Ausbildung+Studium
Neue Wege am Übergang Schule-Beruf
Berufsorientierung von jungen Menschen für Gleichaltrige kommt an
Nicole Warthemann
Erinnern Sie sich noch, als Sie 14, 15, 16 Jahre alt waren? Von allen Seiten gab es für jede Lebenslage gut gemeinte Ratschläge. Viele Erwachsene meinten es sicherlich gut. Aber fühlten Sie sich dadurch verstanden? Wahrhaftige Gespräche führen doch nur Altersgenossen.
Ein Phänomen, das Pädagogen unter dem Begriff „Peer Education“ methodisch nutzen. Vor zwei Jahren hat die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) in Thüringen mit „Junge Impulse in der Berufsorientierung“ ein solches Projekt gestartet. Als „Berufsorientierungs-Peers“ (BO-Peers) arbeiten Zweier-Teams junger Ehrenamtlicher im Alter von 19 bis 28 Jahren regelmäßig mit einer festen Schülergruppe. Diese Tandems treffen sich mit ihren Schülergruppen und besprechen für diese bedeutsame Themen für ihre Lebens- und Berufswegplanung.
Eigene Visionen entwickeln, Ziele formulieren, selbst Lösungen finden
Die BO-Peers achten darauf, die Probleme gemeinsam zu bearbeiten und kreative Lösungswege zu entwickeln. So fragen sie beispielsweise: „Wie möchtest du leben, was ist deine Vision und wie kommst du dorthin, was müsste sich jetzt ändern?“ Die Entscheidungen über die Zukunft sollen nicht anderen überlassen werden, sondern die Schülerinnen und Schüler entwickeln ihre eigenen Konzepte für die Zukunft. In Projekten erfahren sie, dass es verschiedene Wege zum Ziel geben kann und erproben erste unkonventionelle und vielseitige Aktionen: eine Arbeitsgruppe zur Erneuerung des Angebots für Unterricht außerhalb von Schule, eine Initiative zur Umgestaltung des Schulhofes oder eine Forschungsreise gemeinsam mit „ihren“ Peers an deren Universitäten oder Ausbildungsbetriebe.
Die Schülerinnen und Schüler sollen sich später selbstständig orientieren können und die Unterstützung einholen, die sie brauchen. Daher knüpfen sie in Projekten gezielt Kontakt zu erwachsenen Expertinnen und Experten – beispielsweise Handwerksmeister, Personalchefinnen oder Dozenten an der Universität. Schülerinnen und Peers üben im Team an gemeinsamen Zielen zu arbeiten, mit Partnern ins Gespräch zu kommen und ihre Interessen vertreten zu können. In privater Atmosphäre, wie beim gemeinsamen Kochen in der studentischen Wohngemeinschaft, können Erlebnisse leichter reflektiert und besprochen werden, als während des Unterrichts.
Kompetente Suchende, engagierte Vorbilder: beide Seiten profitieren
Die jungen Vorbilder werden in ihrem pädagogischen Prozess professionell begleitet. Vorab lernen sie in angeleiteten Übungssituationen ihren eigenen Lebensweg und Berufswahlprozess kennen, machen sich damit vertraut, wie sie sich selbst entscheiden oder planen. Als Gruppe üben sie dann Lehr- und Lernmethoden, um später Schülerinnen und Schüler bei deren Lebens- und Berufswegplanung beteiligen zu können. In regelmäßigen Treffen mit Lehrkräften und Team-Begleiterinnen der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung besprechen sie ihre Erfahrungen und planen die nächsten Treffen mit den Schülerinnen und Schülern.
Wenn man diese Berufs- und Studienanfänger fragt, warum sie eigentlich ehrenamtlich zurück in die Schule gehen, gibt es immer die gleichen Antworten: Weil die üblichen Angebote von Institutionen zu trocken waren. Ich habe mir immer so eine Person wie mich heute zur Unterstützung gewünscht.
Der Weg ist also richtig!
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