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Schuleinrichtung

Warmer Regen

Modernisierung von Fachräumen boomt

Das Konjunkturpaket II zeigt Wirkung: Die Fachraumeinrichter verließen die didacta 2009 mit vollen Auftragsbüchern. Ein erfreuliches Ergebnis, ist dies doch ein sicheres Indiz dafür, dass nun endlich marode Fachräume auf ein modernes Niveau gehievt werden. Eine wichtige Voraussetzung, um wieder mehr und besseren wissenschaft­lichen Nachwuchs heranzubilden

Es gibt tatsächlich Branchen, die nicht unter der Wirtschaftskrise ächzen und die Bundesregierung tadeln. Auf der diesjährige Bildungsmesse didacta präsentierte sich eine von ihnen: Schulausstatter und Fachraumeinrichter. Sie wurden regelrecht umgehauen vom Ansturm der Kunden. Joachim Zeuch, Gesamtvertriebsleiter beim Schulmöbelhersteller Hohenloher, hat entsprechend gute Laune. Vorhin sei ein Lehrer bei ihm gewesen, der begeistert erzählt habe, es gäbe nun Geld für neue Fachräume – und zwar gleich für sechs! Das sind Aufträge, die sich lohnen, immerhin kostet beispielsweise ein modern ausgestatteter Physik-Fachraum bis zu 50.000 Euro.

Wo anfangen?

Bis die neuen Räume fertig sind, wird erfahrungsgemäß noch viel Zeit vergehen. Denn bevor die Einrichter mit Möbeln und Technik anrücken können, müssen viele Räume erstmal von grundauf instand gesetzt werden. Morsche Gas- und Elektroleitungen, mangelhafte Sicherheitsmaßnahmen und löchrige Dächer sind in deutschen Schulen eher die Regel als die Ausnahme. Da muss man nur die Hausmeister fragen: Nach dem harten, schneereichen Winter waren die Dächer vieler Schulen so verschlissen, dass es mit Einsetzen des Tauwettters überall durchtropfte. Und was nützt der beste Fachraum, wenn dort Schüsseln und Eimer herumstehen?

Zuerst das Dach oder der Fachraum? Viele Schulen sind doppelt gefordert, sich wieder fit zu machen

Die Substanz ist so schlecht, weil die Ausgaben für die Infrastruktur von Schulen seit Jahren sinken. Pro Schüler und Jahr rund 400 Euro – mehr war dem Staat zuletzt die Modernisierung von Unterrichtsräumen nicht wert. Doch nun sei die Zeit reif für eine ernst gemeinte Anschaffungswelle, sagte der Präsident des Verbands der Bildungswirtschaft, Wassilios Fthenakis, zur Eröffnung der didacta. Und appelliert, auch an die technische Ausrüstung zu denken: „In vielen Bildungseinrichtungen bröckelt nicht nur der Putz von den Wänden. Es fehlen Mobiliar und Geräte für Fachräume, die Schulen brauchen dringend moderne Bildungsmedien.“

Die Schulausstatter sind darauf vorbereitet. In den vergangenen Jahren haben sie viele Produkte für einen ansprechenden, modernen Unterricht entwickelt: ergonomische Möbelsysteme, Experimentierzubehör und Whiteboards (siehe S. 10ff). Und nun scheint es soweit, dass die Schulen sie auch kaufen können: Knapp 8,7 Milliarden Euro pumpt die Bundesregierung aus dem Konjunkturpaket in den Bildungssektor. Entgegen der ursprünglichen Planung dürfen Schulen die Mittel nicht nur für Bau- und Sanierungsarbeiten verwenden, sondern auch für die Modernisierung der Klassenräume.

Spieglein, Spieglein an der Wand …

Die technische Aufrüstung ist Chefsache in den Ländern geworden. Nicht zuletzt auch, weil diese damit wunderbar Imagepflege betreiben können. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff etwa will von den 800 Millionen Euro, die sein Land für Bildung bereitstellt, 40 Millionen für „modernste Technik“ in den Schulen ausgeben. Viele Ausstatter und Einrichter sind überzeugt, dass sie davon profitieren werden. Andere warnen allerdings vor zuviel Optimismus angesichts der notwendigen Investition in die Bausubstanz. Bald werden die Ausstatter Gewissheit darüber haben, wieviel sie letztlich von dem großen Investitionskuchen abbekommen, ob Komplettlösungen oder doch eher nur punktuelle Verbesserungen beauftragt werden.

Stetiger Aufwärtstrend

Beklagen kann sich die Branche aber in keiner Weise. Der Ausbau der Ganztagsschulen beschert ihr seit Jahren schwarze Zahlen. Zum Beispiel Hohenloher, Marktführer bei naturwissenschaftlichen Fachräumen, kam im vergangenen Jahr auf ein Umsatzplus in zweistelligem Prozentwert. Schulen, die für die Schüler zum „zweiten Zuhause“ werden, brauchen neben modernen Lernräumen eben auch ansprechende Bereiche für nachmittägliche Aktivitäten und die Mahlzeiten. Multifunktionale Möbel, mit denen man z.B. aus einem Essraum auch eine Bühne für Theateraufführungen machen kann, sind dafür zwingend notwendig. Und ergonomisch müssen die Möbel sein, damit sie der Gesundheit und dem Bewegungsdrang der Schüler Rechnung tragen. Also muss die oft jahrzehntealte Einrichtung weichen. Um den Schulen und ihren Trägern die Scheu vor Investitionen zu nehmen, bieten inzwischen manche Hersteller sogar „Abwrackprämien“ für veraltete Stühle, Tische und Schränke an. Und auch die Kollegien von Ganztagsschulen haben ein besonderes Bedürfnis nach Wohlfühl-Atmosphäre. Dazu tragen nicht nur separate, ergonomische Arbeitsplätze bei, sondern auch Orte der Entspannung. Natürlich hat die Branche darauf reagiert – und ihr Angebot um Lounge-Sofas und Bistroecken fürs Lehrerzimmer erweitert.

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