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Im Gespräch

Wann kommt eigentlich Mama?

Der Übergang in den Kindergarten

Was ich vom Kindergarten erwarte“ – Wünsche, Ängste und Erwartungen einer Mutter

Martina Cornelius ist zu Zeit in Elternzeit und erwartet gerade ihr zweites Kind

Im Juni wird unsere Tochter Frida 3 Jahre alt und etwas später, nach den Sommerferien, beginnt da ihre Kindergartenzeit. Aber das Thema Kindergarten wurde schon mit ihrem 2. Geburtstag aktuell, denn zu diesem Zeitpunkt müssen in Hannover die Anmeldungen für einen Kindergartenplatz abgegeben werden.

Unser Wunschkindergarten ist die Einrichtung unserer Kirchengemeinde mit einem offenen Konzept, mit Halb-, Dreiviertel- und Ganztags-Gruppen sowie einem angeschlossenen Hort. Wir haben uns bewusst gegen eine Elterninitiative entschieden. Putz- und Vertretungsdienste sowie häufige Elternabende sind für uns kaum zu handeln, weil mein Mann täglich nach Hamburg pendelt und wir im Frühjahr unser zweites Kind erwarten.

Mir ist es am wichtigsten, das sich Frida wohl fühlt in ihrem Kindergarten, das sie Freundschaften schließt, spielt, bastelt, streitet und sich wieder verträgt, selbstständig und selbstbewusst wird, sich als Teil einer Gruppe und als Individuum wahrnimmt – soziale Kompetenz erlernt. Unser Wunschkindergarten gehört zu unserer evangelischen Kirchengemeinde und vermittet somit auch christliche Werte. Wobei es mir ebenso wichtig ist, dass Frida andere Religionen und Kulturen kennenlernt.

Bewegung an der frischen Luft ist für mich selbstverständlich und deshalb erwarte ich auch, das dies im Kindergarten zum Alltag gehört. Toll wären natürlich individuelle Angebote für Kinder zu bestimmten Themen. Aber ich bin realistisch: zwei Erzieherinnen können nicht auf jedes der 24 Kinder speziell eingehen. Aber Teil einer Gruppe zu sein, mit allen Vor- und vielleicht auch Nachteilen ist für ein Kind meines Erachtens ein wichtiger Bestandteil im Leben und für diese ersten Erfahrungen ist die Kindergartengruppe der ideale Ort.

Natürlich ist es mir wichtig, dass Frida optimal auf ihre Schulzeit vorbereitet wird. Hierbei geht es mir nicht um Wissensvermittlung. Vielmehr soll bei Frida das Interesse an Neuem geweckt werden und sie ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche erkennen und äußern können.

Auch die Anbindung an den Stadtteil hat unsere Kinderartenentscheidung beeinflusst. Hier ist Frida mit den Kindern zusammen, die sie aus dem Mutter-und-Kind-Spielkreis oder vom Kinderturnen kennt und mit denen sie später auch in die Grundschule gehen wird.

Und meine Ängste: Natürlich macht man sich als Mutter auch immer Gedanken. Was ist, wenn sie nicht gerne geht und sich nicht wohlfühlt? Kann sie sich durchsetzen? Wird sie gut betreut und beaufsichtigt? Isst sie ausreichend? Wie ist die Elternarbeit und Zusammenarbeit mit den Erzieherinnen? Wie wird mit Konflikten umgegangen? Kann ich zulassen, das sie selbstständiger wird?

Aber eigentlich bin ich überzeugt, dass wir eine gute Wahl getroffen haben.

Unter ständiger Beobachtung: Die Perspektive der Erzieherin

Vor ungefähr zwei Jahren erarbeiteten wir im Team eine Verfahrensanweisung für den Prozess der Eingewöhnung. Sie beinhaltet unter anderem die intensive Begleitung der Eltern, um ihrem Kind einen „sanften Übergang“ zu bereiten. Bei allen Mitarbeiterinnen tauchten Ängste auf, wie es wohl sein würde, wenn Eltern täglich mit in der Einrichtung sind.

Ich erinnere mich noch sehr genau an Friederikes Eingewöhnungsphase. Die Mutter begleitete ihre Tochter vier Wochen lang. Friederike war bereits vier Jahre alt, als sie zu uns in den Kindergarten kam. Die Eltern hatten lange überlegt, ob sie ihr Kind überhaupt in einen Kindergarten bringen sollten. Sie wählten unsere Einrichtung bewusst aus, auch deshalb, weil bei uns eine intensive Begleitung durch die Eltern während der Eingewöhnung nicht nur möglich, sondern erforderlich ist. Die Trennung sollte nach der Vorstellung der Eltern ohne Tränen vollzogen werden.

Friederike kam nun täglich mit ihrer Mutter zu uns. Zu Beginn ging es mir nicht anders als meinen Mitarbeiterinnen. Ich hatte das Gefühl, jetzt alles besonders gut machen zu müssen, aufpassen zu müssen, was ich sage, und mich rechtfertigen zu müssen, warum ich etwas tat. Ich fühlte mich immerzu beobachtet, fast überwacht und dadurch in meiner Arbeit nicht frei und glücklich, sondern gehemmt und unter einem gewissen Druck. Diese gemischten Gefühle legten sich jedoch nach einigen Tagen. Die Anwesenheit der Mutter wurde für mich zur Selbstverständlichkeit. Es gehörte dazu, dass Rikes Mama mit uns im großen Morgenkreis stand, ihren Platz im Kreis hatte, bei allen Angeboten und Exkursionen dabei war. Rike gab das sehr viel Sicherheit und auch ich gewöhnte mich langsam an diese Situation. Damit ließ auch der selbst gemachte Druck nach, alles besonders gut machen zu müssen.

Der Alltag kehrte ein und ich lernte, mich so zu verhalten, wie ich es immer tat, auch ohne „Beobachter“. Die Anwesenheit der Mutter war mir nicht mehr unangenehm, sondern eine Hilfe. Während des Freispiels gingen die Kinder auch auf sie zu. So brachte sie sich in das Tagesgeschehen ein durch Vorlesen von Büchern, Begleitung der Kinder während des Frühstücks oder als Gesprächspartner.

Heute ist die Begleitung der Eingewöhnung durch Eltern selbstverständlich und normaler Bestandteil des Kindergartenalltags für Mitarbeiterinnen, Kinder und Eltern.

Zum Weiterlesen

Maria Förster ist Leiterin eines Kindergartens in Hammelburg und Autorin von „Die Kindergartenzeitschrift“. In der aktuellen Ausgabe 19/2010 „Wann holst du mich wieder ab? Übergang Familie – Kita“ berichtet sie ausführlicher zu dem Thema. Weitere Informationen dazu unter www.friedrich-verlag.de.

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