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Ernährungsbildung

Die Ernährungspyramide des aid: ein Erfolgsmodell

Gesund essen und trinken – mit Lust, aber ohne Dogma: Mit diesem Anspruch hat der aid infodienst eine Ernährungspyramide sowie flankierende Hilfestellungen entwickelt und sie bis heute immer weiter verfeinert. Dank ihres ebenso anschaulichen wie fundierten Konzepts eignen sie sich für nahezu alle Bevölkerungsgruppen – auch für Kinder in Grundschule und Kita

Schon uns Erwachsenen fällt es schwer, unter den vielfältigen Medien-Angeboten und wissenschaftlichen Empfehlungen das richtige Ernährungskonzept zu finden. Weitaus schwieriger ist dies für Kinder. Umso dringender daher die Aufgabe, ihnen schon frühzeitig das Know-how zu vermitteln, wie sie die für sie optimale Ernährungsweise erkennen und umsetzen können.

Der aid hat mit seiner Ernährungspyramide ein einfaches und alltagstaugliches System entwickelt, mit dem jeder, ob groß oder klein, sein Ernährungsverhalten prüfen und optimieren kann. Die Pyramide gibt den äußeren Rahmen vor, der nach eigenem Geschmack, individuellen Gewohnheiten und unterschiedlichem Energiebedarf gefüllt werden kann. Der große Vorteil: völlige Flexibilität.

Ein Konzept – viele Einsatzmöglichkeiten

Poster, Wandsystem, Unterrichtsbaustein – die aid-Ernährungspyramide ist in den unterschiedlichsten Medientypen verfügbar. Und dafür gibt es gute Gründe. Denn die Vielfalt der Medien erlaubt es, das Konzept auf unterschiedlichen Wegen zu vermitteln, bestens abgestimmt auf die jeweilige Zielgruppe. So bieten sich z. B. Unterrichts- und Projektbausteine besonders für die Arbeit mit Schülern an, um das Konzept auf spielerische Weise zu vermitteln. In der Erwachsenenberatung ist das Wandsystem zur aid-Ernährungspyramide ideal. Denn die enthaltenen Fotokarten zeigen die ganze Bandbreite alltäglicher Lebensmittel in Portionsgröße und schaffen so einen einfachen Zugang zu den Grundlagen einer gesunden Ernährung.

Thema Ernährung in Vor- und Grundschule

Ernährungsbildung sollte möglichst früh beginnen, am besten schon im Kindergarten. Die Poster zur aid-Ernährungspyramide zeigen schon den Kleinsten, dass Ernährung und Bewegung zusammengehören. Erzieher/-innen müssen sich nicht lange einarbeiten und die Erfolge bei den Kindern stellen sich schnell ein. Das freut auch die Eltern.

Das Unterrichtsmaterial zur aid-Ernährungspyramide begleitet Schüler, Lehrer und Eltern auf dem Weg zur ausgewogenen Ernährung. Über Malen, Spielen und Basteln lernen Grundschüler die Lebensmittelgruppen kennen und ordnen Brötchen, Milch und Co. in die verschiedenen Ebenen ein. Sie bekommen dabei auch ein Gefühl für die richtige Portionsgröße vermittelt und können sich so besser angesichts übergroßer Portionsangebote orientieren. Für Lehrkräfte gibt es vollständig ausgearbeitete Unterrichtskonzepte von der Kopiervorlage bis zur Klassenarbeit. Die Eltern werden mit Elternbriefen und Informationen für den Elternabend eingebunden.

Was esse ich?

Die aid-Ernährungspyramide bietet den acht Lebensmittelgruppen in sechs Ebenen Platz. Die Basis bilden die Getränke. Es folgen an zweiter und dritter Stelle die pflanzlichen Lebensmittel, also Gemüse und Obst sowie Getreide(-produkte), die häufig und reichlich verzehrt werden sollen. Tierische Lebensmittel – Milch, Milchprodukte sowie Fisch, Fleisch, Wurstwaren und Eier – sind an vierter Stelle platziert. Sie sollten maßvoll genossen werden. Sparsamkeit ist angesagt bei Ölen und Fetten in Ebene fünf. In der Pyramidenspitze finden sich Süßigkeiten und Snacks. Sie werden geduldet, wenn die Lebensmittel aus Basis und Mittelfeld ausreichend im Speiseplan vertreten sind.

Durch die Begriffe „reichlich“, „mäßig“ und „sparsam“ gibt die aid-Ernährungspyramide eine erste Orientierung über Essensmengen, die durch die Ampelfarben Grün, Gelb und Rot anschaulich dargestellt werden. Sie helfen besonders Kindern bei der Bewertung.

Wie groß ist eine Portion?

Was einmal auf dem Teller liegt, wird auch verputzt, ganz gleich wie groß die aufgetischte Portion und der vorherige Appetit waren. Zu diesem Ergebnis kamen G. Mrdjenovic und D. A. Levitsky von der Cornell Universität, USA, bei ihrer Untersuchung an 4- bis 6-jährigen Kindern. So entscheidet nicht das Sättigungsgefühl darüber, wann sie aufhören zu essen, sondern das Auge, welches den leeren Teller sieht und damit „Ende der Nahrungsaufnahme“ signalisiert.

