Kooperation
Schule als Einheit
Verzahnung von Unterricht und Ganztagsaktivitäten
Hans Haenisch
Die Schüler profitieren von der Verzahnung schulischer und außerschulischer Angebote
© DKSJ/Thomas Henke
Vor allem bei offenen Ganztagsschulen wird häufig die Frage diskutiert, wie es möglich ist, die außerunterrichtlichen Angebote mit dem Unterricht zu verknüpfen und damit die Schule mehr und mehr auch als Einheit von Unterricht und Ganztagsaktivitäten zu gestalten. Untersuchungsbefunde zeigen, dass auch in der schulpraktischen Umsetzung eine Vielfalt solcher Aktivitäten der Verzahnung möglich ist. Sie lassen sich in drei Bereiche untergliedern.
Verzahnungsansätze zwischen Unterricht und den außerunterrichtlichen Freizeit- und Förderangeboten
Naheliegend ist die Verzahnung über Inhalte des Unterrichts. Bestimmte Themen (z. B. „Frühlingsblumen“) werden durch ergänzende Aktivitäten am Nachmittag (z. B. durch den Besuch in einer Gärtnerei oder durch Selbstpflanzen) noch einmal von einer anderen Seite beleuchtet. Um eine enge Anbindung an den Unterricht geht es auch bei den Angeboten, die gezielte Hilfestellung für Kinder mit bestimmten Schwierigkeiten bieten (z. B.1x1 mit 9), in denen die Kinder auf bevorstehende Klassenarbeiten vorbereitet werden oder die versuchen, im Unterricht (z. B. im Fach Sprache) erfundene und aufgeschriebene Geschichten in kleine Theaterstücke umzuformen.
Viele Anknüpfungspunkte bieten auch Projekte oder Projektwochen. Hier ist es wichtig, dass die Ganztagsgruppen mit der Bearbeitung eines eigenständigen Teilprojekts beteiligt sind (z. B. mit dem Thema „Formeln und Zahlen“ beim schulbezogenen Projekt „Spaß an Mathe“).
Eine sehr enge Verbindungslinie zum Unterricht wird über die Bearbeitung von Zielen des Schulprogramms erreicht. In der Schule mit dem Schwerpunkt „Leseförderung“ gibt es z. B. eine Lesepatin aus der Stadtbibliothek, die Vorlesenachmittage gestaltet, es findet sich die tägliche Viertelstunde des Geschichtenlesens als Abschluss des Tages und es gibt für die Kinder die Gelegenheit, Leseprogramme am PC zu bearbeiten.
Interessant ist die Verzahnung über Materialien. Sie ist z. B. gegeben, wenn für den Ganztag Sachbücher angeschafft werden, die auf die fachlichen Inhalte der jeweiligen Jahrgänge abgestimmt sind. Die Kinder haben dann in der Schule die Möglichkeit zu stöbern, genauso wie das Kinder auch zu Hause tun können – und für einige ist dies auch der einzige Zugang zum Buch.
Um Verzahnung handelt es sich auch, wenn sich der Ganztag um die „Stützelemente“ für das Lernen kümmert. Hierbei handelt es sich um Angebote, die sich u. a. um die Förderung der Motivation (z. B. durch Rechenspiele) oder der Aufmerksamkeit und Konzentration (z. B. durch Entspannungsübungen) bemühen und auf diese Weise für die Kinder Erfolgserlebnisse und damit Anschlussmöglichkeiten für das fachliche Lernen im Unterricht schaffen.
Einen breiten Rahmen für Verzahnung bieten Aktivitäten des Schullebens. So kann der Ganztag durch Aufführungen (z. B. bei Einschulungs- und Abschlussfeiern), durch eine externe Künstlerin, die mit den Kindern einen Beitrag zur Kunst am Bau liefert oder durch die Beteiligung an Schul- und Sportfesten wesentlich zur Bereicherung der kulturellen Szene einer Schule beitragen. Im Übrigen dient dazu auch der Schulchor, der gemeinsam von einer Lehrperson und einer Erzieherin aus dem Ganztag geleitet wird.
