Computer + Unterricht
Da geht noch was
Wie neue Medien den Unterricht verändern und warum das gut ist
Computer und Internet im Unterricht – das ist für viele deutsche Schulen noch immer Neuland. Und nicht nur aus finanziellen Gründen. Besonders für Schulen mit einem älteren Kollegium ist die digitale Technik ein Buch mit sieben Siegeln geblieben. Dort stehen ihr viele Lehrkräfte skeptisch gegenüber, tun den PC im Klassenzimmer als Mode oder gar als schädlich für die Entwicklung der Schüler ab.
Doch muss man sich über Sinn und Zweck neuer Medien in der Schule gar nicht streiten, wenn man sie ganz nüchtern als Werkzeuge für besseres und effizientes Lernen betrachtet. Fangen wir also nochmal bei Null an: Was kann man mit dem PC im Unterricht überhaupt anfangen? Man unterscheidet prinzipiell vier Anwendungsbereiche für Computer und Internet.
1. Recherche
Das Internet ist DIE Informationsquelle schlechthin. Schüler wie Lehrer können sich hier über nahezu jedes Thema selbst schlau machen, etwa mittels Multimedia-Enzyklopädien wie Encarta, Datenbanken oder auch mit speziell für Lernende entwickelten Lernportalen. Genau wie im Umgang mit gedruckten Informationen gehört zu einer zielführenden Recherche auch die Qualitätsbeurteilung verwendeter Quellen. Hier muss die Lehrkraft Hilfestellung geben können.
2. Dokumentation, Produktion und Präsentation von Arbeitsergebnissen
PC und Internet können eine große Hilfe dabei sein, Lernerfolge wie etwa die Ergebnisse einer Recherche professionell auszuwerten, zu dokumentieren und zu präsentieren, etwa als Printprodukt (Broschüre, Zeitung, Poster), Folienpräsentation, Website oder Audio-/Videoproduktion. Aber Vorsicht: Leicht verzetteln sich Schüler und Lehrer im Spiel mit multimedialer Kosmetik. Darum gilt: Zuerst muss der Inhalt „sauber“ sein, dann kann man dessen äußere Form entwickeln. Diese hat allein die Aufgabe, den Inhalt nachhaltiger, anschaulicher, motivierender zu vermitteln, als das mit Sachbuch, Tafelbild oder Fotokopie ginge. Nicht mehr und nicht weniger.
3. Kommunikation mit anderen
E-Mails und Chats eröffnen auch in der Schule neue Kommunikationswege: Die Schüler können untereinander und mit ihren Lehrern Informationen und Daten schnell und einfach austauschen. Das hilft, die gemeinsame Projektarbeit zu erleichtern und zu verbessern. Arbeitsergebnisse können über das Netzwerk auf zentralen, jedermann zugänglichen Datenspeichern (externe Festplatte oder Server) abgelegt werden. Und natürlich ist auch der Austausch z.B. mit der Partnerschule im Rahmen eines Gemeinschaftsprojekt via E-Mail und Chat möglich.
4. Trainieren und Simulieren
Mit Lernsoftware können Schüler gewonnenes Wissen einüben, wiederholen und vertiefen. Die von zahlreichen Herstellern angebotenen Trainingsprogramme sind im Unterricht, aber auch zuhause anwendbar. Es gibt Vokabeltrainer, spielerische Rechen- oder Rechtschreibtrainings sowie Simulationen z. B. für den Geschichts- oder Politikunterricht. Doch Vorsicht: Nicht jedes Produkt ist empfehlenswert. Manchmal sollen spielerische Elemente und peppige Grafik über dünnen Inhalt hinwegtäuschen. Auch hier ist die Lehrkraft gefordert, die Spreu vom Weizen zu trennen.
Basiswissen für Lehrer
Ohne eigene Qualifikation kann kein Sinn stiftender Computereinsatz stattfinden. Lehrkräfte dürfen sich nicht auf das Know-how ihrer Schüler verlassen, denn damit gäben sie die Verantwortung für ihren Unterricht aus der Hand.
Die Lehrkraft muss die wichtigsten Funktionen eines PC, der wichtigsten Programme und des Internet sicher und routiniert beherrschen. Als Berater und Lernbegleiter sollte der Lehrer auch in der Lage sein, Fragen seiner Schüler zu den Grundfunktionen der Technik kompetent und schnell zu beantworten.
Zum Handwerkszeug sollten gehören:
- das Wissen, wie und wo welche Ergebnisse gespeichert werden – lokal auf der eigenen Festplatte oder online auf persönlichen oder gemeinsamen Speicherplätzen
- erweiterte Kenntnisse über das Strukturieren, Benennen und Zippen (Komprimieren) von Dateien und Ordnern
- Grundkenntnisse der wichtigsten Funktionen von Textbearbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationsprogrammen mit geeigneten Office-Anwendungen (MS Office, OpenOffice, GoogleDocs ...)
- Grundkenntnisse der Bildbearbeitung und entsprechender Programme
- erweiterte Kenntnisse der Arbeit mit Netzwerken, Plattformen, Wikis, Blogs
- Kenntnis der Funktionen und Möglichkeiten sozialer Netzwerke („Web 2.0“)
- Kenntnis professioneller Suchfunktionen (lokal und online)
- Kenntnisse der in der Schule verwendeten Lern-, Übungs- und ggf. Simulationsprogramme
Zu diesen Themen gibt es in nahezu jeder größeren Stadt zahlreiche Fortbildungsangebote speziell für Lehrer. Informationen darüber sind am einfachsten – na wo wohl? – im Internet zu finden. mho
Journal der Leipziger Buchmesse