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didacta

Bildung für alle

Über das Lehren, Lernen und die Bildungsgipfel

Martin Huisman

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse stellte kürzlich fest: „Bereits heute besuchen nur 14% von Kindern aus Arbeiterfamilien eine höhere Schule; nur 26% der Unterschichteltern, gegenüber 69% der Oberschicht, ist es wichtig, die Lesefreude der Kinder zu fördern.“ Wenn wir aber von einer Gesellschaft sprechen, die lebenslanges Lernen in den Mittelpunkt stellt, müssen wir uns fragen, wie wir alle Menschen, unabhängig von Alter oder Bildungsgrad, zum Lernen befähigen und ihnen allen Chancen auf mehr Bildung ermöglichen

Zukunft durch Bildung

„Bildung macht zukunftsfähig“, lautet der Slogan der diesjährigen didacta, die vom 16.–20. März in Köln stattfindet. Aber wie die Zukunft aussehen soll, und vor allem, wer sie wie und warum finanzieren soll, darüber streiten sich – der Länderhoheit sei Dank – Frau Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder, Frau Schavan mit den Kultusministern und nicht zuletzt Herr Schäuble mit den Länderfinanzchefs. Um Inhalte geht es da weniger, denn Bildungswissenschaftler werden nicht zu Rate gezogen und die Betroffenen, die Schüler, Lehrer und Eltern bleiben ohnehin außen vor.

Seien wir ehrlich, es geht nicht um Bildung, es geht nicht um Zukunft, auch nicht um Verantwortung. Der Grund liegt auf der Hand: Schnelle Erfolge können mit Bildungsinvestitionen nicht erreicht werden. Hier helfen nur langfristige Konzepte, Geduld und echte Zukunftsinvestitionen. Aber die lassen sich in einer einzigen Legislaturperiode nur schlecht – wenn nicht gar nicht – werbe- und wahl-(wähler)wirksam platzieren und finanzieren. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass die politische Bildungsgipfelei auf die Betroffenen eher wie ein Lippenbekenntnis wirkt.

Der neue Bundeshaushalt steht. Die Ausgaben für Bildung und Forschung steigen im neuen Haushalt um 6,9%. Und wenn wir Glück haben, erreichen wir sogar die geplanten 10% des Bruttoinlandprodukts (BIP), die vor zwei Jahren in Dresden als Finanzierungsziel bis zum Jahr 2015 ausgegeben worden sind. Natürlich nicht, weil etwas die Ausgaben für diesen Sektor so stark steigen, sondern weil – der Krise sei dank – das BIP sinkt. Ein Schelm, der böses dabei denkt.

Auch die OECD hat scharf gerechnet und die Wachstumseffekte besserer Bildungsergebnisse untersucht. Das Ergebnis lautet zusammengefasst: „Würde man es schaffen, alle Schüler in den kommenden 20 Jahren mindestens auf das Basiskompetenzniveau von 400 PISA-Punkten zu bringen, könnte Deutschland zwischen 2010 und 2090 eine zusätzliche Wirtschaftsleistung von 12.000 Mrd. US-Dollar zu heutigen Preisen erwarten, oder mehr als das Vierfache der gesamten Wirtschaftsleistung eines Jahres.“ Wer will da noch behaupten, Investitionen in Bildung würden sich nicht lohnen.

Bildungsinvestitionen lohnen

Aber natürlich hat es auch in Deutschland in letzter Zeit Bildungsinvestitionen gegeben, die sich gelohnt haben: Das Konjunkturpaket II war ein Glücksgriff für die deutschen Schulen. 6,5 Milliarden Euro waren im Fördertopf und das meiste davon ist bereits verplant: Wo in den letzten Jahrzehnten kaum investiert wurde, in die Bausubstanz von Schulen, Kindergärten und Universitäten, ist gewaltig gewerkelt worden: neue Fenster und Türen, Dach- und Wandisolationen oder Strom- und Wasserleitungen.

Diese Investitionen werden sich auch in der Zukunft auswirken, denn die Heizkosten werden, trotz steigender Preise, gewaltig sinken – der energetischen Sanierung sei dank. Folglich sind, auch ohne ein neues Konjunkturpaket weitere Modernisierungen unserer Bildungshäuser möglich: neue Möbel, neue Computer, neue Tafeln, neue Lernmaterialien – denn das Geld wird nicht mehr zum Fenster hinausgeheizt. In Köln können sich die Besucher der didacta genauer ansehen, wie Bildung in Zukunft vermittelt werden kann. Wie Lehr- und Lernmaterialien jedweder Couleur aussehen können, vielleicht müssen.

Lehren und Lernen

Und was hat das Ganze mit dem Lernen und Lehren zu tun? So viel – und doch so wenig.

Kinder lernen mit Begeisterung, so lange sie klein sind und das auch ganz von selbst. Das ist auch meine Erfahrung als Vater eines Zweieinhalbjährigen. Im Kindergarten und auch noch in der Grundschule ist das Lernen zumeist noch mit Freude, der Freude am Entdecken von Neuem, der eigenen Fähigkeiten verbunden.

Doch was passiert, wenn schon hier nichts passiert, wenn Kinder nicht gefördert werden, die Lust verkümmert und am Ende die Chance auf Bildung nicht mehr gegeben ist? Was tun wir mit dem unteren Drittel, den Bildungsverlierern, denen, die an den Hürden des Bildungssystems scheitern, die sich verweigern – vielleicht ohne es zu wollen? Wie können wir dafür sorgen, dass die Bildung bei allen ankommt? Das sind die Fragen, um die wir uns wirklich kümmern und die wir wirklich beantworten müssen.

Alle Informationen zur didacta:
www.didacta-koeln.de

Höhepunkte in Kürze

Forum Unterrichtspraxis

Praktiker präsentieren gelungene Unterrichtsprojekte und neue methodische Ideen.

Tägl. ab 11 Uhr, Halle 9

Symposion „Gewalt im Netz – was können wir tun?“

Experten zeichnen ein umfassendes Bild zum Forschungsstand über „Gewalt im Netz“ und stellen pädagogisch begründbare Handlungsmuster vor.

18.–19. März, ab 11 Uhr, Raum Sek. 3, CC Ost

Forum Hochschule trifft Schule

Die Lehrerbildung, E-Learning, der Übergang von Schule zur Hochschule sowie das Berufsbild des Lehrer im Wandel stehen auf dem Programm des Forums.

Tägl. ab 11 Uhr, Halle 6

Livebühne Kinderkultur

Beliebte Kinderliedermacher singen und tanzen mit den Besuchern.

Tägl. ab 9 Uhr

UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“

Die deutsche UNESCO-Kommission zeigt auf einer Sonderschaufläche ausgezeichnete Projekte zum Thema.

Tägl. ab 9 Uhr, Stand A60/C61, Halle 7

Medienbildung in MINT-Berufen

Veranstaltung für Lehrer und Ausbilder, die ihre Schüler im Umgang mit digitalen Medien fit machen wollen.

16. März, 14 Uhr, Raum Sek. 2, CC Ost

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