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Bildung

Frühkindliche Förderung

Kinder auf dem Weg zur Physik

Manfred Bodemann / Wolfram Winnenburg

Internationale Vergleichsuntersuchungen – PISA- und Iglu-Studien – sowie Berichte der OECD bescheinigen dem deutschen Bildungssystem Mittelmaß. Kindergärten, Schulen und Universitäten sind gefordert, in kreativer Zusammenarbeit die Realisierung der von Kultusministern und Politikern angestoßenen Bildungsreformen in die Praxis umzusetzen. Das Institut für Didaktik der Physik an der Universität Siegen sieht sich bei dem gemeinsamen Bemühen um früh- und grundschulkindliche Förderung naturwissenschaftlicher Bildung auf einem guten Weg

Unsere Gesellschaft befindet sich in einem unaufhaltsamen Prozess der Wandlung hin zu einer hoch technisierten Wissensgesellschaft. Naturwissenschaft und Technik prägen heute bedeutend unseren Alltag und unsere Vorstellung von und über unser Leben in dieser Welt. Die Bedeutung der Naturwissenschaften und Technologien wird auch weiterhin zunehmen. Insbesondere wird ein Großteil der zukünftigen Berufsfelder in diesen Bereichen liegen oder zumindest bereichsnah bestimmt sein.

Dem entgegen steht die durch PISA deutlich gewordene Bildungsmisere in Deutschland, die von der Schule dringend Reformen einfordert. Das Bewusstwerden naturwissenschaftlicher Bildungsdefizite führt zu bildungspolitischen Forderungen. Anknüpfend an das große Interesse von Kindern sollen in Kindertageseinrichtungen und Grundschulen naturwissenschaftliche und technische Aktivitäten deutlich besser unterstützt und weiterentwickelt werden – und dies für Mädchen und Jungen gleichermaßen.

Derartige Zielvorgaben beinhalten neben dem Einsatz verstärkter finanzieller Mittel vor allem eine sach- wie kindgerechte und praxisnahe Aus- und Weiterbildung von Erziehern und Lehrkräften im Elementar- und Grundschulbereich.

Kinder wollen Forschen: Die Suche nach dem „Warum?“ macht ihnen ungeheuren Spaß – aber auch den Lehrenden, wie hier Wolfram Winnenburg

Kinderuniversität und Lernwerkstätten

Kinder strotzen geradezu vor Neugierde und Wissbegierde. Sie wollen die sie umgebende Welt begreifen und sich mit ihr und ihren vielfältigen Erscheinungen auseinandersetzen. Oft fehlen dazu in ihrer Lebenswelt Anregungen zu experimentieren, zu konstruieren oder etwas zu erforschen. Kinder sind vielmehr zum Zuschauen oder Konsumieren in ihrer Alltagswelt gezwungen. Auch in vielen Kindertageseinrichtungen erhalten Kinder nur selten Zeit und Orte zum handelnden Lernen, Ausprobieren und Experimentieren. Dabei gestaltet sich Lernen gerade im frühen Kindesalter leichter als in jeder späteren Lebensphase. Frühzeitige mit Freude und Spaß gewonnene Lernerfahrungen in Physik üben nicht nur einen nachhaltigen Einfluss auf spätere Interessen aus, sondern sind auch bestimmend für die weitere schulische Laufbahn.

Als Antworten auf frühkindliche Förderung in Naturwissenschaften etablierten sich an vielen Universitäten Kinder-Unis, Schülerlabore, Science-Center oder Lernwerkstätten. Ob ein einmaliger Besuch einer solchen Aktion für den Nachwuchs zum nachhaltigen Schlüsselerlebnis reift, kann mit Recht bezweifelt werden. Das Siegener Konzept für „Lernen im Kindergarten und Grundschule“ sieht derartige Angebote daher als Einstieg in eine mehrwöchige Vertiefungsreihe. Mit physikalischen Phänomenen des kindlichen Alltags, wie Sternenhimmel, Licht und Schatten, Regenbogen, Gewitter, Flugzeug, Eisbär, bringen wir Kinder zunächst zum Staunen. Durch die anschließende Auseinandersetzung mit „der Sache“ werden Fragen geweckt, Neues entdeckt, über Ursachen nachgedacht, Problemlösestrategien entwickelt, selbstständig experimentiert, also letztlich Kinder zu handelndem Lernen angeregt. Das natürliche Bestreben, unbekanntes Spannendes zu verstehen, eröffnet somit Wege zu einer naturwissenschaftlichen Grundbildung im Elementarbereich.

Praxisnahe Physikausbildung im Elementarbereich

Unser Ziel ist nicht, das Frühförderungsprogramm möglichst vielen Kindern zu bieten. Unser Ziel ist die Aus- und Fortbildung von Erziehern und Lehrkräften, um die Aktivitäten an dem originären Lernort – Kindergarten bzw. Grundschule – zu belassen und zu stärken. Dabei werben wir mit einem berufsfeldorientierten Konzept, das durch die Integration von Physik, Fachdidaktik und Lernpraxis gekennzeichnet ist. Die hierfür im Siegener Konzept angesiedelten offenen Lernwerkstätten – wie Umweltlabor, Medienlabor, Werkstatt Sachunterricht/Naturwissenschaft und Sternwarte – sind Orte der Begegnung, des Austauschs, der Planung und der Präsentation von handlungs- und praxisorientiertem Lernen auf dem Wege zur Physik.

Bei dem Siegener Konzept arbeiten und lernen Lehrer, Professoren, Studierende und Kinder in Gruppen miteinander und gemeinsam. Für die Ausbildung sind die Lernwerkstätten Kernelemente für das Prinzip des entdeckenden und handlungsorientierten Lernens. Für die Kooperation zwischen kindlichen Bildungseinrichtungen und Universität sind sie ideale außerschulische Lernorte.

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