Experimente
Mischen und malen: Mandalas in Erdtönen
Mit selbst gemischten Farben ist das Malen ein Erlebnis. Die Bilder werden zudem aufgewertet.
© Astrid Jahns
Mandalas kennen die meisten Kinder bereits. Dennoch wollen wir den in Kreisform angeordneten Mustern auf den Grund gehen. „Was sind Mandalas überhaupt?“
Lily: „Das sind so Muster.“
Anna: „Die kann man auch ausmalen.“
Dann stellen wir fest, dass es verschiedene Erdtöne gibt. Das ist sehr wichtig, weil wir nicht irgendwelche Mandalas machen wollen, sondern erdfarbene.
Anna: „Es gibt Hell- und Dunkelbraun.“
Lily: „Manche Braune sind auch ein bisschen mit Rot“
Selbst hergestellte Farben
Um Farbpigmente vermalbar zu machen, müssen sie zunächst mit einem Bindemittel angemischt werden. Zuvor betrachten wir das Pigmentpulver und sprechen über den Ursprung. Den Kindern ist bereits bewusst, dass sie mit Ziegelsteinen, Kohle oder Kreide malen können. Und genau das wollen wir im Prinzip auch tun. Denn das Pigmentpulver ist ja nichts anderes als gemahlener Stein, Kohle oder Kalk – je nach Art des Pigments. Zur Ansicht habe ich ein Stück Kohle und Rötel mitgebracht. Die Kinder können mit dem Löffel feines Pulver abschaben. Schon die Steinzeitmenschen haben sich auf diese Weise ihre Farben angemischt. Nur benutzen wir für unsere Farben nicht Fett oder Spucke wie sie, sondern mischen unsere Pigmente mit Kleister an. So werden die Farben geschmeidig und können optimal und großzügig auf den Untergrund aufgetragen werden. Ist die Farbe getrocknet, erhält sie ihren ursprünglichen, körnigen Zustand zurück, der an einigen rauen Stellen – vorsichtig über das Blatt gestrichen – ertastet werden kann.
In Marmeladengläsern mischen wir unsere Farben an. Das Mischverhältnis von Pigment und Kleister richtet sich nach der gewünschten Intensität der Farbe. Soll die Farbe flüssiger sein, kann etwas mehr Wasser hinzugefügt werden. Hier haben die Kinder Raum zum Experimentieren. Das Anmischen eigener Farben ist eine sehr spannende Sache, denn sie kennen in der Regel nur fertige Farben.
Individuelle Vorgehensweisen
Als Untergrund verwenden wir Ton- oder Fotokarton in unterschiedlichen Brauntönen sowie in gedeckten Farben (z. B. Dunkelgrün oder -violett). Knallige Farben würden den Erdtönen nicht gerecht werden. Auch mit dem Zusammenspiel zwischen Erdtönen und farbigen Untergründen, können die Kinder experimentieren und sich untereinander „beraten“.
Der Farbauftrag erfolgt mit den Händen und wird je nach Bedürfnis großflächig oder in kleineren Bewegungen, von innen nach außen oder von außen nach innen, kreis- oder spiralenförmig angelegt. Mit den Fingern können kleine Tupfer, Kreise, Linien oder Striche mit in die Gestaltung eingebracht werden. Die Kinder können probieren, wie es ist, die Farbe mit einem oder mehreren Fingern aufzutragen oder sie verwenden die ganze Hand. Sie können wischen, tupfen oder reiben. Die Ergebnisse sehen jedes Mal verblüffend anders aus und weisen individuelle Charakteristika auf, die mit einem Pinsel nicht erreicht werden können.
Sinnliche Erlebnisse
Interessant sind die unterschiedlichen Ausführungen der Altersgruppen, denn während sich die Größeren (fünf und sechs Jahre) mehr auf Form und Farbanordnungen konzentrieren, steht bei den Kleineren (drei und vier Jahre) das Experimentieren mit den Farben und seiner Konsistenz bzw. der Farbauftrag an sich, also auch das Fühlen, im Vordergrund. Denn im Gegensatz zu herkömmlich maschinell angefertigten Farben sind bei unseren Naturfarben die Konsistenzen verschieden und dementsprechend fühlen sie sich auch anders an.
Martha: „Die Farbe glitscht so.“
Anna: „Meine tropft.“
Finn: „Bei mir sind so Huckel (vom Kleister) mit drin.“
Die Erdtöne können auch untereinander gemischt werden, dies ermöglicht eine zusätzliche Palette an weiteren Farben. Anhand der verschieden farbigen Untergründe erfahren die Kinder einerseits, wie die Farben auf farbigem Grund wirken, aber auch, wie sich helle oder dunkle Töne auf dunklem bzw. hellem Grund verhalten.
„Erdige“ Ergebnisse
Trotz der Vielfältigkeit der Farben, Formen und Konsistenzen, die hier geboten werden, bleibt das Gestalten von Mandalas geprägt von Ruhe. Die Kinder sind mit sich und ihrem Tun beschäftigt, ohne sich mit dem auseinanderzusetzen, was am Ende eigentlich herauskommen soll. Man könnte fast schon sagen, sie sind geerdet! Spannend sind zudem die Assoziationen der Kinder, die beim Betrachten der Mandalas aufkommen:
Jamila: „Mein Mandala sieht aus wie ein Schneckenhaus.“
Lily: „Meins sieht aus wie eine Blüte.“
Paul: „Eine Sonne!“
Am Ende wird deutlich: Auch wenn das Mischen der Farben und der Malprozess im Mittelpunkt standen, sind ganz nebenbei eindrucksvolle und harmonische Bilder entstanden.
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