bildung+ Startseite Mediadaten Impressum Links Newsletter

Journal der Leipziger Buchmesse Lernraum Schule reisen Lernen science bildungSPEZIAL medien

Digitales Klassenzimmer

Update für die Bildung

Digitale Kompetenz: eine Herausforderung für deutsche Schulen

Markus Hofmann

Schule lebt von Vielfalt, auch medial. Es ist daher dringend nötig, dass die Schulen ihr technisches Arsenal aufrüsten – wie auch ihre Medien-kompetenz

Bildung ist im 21. Jahrhundert ein entscheidender Faktor für persönlichen und wirtschaftlichen Erfolg – auch auf dem Arbeitsmarkt. Unternehmen erwarten von ihren Beschäftigten, dass sie die moderne Informations- und Kommunikationstechnik beherrschen. Bereits die Schule muss daher die Vertrautheit im Umgang mit digitalen Medien sowie weitere erfolgskritische Schlüsselqualifikationen vermitteln

Der Umgang mit digitalen Medien gilt heute neben Lesen, Schreiben und Rechnen als vierte Kulturtechnik. Daher ist es sinnvoll, PCs und mobile Geräte wie Notebooks auch im Unterricht einzusetzen. Zwar ist es keineswegs das Ziel beim „neuen Lernen“ in der Schule, dass Buch, Heft und Federmappe vom Rechner ersetzt werden. Selbstverständlich sollten PC und Laptop im Klassenzimmer aber schon werden. Allerdings fehlen in vielen Schulen noch die Rahmenbedingungen dafür. So besteht beispielsweise zu Notebook-Klassen und den damit verbundenen Vorteilen in Deutschland noch Aufklärungsbedarf, während sie anderswo in Europa hinlänglich bekannt sind.

Rückstand aufholen

PISA 2006 zeigt: Überhaupt zählt Deutschland bei der PC-Nutzung an Schulen zu Europas Schlusslichtern. Der OECD hat für die dritte Ausgabe der Studie über 400.000 15-jährige Schülerinnen und Schüler aus 57 Ländern (in Deutschland ca. 5.000) befragt. Das Ergebnis: Deutschland ist wie bei PISA 2003 der OECD-Staat, dessen Schulen den Computer am seltensten als Lernwerkzeug nutzen. Zwar ist die Quote von 23 auf 31 Prozent gestiegen, liegt aber immer noch weit hinter dem OECD-Durchschnitt von 56 Prozent. PISA 2006 bestätigt auch den Kontrast von häuslicher und schulischer Nutzung: Während viele Schüler im Unterricht kaum mit dem PC arbeiten, nutzen sie die neuen Medien zuhause umso eifriger. Rund 90 Prozent der Jugendlichen sitzen regelmäßig vor dem heimischen Computer. Die JIM-Studie 2008 des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest (mpfs) zum Umgang von 12- bis 19-Jährigen mit Medien und Information untermauert dieses Ergebnis. Demnach verfügen 97 Prozent dieser Altersgruppe über einen Internetzugang. Erstmals in der zehnjährigen Geschichte der JIM-Studie zeigt sich zudem, dass Jugendliche eher einen Computer als einen Fernseher besitzen. Aber: Überdurchschnittlich viele der befragten Jugendlichen nutzen laut PISA 2006 Computer und Internet sehr eingeschränkt, also etwa nur für E-Mails, Spiele und Musikkonsum.

Es liegt nah, dass die Computerkenntnisse dieser Jugendlichen den zukünftigen Anforderungen der Berufswelt nicht genügen. Die Verfasser der Studie leiten daraus ab, dass „die Vermittlung computerbezogener Kenntnisse durch die Schule unverzichtbar zu sein (scheint)“. Denn die digitale Kompetenz wird künftig zur Voraussetzung für den erfolgreichen Berufseinstieg. Als Konsequenz daraus hat eine EU-Kommission eine Strategie und ein Maßnahmenpaket zur Förderung der digitalen Kompetenzen vorgeschlagen. Kernpunkte sind verstärkte IT- und PC-Ausbildung an Schulen, bessere ITK-Fortbildung der Lehrer, Förderung des computergestützten Lernens (eLearning) und höhere Mittel für die Ausstattung der Schulen mit Hard- und Software.