Im Zeitalter von „Mega-Portionen“ und „XXL-Menüs“ und der steigenden Zahl übergewichtiger und fehlernährter Kinder können weder das eigene Augenmaß noch die von der Lebensmittelindustrie vorgegebenen Portionsmengen als objektive Kriterien für die Portionsgrößen gelten. Auch exakte Mengenangaben in Gramm für Portionen haben sich im Alltag nicht bewährt. Deshalb verwendet die aid-Ernährungspyramide die eigene Hand als einfache Messhilfe. Das große Plus: Die Hand ist immer dabei, wenn‘s ums Essen geht. Sie ist individuell, wächst mit und berücksichtigt somit den je nach Alter und Geschlecht unterschiedlichen Bedarf eines Menschen. Kleine Kinder, die weniger Nahrung brauchen, haben kleinere Hände, größere Kinder die größeren Hände und den größeren Appetit. Eine Portion entspricht dabei einer „Hand voll“ (in einigen Ausnahmen auch „zwei Hände voll“). Außerdem sind alltägliche Mengenangaben wie „ein Glas“ und „eine Scheibe“ geeignet.

Wann esse ich?

Hier mal ein Häppchen, dort mal genippt. Am Ende des Tages fragt man sich: „Was habe ich heute eigentlich gegessen?“ Snacken liegt bei Erwachsenen wie Kindern im Trend, gemeinsame Mahlzeiten sind out. Das bringt einige ernährungsrelevante Probleme mit sich:

  • Wer sich häufig durch den Tag snackt, konzentriert seine Wahrnehmung nicht auf das Essen – man verspürt das Sättigungsgefühl oft zu spät. Dadurch isst man mehr, vor allem mehr hochkalorische, sprich fett- und zuckerreiche Lebensmittel.
  • Das kommunikative Miteinander am gemeinsamen Esstisch entfällt. Gemeinsame Mahlzeiten dagegen dauern in der Regel länger als ein hastiger Solo-Snack. Sie beugen dadurch der Gefahr des „Überfressens“ vor.

Mit fest geplanten Mahlzeiten fällt es leichter, die richtigen Lebensmittel und angemessenen Portionsgrößen auszuwählen. Die aid-Ernährungspyramide empfiehlt 22 Bausteine, aus denen die Tagesportionen zusammengesetzt werden sollten. Doch wie verteilt man sie über den Tag? Hier hilft die Teller-Symbolik der aid-Ernährungspyramide: Drei große Teller stehen für die Hauptmahlzeiten, zwei kleine Teller für maximal zwei Zwischenmahlzeiten. Die drei Hauptmahlzeiten entsprechen dem klassischen Muster: Frühstück, Mittagessen, Abendessen. Die Zwischenmahlzeiten stehen für ein zweites Frühstück bzw. Pausenbrot am Morgen und einen Imbiss am Nachmittag. Die Anordnung der Mahlzeiten ist flexibel und sollte dem individuellen Lebensrhythmus angepasst sein. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Kinder aufgrund ihres regen Stoffwechsels und vergleichsweise kleinen Magens alle fünf Mahlzeiten brauchen. Viele Erwachsene hingegen kommen mit drei einigermaßen gleichmäßig über den Tag verteilten Hauptmahlzeiten aus.

Weniger sollten es jedoch nicht sein. Unterteilungen auf den Mahlzeitentellern geben vor, aus wie viel verschiedenen Portionsbausteinen eine Mahlzeit (mindestens) bestehen sollte. Wird auf Zwischenmahlzeiten verzichtet, sind die dort berücksichtigten Portionen den Hauptmahlzeiten zuzuschlagen. Sechs simple Tellerregeln zeigen, wie die Portionsbausteine zu sinnvollen Mahlzeiten kombiniert werden.

Die Tellerregeln

  • Regelmäßig zu festen Zeiten essen, möglichst drei Haupt- und bis zu zwei Zwischenmahlzeiten.
  • Zu jeder Mahlzeit gehört ein Getränk.
  • Haupt- und Zwischenmahlzeiten sind überwiegend „grün“ und „gelb“.
  • Eine Hauptmahlzeit soll Lebensmittel aus mindestens drei verschiedenen Lebensmittelgruppen enthalten, zwei davon aus den grünen Ebenen der Pyramide.
  • Zwischenmahlzeiten sollten zwei verschiedene Lebensmittelgruppen abdecken. Mindestens die Hälfte des Tellers ist mit grünen Symbolen besetzt.
  • Zu den Hauptmahlzeiten gehört immer eine sättigende Beilage.

