Schulgelände
Pause mit Mehrwert
Der Pausenhof: Teil des Lernraums Schule
Aylin genießt die Frühlingssonne. Die 12-jährige sitzt auf einer Bank unter einer Pergola, deren Bewuchs noch etwas spärlich ist. Denn der frisch umgestaltete Pausenhof der hessischen Realschule wurde erst Ende April eingeweiht. Doch schon jetzt ist er „hundertmal grüner als früher“, freut sich die Schülerin und schaut hinüber zum „Centre Court“: Auf dem Badminton-Platz hinter einer Ginsterhecke findet gerade ein gemischtes Doppel statt – auch Aylins Biolehrer spielt mit.
Miteinander geht es besser
Gemeinsam nutzen Lehrer und Schüler das neue Pausengelände, gemeinsam haben sie es auch geplant und umgesetzt. Unterstützt wurden sie beim Buddeln, Pflanzen und Aufstellen neuer Geräte von vielen Eltern und sogar von einer handvoll freiwilligen Bundeswehr-Reservisten aus der Nähe. An nur einem Wochenende wurde das neue Pausengelände Wirklichkeit. Zuvor musste freilich der asphaltierte Boden abgetragen und Humus eingebracht werden, das hatte die Gemeinde mit Unterstützung des Landes organisiert.
Gutes hat seinen Preis
Und was hat das Ganze die Schule gekostet? „Rund 50.000 Euro, unser aller Arbeitseinsatz nicht mitgerechnet“, erzählt Schulleiter Michael Wagner (Name auf Wunsch des Interviewten geändert. Red.). „Aber zum Glück haben wir hier ein paar Lehrer, die im Fundraising recht fit sind.“ So konnte die Schule bei ortsansässigen Unternehmern Finanzmittel und Gratisdienstleistungen akquirieren. Die Filiale einer großen Optikerkette etwa steuerte 3.000 Euro bei. Der Förderverein der Schule beteiligte sich mit einem großen Betrag, den er mit einem selbstorganisierten Schulbasar erwirtschaftet hatte. Viele Eltern spendeten. Der örtliche Sportverein sponsorte die Skaterbahn, die er im Gegenzug für eigene Kursangebote am Nachmittag nutzen wird. Und weitere Mittel kamen von der Robert-Bosch-Stiftung, die im Rahmen ihres Aktionsprogrammes „Gesunde Schule“ Einrichtungen fördert, die ihr Gebäude und Gelände pädagogisch wertvoll umgestalten möchten.
„Ich denke, wir sind ein gutes Beispiel dafür, dass man viel bewegen kann, wenn man möglichst viele gesellschaftliche Gruppen an ihre Verantwortung für die Bildungsqualität erinnert“, resümiert der Schulleiter. Immer nur auf das Land oder den Schulträger zu hoffen und resigniert die Hände in den Schoß zu legen, wenn von dort nicht genug Geld kommt, sei zu einfach. „Ein Netzwerk zu knüpfen, wie wir es gemacht haben, ist zwar schwieriger und mit ‚Klinkenputzen‘ verbunden“, sagt Wagner, „aber der Aufwand sollte uns ein gesundes Schulklima, zu dem unser Pausenhof viel beiträgt, schon wert sein.“
Tatkraft, die Spaß macht
Das gilt natürlich auch für die Arbeitsleistungen von Lehrern, Schülern und Eltern. Ohne die ist ein solches Projekt nirgendwo umsetzbar. „Aber die Arbeit am Wochenende hat allen mächtig Spaß gemacht“, erzählt der Biolehrer, der inzwischen sein Badminton-Match beendet hat. Und sie war auch gut für das zwischenmenschliche Klima: „Ich habe beim gemeinsamen Steineschleppen für die Trockenmauer meine Schüler völlig neu kennengelernt.“
Bei der konzertierten Aktion ist nun ein schönes Pausengelände entstanden – mit Spiel- und Sportbereich, mit überdachten und offenen Ruhezonen sowie kleinen Biotopen für Pflanzen und (hoffentlich bald) viele Tiere. Hier wollen die Schüler gar nicht mehr weg, wenn der Pausengong zur nächsten Stunde ruft. Aylin und viele ihrer Mitschüler sind eh der Meinung, „dass die Pausen länger sein sollten.“ Dass dann die Gesamtschulzeit am Tag entsprechend länger würde, wissen sie natürlich und das ginge voll in Ordnung. Und so beraten zur Zeit die Lehrer, Schüler und Eltern über eine neue Pausenregelung. „Ein toller Impuls“, sagt Schulleiter Wagner. „Er zeigt uns, dass unsere Schüler die Qualität der Lern- und Lebenszeit, die sie hier verbringen, selbst in die Hand nehmen wollen.“
Journal der Leipziger Buchmesse