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Sprachlicher Anfangsunterricht

Gelungener Übergang

In der Kita den Grundstein für Lernerfolge legen

Markus Hofmann / Klett-themendienst

Kinder fiebern ihrer Einschulung meist voller Vorfreude entgegen. Sitzen sie in der Schulklasse und sind von der neuen Umgebung und den Anforderungen überfordert, ist die Freude schnell vorbei und der Frust groß. Nicht selten verwandeln sich wissbegierige und neugierige Kindergartenkinder in stille Schüler mit Lernschwierigkeiten. Doch dieser Bruch ist zu vermeiden, wenn Kindertageseinrichtungen und Grundschulen frühzeitig zusammenarbeiten

Für Jeanette Seibt fängt die Schule schon in der Kita an. Diese Erfahrung steht hinter ihrer Aufgabe als Leiterin der Berliner Kita „Das tapfere Schneiderlein“. Gemeinsam mit ihren Kollegen hat sie ein Konzept entwickelt, das Kindern den Übergang in die Schule erleichtert. Kooperationspartner ist dabei die in der Nähe gelegene Evangelische Grundschule Lichtenberg. Als gleichberechtigte Partner haben Kita und Schule das Ziel, den Übergang für die Kinder zu einem fließenden Prozess zu gestalten. So finden Kinder als Erstklässler beispielsweise in der Schule vertraute Elemente wieder, die sie aus der Kita kennen. „Durch unsere differezierte Bildungsarbeit, in der wir die sozialen Kompetenzen der Kinder und ihre Selbstständigkeit starten und mit ihnen zusammen Ideen entwickeln, schaffen wir gute Voraussetzungen für diesen Übergang“, berichtet Jeanette Seibt. Sie legt Wert darauf, dass Kita und Schule an einem Strang ziehen und Erzieher, Lehrer, Eltern und Kinder zusammenarbeiten.

Regelmäßige Zusammenarbeit

Damit sich die künftigen Erstklässler in der Schule wohlfühlen und zu begeisterten Lernern entwickeln, sind die Kinder des letzten Kindergartenjahres Patenkinder der Schüler einer ersten Klasse. Außerdem treffen sich Erzieher und Lehrer monatlich, um gemeinsame Projekte, Schul- und Kitafeste sowie Tage der offenen Tür zu realisieren. Dabei fördert die regelmäßige Zusammenarbeit auch das gegenseitige Verständnis von Lehrern und Erziehern, die oft zu wenig voneinander wissen oder sich durch Hierarchien von Kooperationen abhalten lassen.

Zu Beginn des Jahres legen Erzieher und Lehrer gemeinsam die folgenden Projekte fest. Parallel beschäftigen sich auch die Schulkinder mit den Themen. Nach einem festgelegten Zeitraum stellen sich beide Gruppen ihre Ergebnisse gegenseitig vor. „Das hat bisher prima geklappt und die Schwelle zur Schule durch das Miteinander heruntergesetzt“, berichtet die Leiterin.

Das erste Schuljahr leichter bewältigen

Die Rückmeldungen aus der Schule zeigen, dass die Kinder aus dem „Tapferen Schneiderlein“ optimal auf die Schule vorbereitet sind und das erste Schuljahr leichter bewältigen. „Erstklässler sind keine Lernanfänger, jedes Kind bringt zur Einschulung umfangreiche eigene Lernerfahrungen mit“, erklärt Schulleiter Holger Grenz. Grund dafür sei die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Kita und Grundschule. Die Kinder seien selbstständiger, offener und neugieriger. Sie haben bereits Erfahrungen mit den Anforderungen der Schule gesammelt, zusammen ein Thema erarbeitet und Hausaufgaben gemacht. Außerdem kennen sie durch Schulbesuche Schüler, Lehrer und die Räumlichkeiten. Auch Eltern, die häufig mit Ängsten einer Einschulung entgegensehen, profitieren von der Kooperation. Die Erzieherinnen beobachten die Kinder und dokumentieren ihre Entwicklung, die sie den Eltern mitteilen. Meist können sie allein durch ihre intensive Arbeit am Übergang die Unsicherheiten im Hinblick auf die Schule nehmen.

Aufgabe des gesamten sozialen Systems

Die Kita „Das tapfere Schneiderlein“ arbeitet bereits seit 2004 mit dem Übergangskonzept. Ein Jahr später wurde die erfolgreiche Kooperation mit der Evangelischen Grundschule Lichtenberg von der Bertelsmann Stiftung mit dem ersten Preis, dem „Dreikäsehoch“, im Rahmen des Projektes „Kinder früher fördern“ ausgezeichnet. Renate Niesel, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Münchner Staatsinstituts für Frühpädagogik der Projektjury angehörte, betont, dass eine möglichst optimale Gestaltung des Übergangs voraussetzt, dass die Anforderungen an die künftigen Schulkinder allen Beteiligten bekannt sind. Schließlich fordert die neue Situation auch einen passenden Tagesablauf und hat Einfluss auf das Familienleben. „Die Bewältigung des Übergangs fordert somit nicht nur die Kompetenz des Kindes, sondern ist Aufgabe des gesamten sozialen Systems: Familie, Kindergarten und Schule – eine Aufgabe, die nur durch Kooperation zu lösen ist“, berichtet die Psychologin.

Kaum möglich ist die Zusammenarbeit zwischen Kita und Schule, wenn die künftigen Schulkinder aus dem gesamten Stadtgebiet kommen, wie es bei den Europaschulen der Fall ist. „Viele Erstklässler beherrschen die Grundfertigkeiten nicht, können ihren Namen nicht schreiben, nicht abheften und nicht mit Stiften umgehen“, sagt die Lehrerin Gudrun Kolmar von der Deutsch-Polnischen Europaschule in Berlin. Für einen guten Schulstart sinvoller halte sie eine Vorklasse in der Grundschule, weil viele Kitas wegen Personalmangels mit dem Bildungsauftrag überfordert seien. Ein weiterer Pluspunkt von Vorklassen: So werden auch die Kinder erreicht, die gar keine Kita besucht haben.

Kooperationen verbessern und entwickeln

In den vergangenen Jahren widmeten sich zahlreiche Projekte dem Übergang von Kita zur Grundschule, um die Kooperationen zwischen den Bildungseinrichtungen zu verbessern und weiterzuentwickeln. Dazu zählt „ponte-Kindergärten und Grundschulen auf neuen Wegen“, ein bundesweites Programm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und der Internationalen Akademie für innovative Pädagogik, Psychologie und Ökonomie der Freien Universität Berlin, sowie das Projekt „TransKIGs“, dessen Koordinierung durch das Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM) erfolgte. Brandenburgs Bildungsminister Holger Rupprecht und Berlins Bildungssenator Professor Jürgen Zöllner lobten das Projekt als wegweisend: „TransKIGs hat gezeigt, dass ein optimaler Übergang von der Kita in die Grundschule nur möglich ist, wenn Kita-Erzieher und Grundschullehrkräfte ständig voneinander lernen, miteinander gestalten und gemeinsam innovative Ideen entwickeln.“ Beispielsweise hat Brandenburg einen Orientierungsrahmen für die Bildung in Kita und Schule erarbeitet, der aufzeigt, wie die Anschlussfähigkeit von vorschulischer und schulischer Bildung für Kinder gelingen kann.

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