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Interaktive Tafeln

Die Hardware allein genügt nicht

Das Problem der Kreidetafel: Mit einem Wisch ist alles weg – auf dem Whiteboard nicht

Bislang sind weniger fünf Prozent der Schulen in Deutschland mit interaktiven Whiteboards ausgestattet. Dank des Konjunkturpakets II wird wohl so manche Schule in den kommenden Monaten neben Möbeln auch die neuen Tafeln anschaffen. Aber mit der Anschaffung der Tafeln ist es nicht getan. Whiteboards brauchen Inhalte und Lehrer brauchen Fortbildung – auch dafür müssen Gelder eingeplant werden.

Vor Jahren schon wurde in den Medien lautstark das Ende der Kreidezeit eingeläutet. Mit dem Einzug von Computer und Internet sah man die Ära von Tafel, Kreide – mitunter sogar von Buch und Heft – für beendet. Eine übereilte Schlussfolgerung. Seit einiger Zeit aber wiederholen sich die Schlagzeilen von damals. Der Grund: die interaktiven Whiteboards.

Gegen die multimediale Tafel sieht die konventionelle Schultafel tatsächlich alt aus: Vereint die moderne Konkurrentin doch die Möglichkeiten einer herkömmlichen Tafel mit allem, was ein Multimedia-PC zu bieten hat – von der schlichten Textbearbeitung über Präsentationen bis zu Sound- und Videodarbietungen. Der berührungsempfindliche Bildschirm erlaubt es Lehrern und Schülern, mit Dokumenten zu arbeiten, sie zu verschieben, zu kennzeichnen oder eigene Texte per Handschrift zu ergänzen. Die Dokumente können gespeichert, allen Schülern zur Verfügung gestellt und in der folgenden Unterrichtsstunde wieder aufgerufen werden. Ein ganz entscheidender Vorteil gegenüber der Kreidetafel.

Digital aber frontal?

Viele gute Argumente also für die neue Tafelgeneration. Aber reichen sie auch aus, damit sich diese – relativ teure – Technik durchsetzt? Schließlich zeigt die Erfahrung mit PC und Internet, dass sich neue Technologien nur sehr schleppend in den Schulalltag integrieren lassen. Beim interaktiven Whiteboard wird es anders sein, weiß Gunter Becker vom Cornelsen Verlag. Denn am traditionellen Bild von Unterricht ändert sich erstaml nichts. „Der Lehrer steht vorne, hat ein Board im Rücken und das Heft in der Hand. Er kontrolliert die Technik und die Kinder konzentrieren sich (mehr oder weniger) auf ihn. Das ist anders, wenn zwanzig Schüler vor ihren Laptops sitzen und der Lehrer gar nicht so genau weiß, was sie gerade treiben.“

Das birgt aber auch Gefahren, denn das moderne Medium „modernisiert“ den Unterricht nicht per se, sondern der lehrerzentrierte Frontalunterricht kann durch ein Whiteboard sogar noch verstärkt werden. „Der Lehrer ist der Macher, der den großen Stift in der Hand hat und die anderen sehen zu, was er da für wunderbare Sachen macht. Ich stelle mir Schule anders vor“, warnt auch Ralf Hübner, Oberstufenleiter am Kreisgymnasium Neustadt in Schleswig-Holstein. Hier gehören Laptopklassen, eine gemeinsame Lernplattform und auch interaktive Whiteboards längst zum Alltag. „Doch bevor Laptops und jetzt auch interaktive Tafeln angeschafft wurden, haben wir uns ein ausführliches Konzept überlegt“, berichtet Hübner. Ein Ergebnis: In Neustadt werden die Whiteboards genutzt, um die Schüler zu aktivieren. „Die meisten Tafelbilder mache nicht ich, sondern die Schüler.“

Warum der Frontalunterricht beim Einsatz der neuen Tafeln zunehmen kann, erklärt die Braunschweiger Erziehungswissenschaftlerin Dr. Gabriele Graube: „Weil die Lehrer sich zunächst mit dem neuen Medium auseinandersetzen müssen und da sind sie einfach sicherer, wenn sie frontal unterrichten.“ Eine ganz normale Entwicklung, die sich bei längerem Einsatz auch wieder ändern werde. Gabriele Graube, die den Modellversuch an der komplett mit Whiteboards ausgestatteten Realschule Maschstraße in Braunschweig wissenschaftlich begleitet, hat Lehrer und Schüler im Abstand von einem halben Jahr zu ihren Erfahrungen mit der neuen Technik befragt. Lehrer wie Schüler urteilten positiv. Für die Lehrer war die interaktive Tafel bestens zur Vermittlung von Unterrichtsinhalten geeignet und beide Gruppen begrüßten, dass Schüler professionell ihre Ergebnisse präsentieren konnten.

Erhebliche Motivationssteigerung

„Die interaktiven Whiteboards tragen zu einer erheblichen Motivationssteigerung im Lernprozess bei und bereichern in vielfältiger Weise den Unterricht“, berichtete das Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung nach zweijähriger Untersuchung im Jahr 2007. Ein Allheilmittel, so schränkt die Hamburger Studie allerdings ein, seien die neuen Tafeln nicht. „Es muss allen Beteiligten deutlich sein, dass ein abwechslungsreicher Unterricht, der auf die individuellen Bedürfnisse der Schüler eingeht, sich nicht ausschließlich mit einem Medium realisieren lässt.“

„Für mich ist Lernen immer noch Lernen mit allen Sinnen. Der Lehrer muss zum Beispiel auch mit den Schülern rausgehen, ihnen etwas in die Hand geben - nicht nur ein digitales Modell“, bekräftigt Gabriele Graube. Als Experte für erfolgreiches Lernen muss der Lehrer entscheiden können, wann er welches Medium nutzt. Und wann – trotz Whiteboard – die gute alte Tafel besser geeignet ist.

(bildungsklick.de/hui)

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