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Interview

Ganztagsschule managen

Die neue Rolle der Schulleitung – Fortbildungs- und Unterstützungsangebote: Interview mit Regine Seemann

Die Schule an der Burgweide (Hamburg) besteht seit 1975 und ist seit 2007 gebundene Ganztagsschule. 85 Prozent der Kinder haben einen Migrationshintergrund. Die Schule beherbergt einen Hort für die Betreuung der Kinder vor Schulbeginn und in den Nachmittagsstunden bis 16 Uhr. Ein Gespräch mit der Schulleiterin Regine Seemann

Die Schule an der Burgweide hat sich ganz bewusst dazu entschieden, eine Ganztagsschule zu werden. Was haben Sie sich damals vor 3,5 Jahren davon versprochen – und: Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?

Seemann: Unser Anliegen war v. a. dass die Kinder sich nachmittags sinnvoll beschäftigen, ein vollwertiges Mittagessen bekommen und die Schule noch mehr als einen Lebensmittelpunkt begreifen, sich noch stärker mit ihr identifizieren. Diese Erwartungen haben sich erfüllt: Die Kinder lieben ihre Schule. Nun sind wir natürlich stetig dabei, unsere Ganztagsschule auszubauen und zu verbessern, um noch bessere Möglichkeiten für die Kinder zu schaffen.

Welche neuen Aufgaben hat das für Sie als Schulleiterin mitgebracht?

Seemann: Eine Herausforderung war zunächst die Erarbeitung eines Wochenstrukturplans mit vielen rythmisierten Elementen für die Kinder aber auch für das Kollegium. Die Organisation der Kurse und der Mittagsfreizeit mit ihren vielen Elementen ist eine sehr zeitaufwendige neue Aufgabe. Auch die Abrechnungen der Honorarkräfte und die damit verbundenen buchhalterischen Arbeiten sind Neuland für Schulleitung.

Was hat sich in der Steuerung dadurch geändert, dass Sie mit vielen Partnern kooperieren?

Seemann: Wir brauchen natürlich mehr Zeit für Absprachen. Andererseits erfährt man viel über die anderen Institutionen im Stadtteil. Und man kann gemeinsam viel für die Kinder erreichen: Durch unsere Zusammenarbeit mit dem Sportverein HT16 sind z. B. 220 unserer SchülerInnen dem Sportverein beigetreten und müssen als Hartz-IV-Empfänger durch die Initiative „Kids in die Clubs“ dafür nichts bezahlen. Sie können aber das Vereinsangebot innerhalb und außerhalb der Schule nutzen und z. B. auch an Wochenendfreizeiten teilnehmen.

Wer hat Ihnen persönlich geholfen, sich für die neuen Aufgaben fit zu machen?

Seemann: Natürlich in erster Linie Hospitationen an anderen Ganztagsschulen. Dies gibt einem schon viele Anregungen z. B. für die Gestaltung der Mittagsfreizeit. Sehr geholfen hat uns auch die Unterstützung der Serviceagentur „Ganztägig lernen!“ durch Beratung und Finanzierung von Fortbildungen des Gesamtkollegiums und der Schulleitung. Nicht zuletzt wird man als Schulleiterin aber immer wieder motiviert durch das starke Engagement und die Begeisterung der KollegInnen sowie natürlich der Kinder.

In der Ganztagsschule sollen Eltern mehr Gehör finden. Der Berliner Bildungsjournalist Christian Füller hat Eltern jedoch unlängst als „Bremse“ in der Schulentwicklung bezeichnet. Wie sieht das an Ihrer Schule aus?

Seemann: Ich glaube, „Bremser“ werden die Eltern im Schulentwicklungsprozess nur dann, wenn sie nicht miteinbezogen werden. Verläuft die Kommunikation zwischen Schule und Eltern asymmetrisch und ist Schulentwicklung für die Eltern nicht transparent, sind sie auch nicht bereit, sich konstruktiv zu beteiligen. An unserer Schule spielt die Schuldemokratie jedoch eine große Rolle. Es gibt sowohl eine Kinderkonferenz als auch neben den sowieso festgelegten Gremien wie Elternrat und Schulkonferenz ein Elterncafé. In allen Gremien wird über die Entwicklung unserer Schule rege diskutiert und alle Meinungen werden ernst genommen.