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Unterrichten

So schaffe ich das!

Eine Überlebenshilfe für Wiedereinsteiger

Eva Exner / Farina Fröhlich

Der Start in den Unterricht, ob als Anfänger oder Wiedereinsteiger, ist für Lehrerinnen und Lehrer extrem schwierig. Oft werden die ersten Monate zur Qual, weil die eigene Erwartungshaltung der Realität nicht standhält. Doch es gibt Möglichkeiten, die Überforderung zu verhindern

„Es war die schlimmste Zeit meines Lebens!“, „Das Schlafen musste ich mir abgewöhnen!“, „Es war die Hölle, jeder hat Ansprüche an dich: Schüler, Schulleitung, Lehrer, Eltern und vor allem Fachleiter!“ – so oder ähnlich hören sich die Erfahrungsberichte von Einsteigern in den Lehrerberuf häufig an. Ok, wir geben zu, ob Referendariat oder Wiedereinstieg in den Beruf: Das ist nicht immer einfach. Die Schüler erwarten einen abwechslungsreichen, spannenden Unterricht, alle Eltern wünschen sich, dass Sie ihr Kind besonders fördern, die Schulleitung will, dass sie den Projekttag organisieren und was sie oder die Fachleiter von Ihnen sonst noch wollen, ist Ihnen immer noch unklar, aber es scheint wichtig zu sein. Sie fragen sich: „Wie soll ich diese vielen Anforderungen in der begrenzt zur Verfügung stehenden Zeit bewältigen?!“

Erwartungshaltungen relativieren

Bevor Sie unter dem von außen an Sie herangetragenen Druck zusammenbrechen, sollten Sie sich zunächst fragen, ob Sie nicht die Erwartungshaltung der anderen überschätzen. Finden Sie zu einer realistischen Selbsteinschätzung und verabschieden Sie sich von überhöhten Ansprüchen an sich selbst. Machen Sie sich nicht nur Ihre Schwächen, sondern vor allem Ihre Stärken bewusst! Bedenken Sie: Keiner ist von Anfang an perfekt. Und Fachleiter oder die Schulleitung erwarten dies nicht, auch wenn es vielleicht manchmal den Anschein hat. Finden Sie bei den verbleibenden Ansprüchen heraus, inwiefern diese tatsächlich gerechtfertigt sind oder welche Sie ablehnen dürfen. Letztere sollten Sie – zumindest wenn es Sie überfordert – zurückweisen, mit ersteren müssen Sie umgehen lernen.

Den Überblick behalten

Für eine Langzeitplanung verschaffen Sie sich zunächst einen Überblick über die curricularen Vorgaben des jeweiligen Bundeslandes und Ihrer Schule: „Über welche Kompetenzen sollen die Schüler am Ende des Schuljahres verfügen?“, „An welchen Inhalten sollen diese erworben werden?“, „Gibt der Beschluss der Fachkonferenz eine bestimmte Reihenfolge vor?“ Nun ist klar, welche Arbeit vor Ihnen liegt.

Zeitmanagement schützt vor Überforderung

Auch nach der Relativierung der Erwartungshaltungen und nach einer Sichtung der Vorgaben bleiben noch hinreichend viele Herausforderungen übrig. Um mit diesen umzugehen, sortieren Sie die anstehenden Aufgaben nach ihrer Dringlichkeit:

  • Ermitteln Sie die zur Verfügung stehende Stundenzahl im Verlauf des Schul(halb)jahres.
  • Berücksichtigen Sie Feiertage, ziehen Sie Klausur- bzw. Klassenarbeitszeiten und mindestens fünf Stunden für unvorhergesehene Ausfälle wie Krankheit, Klassenausflüge, Praktika etc. ab.
  • Die verbleibende Stundenzahl wird auf die Inhalte verteilt: „Wofür wird wie viel Zeit benötigt?“

Die Planung einzelner Unterrichtseinheiten fällt Ihnen leichter, wenn Sie den zeitlichen Rahmen und die wesentlichen Inhalte kennen. Aber: Erst wenn Sie wissen, was Sie wollen, können Sie sich fragen, wie Sie die Ziele erreichen. In den groben Entwurf der Unterrichtseinheit gehören zusätzlich nicht nur die Inhalte, sondern auch erste Umsetzungsideen. So können Sie den Zeitbedarf besser einschätzen und eventuell benötigte Materialien frühzeitig besorgen. Auf dieser Grundlage lässt sich die Einzelstunde zeit­ökonomisch planen.

Tipp: Unterrichtsplanung dauert nach unseren Erfahrungen immer so lange, wie man Zeit dafür hat. Sorgen Sie dafür, dass Zeit zum Essen, Schlafen und zur freien Verfügung bleibt. Über Nacht geplanter Unterricht ist in der Regel nicht besser als kurz geplante Stunden. Am Schreibtisch verbrachte Nächte müssen die Ausnahme sein!

Kollegen einbeziehen

Viele Referendare wissen: Fachleiter können schwierig sein. Trotzdem sollte man versuchen, Kritik von ihnen konstruktiv zu deuten und konkrete Rückmeldungen und Verbesserungshinweise einfordern – notfalls auch mehrfach. Das setzt allerdings voraus, dass Sie sich auf die Kritik einlassen können. Holen Sie sich Unterstützung bei erfahrenen Kollegen. Die Unterstützung kann in Form von gegenseitigen Hospitationen, Materialaustausch und gemeinsamen Unterrichtsplanungen erfolgen. Aber: Nicht alle Kollegen tun einem gut. Falls Sie merken, dass Ihnen bestimmte Kollegen in Ihrer Entwicklung nicht weiterhelfen, halten Sie sich von diesen fern.

Tipp für Referendare: Falls Probleme mit Fachleitern auftreten, ist es hilfreich, wenn in den Unterrichtsbesuchen eine fachkundige Vertrauensperson anwesend ist. Das hilft auch bei der Vorbereitung auf Prüfungs­situationen.

Und zum Schluss

Wichtig für ihr Wohlbefinden ist eine positive Selbstverbalisierung: Sprechen Sie von „Herausforderungen“ anstelle von „Problemen“; sagen Sie „Ich will heute die Klassenarbeit korrigieren.“ anstelle von „Ich muss heute noch die Klassenarbeit korrigieren.“ Das klingt motivierender und ist es auch. Und außerdem haben Sie einen zusätzlichen Maßstab für das, was Sie leisten wollen. So lässt es sich besser mit dem Leistungsdruck umgehen.Und zum Abschluss werden Sie sagen können: „Ich habe es geschafft.“

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