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Ernährungsbildung

Loch im Bauch

Die Tafeln engagieren sich für hungrige Schulkinder

Rund 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland wachsen in armen Familien auf. Dort fällt gesunde Ernährung oft dem Rotstift zum Opfer – auch das Pausenbrot. Und so kommen immer mehr Kinder ohne Brotbox zur Schule. Ein Alarmsignal, das die „Tafeln“ zur Tat ruft

Rund 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland wachsen in armen Familien auf. Dort fällt gesunde Ernährung oft dem Rotstift zum Opfer – auch das Pausenbrot. Und so kommen immer mehr Kinder ohne Brotbox zur Schule. Ein Alarmsignal, das die „Tafeln“ zur Tat ruft

In immer mehr Städten gehen Schulen und Freizeiteinrichtungen Kooperationen mit den örtlichen Tafeln ein. Insbesondere in sozialen Brennpunkten bitten Pädagogen, Sozialarbeiter und Elterninitiativen die Tafeln um Unterstützung. Mobile „Pausenbrot-Initiativen“ und „Kinderrestaurants“ mit warmem Mittagstisch sind angesichts der weiterhin hohen Kinder­armut auf dem Vormarsch. Die Bandbreite der Aktivitäten, die die Tafeln entwickeln, ist weit gefächert: Sie reicht von der Belieferung von Schulen und anderen sozialen Einrichtungen mit Tafel-Lebensmitteln bis hin zu pädagogisch betreutem Kochen.

Sträfliche Versäumnisse

Die zumeist ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer der Tafeln erleben jeden Tag aus nächster Nähe, mit welchen Schwierigkeiten vor allem Familien zu kämpfen haben, die auf ALG II angewiesen sind.

„Es ist skandalös, dass die Tafeln nun auch an Schulen und Kitas in die Bresche springen, damit Kinder aus sozial benachteiligten Familien über den Tag kommen“, sagt Gerd Häuser, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Deutsche Tafel e.V. „Es müssen flächendeckend bezahlbare Angebote für alle Schulkinder her. Da ist die Politik in der Pflicht, ihre Anstrengungen weiter zu verstärken. Es kann nicht sein, dass Kinder beim Frühstück und Mittagstisch außen vor bleiben und eine gesunde altersgerechte Ernährung vom Geldbeutel der Eltern abhängt. 2,57 Euro pro Tag und Kind für Nahrung und Getränke ist viel zu wenig. So erhöht man die Bildungschancen der Kinder von ALG II-Empfängern sicher nicht“, sagt Gerd Häuser.

Das Bewusstsein stärken

Mangelnde finanzielle Möglichkeiten der Familien sind ein Grund für die unzureichende Ernährung vieler Kinder von Tafel-Kunden. Nicht selten fehlt aber auch das Wissen, wie man sich mit einfachen Mitteln aus frischen Lebensmitteln eine gesunde Mahlzeit zubereiten kann. „Mit Auberginen und Zucchini kann nicht jeder etwas anfangen“, weiß Gerd Häuser. Da die Tafeln vorwiegend frische Ware gespendet bekommen, bieten einige von ihnen mittlerweile Kochkurse für die erwachsenen Tafel-Kunden an. Mit Kinderkochkursen, wie beispielsweise in Berlin versuchen die Tafeln auch solche Kinder zu erreichen, deren Eltern für das Thema gesunde Ermährung nicht ohne Weiteres zu erreichen sind.

Die meisten Tafel-Angebote für Kinder zielen insbesondere auf eine gesündere Ernährung ab. In vielen Projekten geht es aber auch darum, den Kindern eine bessere Teilhabe in der Schule und in der Freizeit zu ermöglichen. Gerd Häuser: „Eintrittskarten für den Zoo oder den Zirkus sowie Schreib- und Bastelbedarf gehören auch mit zu den Spenden, die die Tafeln ganz bewusst für die Kinder der von ihnen unterstützten Fami­lien einwerben.“

Realisiert werden können die verschiedenen „Kindertafel“ genannten Projekte in dem Maße, indem sich Spender mit Geld- und Sachleistungen für die Tafeln engagieren. „Die Unterstützung, die die Tafeln sowohl von Firmen und Wohltätigkeitsvereinen als auch von Privatleuten immer wieder erfahren, sagt viel über das Verantwortungsbewusstsein in unserer Gesellschaft aus“, sagt Gerd Häuser und ergänzt: „Ohne diese Spender könnten die zehntausenden von Ehrenamtlichen den rund 700.000 Tafel-Kunden nicht wirksam helfen.“

WEITERE INFORMATIONEN:

www.tafel.de

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