Ein großes Feld nimmt die Verzahnung über Förderaktivitäten bei einzelnen Kindern ein, die sich meist bilateral zwischen Lehrkräften und pädagogischen Kräften vollzieht. Dabei geht es z. B. um die Weitergabe von Informationen aufgrund von Beobachtungen im Ganztag und um Rückmeldungen über einzelne Kinder an das Ganztagspersonal, um sich am Nachmittag gezielt auf bestimmte Kinder besser einstellen zu können. In diese Rubrik fallen auch die Rückzugsmöglichkeiten von Kindern am Nachmittag, um am noch nicht beendeten Wochenplan weiterarbeiten zu können oder die Beteiligung des Ganztagspersonals bei der Erstellung von Förderplänen.
Verzahnung im Zusammenhang mit der Hausaufgabenbetreuung
Hausaufgaben stehen in direktem Zusammenhang mit dem Unterricht. Sie tragen ebenso wie die vorstehend genannten Verzahnungsaktivitäten dazu bei, die Lernzeit zu verlängern und die Lernkontexte zu erweitern. Viele Kontakte ergeben sich allein schon dadurch, dass gegenseitige Mitteilungen über Inhalte oder einzelne Kinder nötig sind. Lehrpersonen gehen z. B. zu den Hausaufgabenkräften und erörtern mit diesen, welche konkrete Hilfe bestimmte Kinder bekommen sollen. Die Kommunikation erfolgt aber auch schriftlich über Mitteilungshefte, über Zettel in einem Fach im Lehrerzimmer sowie über Kommentare unter den Hausaufgaben. Besonders intensiv ist die Verzahnung dann, wenn die Lehrkräfte gezielt Materialien zur Förderung einzelner Kinder in die Hausaufgabenbetreuung geben, wenn Absprachen über den Einsatz zusätzlicher Bücher und Materialien erfolgen (z. B. wenn Kinder früher fertig sind) oder wenn über eine gewisse Zeit bei einzelnen Kindern versucht wird, eine gemeinsame Strategie mit gegenseitigen Rückmeldungen einzubauen. Hilfreich ist es auch, wenn die pädagogischen Kräfte die Schulbücher der jeweiligen Klassen zur Verfügung haben und somit für einzelne Kinder auch mal etwas herauskopieren können.
Eine Verstärkung der Verzahnung findet sich in solchen Fällen, in denen die Hausaufgabenbetreuung auf einzelne Jahrgänge bezogen ist und die Hausaufgabenkraft auch in den Folgejahren in der Gruppe bleibt (intensiverer Kontakt durch festen Ansprechpartner). Verstärkend wirkt auch, wenn einzelne Lehrkräfte der Schule selbst in der Hausaufgabenbetreuung tätig sind (sie können die Erfahrung machen, wie die Kinder auf die Hausaufgaben reagieren) oder wenn die Ganztagsleitung als Bindeglied zwischen Lehrkräften und Hausaufgabenkräften tätig ist (geht in den Pausen ins Lehrerzimmer und eruiert Besonderheiten einzelner Kinder, die am Vormittag auffällig waren).
Verzahnung über Gremien der Schule
Verzahnung gibt es nicht nur bezogen auf die Angebote, sondern wird auch über die Gremien der Schule verankert. Dazu dienen z. B. Lehrerkonferenzen (wo der Ganztag immer als eigener Tagesordnungspunkt auftaucht), regelmäßige Treffen von Lehr- und Fachkräften (mit Gesprächen über einzelne Kinder und konzeptuellen Aspekten) sowie Treffen von Jahrgangs- bzw. Klassenteams oder die Durchführung von Förderkonferenzen unter Beteiligung des außerunterrichtlichen Personals (mit konkreten Absprachen über einzelne Kinder). Zu den verzahnungsrelevanten Gremien zählen auch die informelle Steuerachse „Schulleitung-Ganztagsleitung“ die das Tagesgeschäft koordiniert sowie die Mitarbeit der Ganztagsleitung in der Steuergruppe der Schule.
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