüngeren Schülerinnen und Schülern, die sie unterrichtet haben, verbessert sich. So wirkt das Projekt positiv aufs Schulklima.

Krise bewältigt

Dass sie auch kritische Situationen managen können, bewiesen die Schülerinnen und Schüler, als an einem Schüler-machen-Schule-Tag in der Nähe der Schule ungeplant eine Weltkriegsbombe entschärft werden musste.

Die Polizisten, die die Entschärfung vorbereiteten, waren zunächst überrascht, statt der Schulleiterin und „richtiger“ Lehrkräfte nur Jugendliche in der Schule anzutreffen – und lobten dann deren umsichtiges Verhalten. Nach Rücksprache mit seinen jungen Kolleginnen und Kollegen entschied der Schüler-Schulleiter, dass alle Schülerinnen und Schüler aus Sicherheitsgründen die Pausen im Gebäude verbringen sollten. Die Schulleiterin und das Kollegium erfuhren erst im Nachhinein von dieser Situa­tion – und waren zufrieden.

Mehr Hintergrundinformationen über dieses Projekt und über andere nachahmenswerte Konzepte unter

www.deutsches-schulportal.de/

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