Natürlich lassen sich diese Empfehlungen nicht immer jeden Tag exakt umsetzen. Wenn ein Tag einmal nicht so optimal war, lässt sich das am nächsten Tag oder im Lauf der Woche ausgleichen. Wichtig ist, dass die Empfehlungen im Wochendurchschnitt erreicht werden.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Entwickelt wurde die aid-Ernährungspyramide in der praktischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Und seit Jahren wird sie erfolgreich in der Behandlung von stark übergewichtigen Kindern und ihren Eltern eingesetzt. Die den Pyramidenebenen und Lebensmittelgruppen hinterlegten Mengenempfehlungen basieren auf den Empfehlungen des Forschungsinstituts für Kinderernährung (FKE) und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Für die Berechnung sinnvoller Portionsgrößen wurden die empfohlenen Verzehrsempfehlungen dieser Fachgesellschaften durch die Anzahl der Portionen dividiert.

„Es muss schmecken!“

Harald Seitz, Ernährungswissenschaftler und Pressesprecher des aid, ist Vater zweier Kinder (5 und 2 Jahre alt). Er verrät, wie er sie für gesundes Essen und Trinken begeistert

Herr Seitz, viele Eltern klagen, dass ihre Kinder gesunde Lebensmittel verschmähen. Was machen sie falsch? Und wie ist das in Ihrer Familie?

Ob Kinder Gemüse und Obst essen, steht und fällt mit dem Angebot. Man muss viel ausprobieren und anbieten, und zwar bei gemeinsamen Mahlzeiten. Die spielen in vielen Familien aber kaum noch eine Rolle. Für meine Familie ist das gemeinsame Abendessen heilig. Da gelten zwei Regeln. Nummer eins: Erst probieren und dann entscheiden, ob man das Essen mag oder nicht. Zweitens: Keine Extrawurst! Wenn meine Kinder das Essen nicht wollen, bekommen sie auch nichts anderes. Außer Obst oder Gemüse. Diese Alternative sollte man immer parat haben.

Selbst wenn Eltern gesunde Ernährung vorleben, kriegen sie ihre Kinder oft nicht dazu „rum“. Wozu raten Sie?

Beharrlich sein und Alternativen anbieten. Hat man ein Gemüse gefunden, das ankommt, kann man es eine Zeitlang öfter kochen. Kinder brauchen weniger Abwechslung als wir denken. Bei meiner Tochter zeigte sich, dass sie Broccoli mag. Also gab es dreimal die Woche Broccoli. Nach einer Zeit fingen wir an, anderes Gemüse unterzumischen. Auch welches Pausenbrot am besten schmeckt, muss man ausprobieren. Kreationen wie Brot- und Gemüsespieße sind gut, aber meist gar nicht nötig. Man kann die Kinder auch einfach fragen, was sie gern essen. Strenge Regeln helfen jedenfalls nicht.

Hängt die aid-Ernährungspyramide über Ihrem Esstisch?

Nein, als Magnet am Kühlschrank (lacht). Wir gehen locker und spielerisch mit dem Thema Ernährung um. Wichtigste Regel bei uns: Es muss schmecken. Dann erst kommt der Gesundheitsfaktor. Aber natürlich achten wir schon darauf, dass die Woche über die Ernährung insgesamt ausgewogen ist.

Dürfen Ihre Kinder beim Essen zuhause mitbestimmen?

Ja, in einem gewissen Rahmen. Am Wochenende kochen wir gern groß und probieren Neues, auch Exotisches aus. Die Kinder gehen mit einkaufen. Mein Sohn darf zum Beispiel das Gemüse aussuchen. Er ist dann auch voll dabei, wenn es an die Zubereitung geht. Stellt Fragen, hilft beim Kochen. Lässt man Kinder mitmachen, schmeckt es ihnen oft besser. Und sie springen nicht schon nach fünf Minuten auf, um zu spielen.

Wie gehen Sie damit um, wenn Ihre Kinder auf einem Geburtstag Torte und Pommes schlemmen?

Sowas gehört dazu, genau wie Eis essen mit der Familie. Das sind wichtige Rituale mit einer sozialen Komponente. Aber wir stellen dann auch klar, dass es zuhause nichts mehr Süßes gibt.

Was wünschen Sie sich von der Ernährungserziehung in der Grundschule?

Gesunden Menschenverstand! Die Klasse sollte zumindest einmal pro Woche gemeinsam essen, etwa bei einem Klassenfrühstück mit kleinem Buffet. Dazu kann jeder etwas beisteuern und beim Anrichten helfen. Wichtig sind haptische Erfahrungen mit den Lebensmitteln.

Bei einem Buffet probieren die Kinder auch mal, was sie nicht kennen. Schon allein, um vor der „Peergroup“ ihrer Mitschüler gut dazustehen. So beginnt der Austausch über Lebensmittel.

Die Schule kann die Ernährungserziehung daheim sicher nicht ersetzen. Aber viel dazu beitragen, dass Kinder sich bewusst und gesund ernähren. Da ist das Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft.

Interview: Markus Hofmann

WEITERE INFORMATIONEN:

www.aid-ernaehrungspyramide.de

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