Lernräume
Lernlandschaften bauen
Investitionen in Bildung zahlen sich aus
Der Sanierungsbedarf bei Schulen ist hoch. Die Gebäude müssen energetisch optimiert, …
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Die meisten unserer Schulen sind noch als Anstalten fürs Belehren gebaut worden, weniger fürs Lernen. Bauten, die noch in der Kaiserzeit entstanden sind oder in den 60er- und 70er-Jahren als kostengünstige Zweckbauten. Was sie eint: Hinter ihrem Raumkonzept steckt keine moderne pädagogische Idee. Wenn wir uns an den fast 500 Jahre alten Satz von Francois Rabelais erinnern: „Kinder sind keine Fässer, die gefüllt, sondern Feuer, die entfacht werden wollen.“ müssen wir über die Umgestaltung von Schulen ganz neu nachdenken: Wie sollen die Lernlandschaften in Deutschland aussehen? Wie Räume beschaffen und ausgestattet sein, die zum Lernen herausfordern? Und wie prägt die räumliche Umgebung die Haltung der Kinder und Jugendlichen?
Drei große Felder sind bei der Modernisierung von Schulen zu beackern: Die Sanierung der zum Teil maroden Gebäude, die Stimulierung einer pädagogischen Architektur und der überfällige ökologische Umbau. Die Chance ist, dass Schulen dabei Vorreiter der Gesellschaft werden. Nicht nur durch die Vergabe richtiger Aufträge, etwa von Fotovoltaikanlagen für das Dach. Schüler sollten beteiligt werden und Verantwortung übernehmen. Sie sollten erfahren, dass sie gebraucht werden. Dann können Lernlandschaften entstehen, die anregen, Lust machen auf Schule. Oder um ein finnisches Sprichwort zu gebrauchen: „Der Geist der Schule sitzt zwischen den Wänden.“
Wo anfangen?
Bis die neuen Räume fertig sind, wird erfahrungsgemäß noch viel Zeit vergehen. Denn bevor die Einrichter mit Möbeln und Technik anrücken können, müssen viele Räume erstmal von grundauf instand gesetzt werden. Morsche Gas- und Elektroleitungen, mangelhafte Sicherheitsmaßnahmen und löchrige Dächer sind in deutschen Schulen eher die Regel als die Ausnahme. Da muss man nur die Hausmeister fragen: Nach dem harten, schneereichen Winter waren die Dächer vieler Schulen so verschlissen, dass es mit Einsetzen des Tauwettters überall durchtropfte. Und was nützt der beste Fachraum, wenn dort Schüsseln und Eimer herumstehen?
Die Substanz ist so schlecht, weil die Ausgaben für die Infrastruktur von Schulen seit Jahren sinken. Pro Schüler und Jahr rund 400 Euro – mehr war dem Staat zuletzt die Modernisierung von Unterrichtsräumen nicht wert. Für den Bildungsstandortes Deutschland ist das ein Armutszeugnis.
Übrigens: McKinsey hat schon vor einiger Zeit ausgerechnet, dass jeder Euro, der in die frühkindliche Bildung investiert wird, sich für die Volkswirtschaft mit 12 Prozent verzinst. Das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft war skeptisch, rechnete nach und kam sogar auf 13 Prozent. Wenn das – nebenbei – kein Argument ist, in Zeiten der Krise in Bildung zu investieren?
Den Ganztag finanzieren
Der Ausbau der Ganztagsschulen steht bei den Ländern häufig im Mittelpunkt – und das aus gutem Grund. Der Bund hat mit dem Investitionsprogramm „Zukunft Bildung und Betreuung“ (IZBB) des BMBF zusätzlich 4 Milliarden Euro bereitgestellt, die den Ländern als Finanzhilfen für Investitionen zum Aufbau neuer Ganztagsschulen, zur Weiterentwicklung bestehender Schulen zu Ganztagsschulen, zur Schaffung zusätzlicher Ganztagsplätze an bestehenden Ganztagsschulen sowie zur qualitativen Weiterentwicklung bestehender Ganztagsschulen gewährt werden. Die Förderung umfasst die erforderlichen Neubau-, Ausbau-, Umbau- und Renovierungsmaßnahmen sowie Ausstattungsinvestitionen (Möbel, Fachraumeinrichtungen, Whiteboards). So können die Ganztagsschulen – zumindest bis Jahresende - aus zwei Töpfen schöpfen, und das ist auch gut so.
Ganztagsschulen, die für die Schüler zum „zweiten Zuhause“ werden, brauchen neben modernen Lernräumen eben auch ansprechende Bereiche für nachmittägliche Aktivitäten und die Mahlzeiten. Multifunktionale Möbel, mit denen man z. B. aus einem Essraum auch eine Bühne für Theateraufführungen machen kann, sind dafür zwingend notwendig. Und ergonomisch müssen die Möbel sein, damit sie der Gesundheit und dem Bewegungsdrang der Schüler Rechnung tragen. Also muss die oft jahrzehntealte Einrichtung weichen. Um den Schulen und ihren Trägern die Scheu vor Investitionen zu nehmen, bieten inzwischen manche Hersteller sogar „Abwrackprämien“ für veraltete Stühle, Tische und Schränke an. Und auch die Kollegien von Ganztagsschulen haben ein besonderes Bedürfnis nach Wohlfühl-Atmosphäre. Dazu tragen nicht nur separate, ergonomische Arbeitsplätze bei, sondern auch Orte der Entspannung. Natürlich haben die Schulmöbler darauf reagiert – und ihr Angebot inzwischen um Lounge-Sofas und Bistroecken fürs Lehrerzimmer erweitert.
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