Das digitale Klassenzimmer

Damit die neuen Medien in den Unterricht integriert werden können, müssen die Lehr- und Lernmethoden sowie die Fortbildungsinhalte der Pädagogen Schritt halten. Ein Beispiel sind Notebook-Klassen. Hier erhält jede Schülerin und jeder Schüler ein eigenes mobiles Gerät, das er entsprechend dem Lehrplan und der Anweisung der Pädagogen regelmäßig im Unterricht sowie zur häuslichen Vor- und Nachbereitung einsetzt. Ein Notebook-Klassenzimmer ist mit einem Lehrernotebook, einem Beamer, einem Drucker und eventuell einem interaktiven Whiteboard für die Wiedergabe multimedialer Inhalte ausgestattet. Die einzelnen Rechner sind über ein Netzwerk (LAN oder WLAN) verbunden und verfügen über einen Internetzugang. Zum digitalen Klassenzimmer gehören:

  • Hardware (z. B. Laptops, Netbooks, UMTS-Sticks, Netzwerke, Server etc.)
  • Breitbandiger Internetzugang
  • Basis-Software (z. B. Betriebssystem, Büroanwendungen wie Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentation)
  • Lehr- und Lernsoftware (multimediale Lernmaterialien, internetbasierte Anwendungen, Schulmanagementsoftware …)
  • Virtuelle Teamräume (Web 2.0 Funktionen, Kommunikationssoftware wie Messenger, Videochats/-konferenzen)
  • Betriebs- und Wartungskonzept

Computer optimieren den Lernerfolg

Wissenschaftliche Studien bestätigen die positive Wirkung von PCs respektive Notebooks auf den Lernprozess. Dies trifft insbesondere für den Erwerb technischer Routinen und wichtiger überfachlicher Schlüsselqualifikationen zu. Ein Beispiel ist eine Untersuchung der Augsburger Medienpädagogin Prof. Dr. Gabi Reinmann, die mit ihrem Team ein Jahr lang drei Notebook-Klassen im Mittlere-Reife-Zug der Hauptschule Geretsried in Bayern wissenschaftlich begleitet hat. Ihr Ergebnis: Schüler in Notebook-Klassen lernen selbstständiger, der Unterricht macht besonders jüngeren Kindern mehr Spaß und motiviert sie zum Lernen – Wissenserwerb wird dadurch nachhaltiger. Die Schüler üben sich mehr in Problemlösung, in Teamfähigkeit sowie in Medienkompetenz. Sie erkennen und nutzen das Potenzial digitaler und mobiler Medien, werden aber auch für deren Gefahren sensibilisiert. Durch die Arbeit mit den mobilen Rechnern können Schüler auch Informationen im Internet besser recherchieren, diese klarer strukturieren und präsentieren. Notebook-Schüler sind in der Tendenz motivierter und teamorientierter als Kameraden aus normalen Klassen.

Neue Lehr- und Lernkultur

Der Einsatz von mobilen Medien führt zu einer neuen Lernkultur, sie verändern die Rolle von Schülern und Lehrkräften. Die Geräte unterstützen eigenaktives und kooperatives Lernen in Selbstlernphasen sowie die Partner- oder Gruppenarbeit. So können Schüler auf verschiedene Lernplattformen zugreifen oder das sogenannte virtuelle Klassenzimmer besuchen, in dem sie Lehrmaterialien für alle Fächer finden. Diese lassen sich dann beispielsweise für Projekte und Präsentationen nutzen. Dort sind auch Chats, Foren und andere Kommunikationsmittel zu finden. Zudem wird der Unterricht abwechslungsreicher, da man mit den Notebooks aktuelle und authentische Unterrichtsinhalte, also auch Grafiken, Fotos und Videomaterial, einbinden kann. Dadurch lassen sich die Inhalte des Lehrbuches anschaulich und lebendig ergänzen.

Voraussetzung für den Erfolg von Notebook-Klassen sind methodisch-didaktisch geschulte Lehrkräfte, die einem Unterricht mit elektronischen Medien aufgeschlossen gegenüberstehen, ihre neue Rolle als Moderator akzeptieren – und zumindest in der Phase des „Neustarts“ eine höhere Zeit- und Arbeitsbelastung auszuhalten bereit sind. Intel/mho

Der PC als Bindeglied: Computer-erfahrene Schüler gelten als besonders teamorientiert

Gedruckte Bücher und E-Books sind keine Konkurrenten

Gedruckte Bücher und E-Books ergänzen sich hervorragend: Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels zur Bedeutung von Optik und Haptik bei gedruckten Büchern und E-Books, an der 785 Verlage und Buchhandlungen teilgenommen haben. Bücher und E-Books zeichnen sich demnach vor allem durch ihre Unterschiedlichkeit aus. Gedruckte Bücher und E-Books haben jeweils deutliche Alleinstellungsmerkmale, wie sich bei der Frage nach den Eigenschaften der beiden Formate zeigt. Wertig, schön und ansprechend – diese Attribute schreiben zwischen 74 und 85 Prozent der Befragten dem gedruckten Buch zu, das darüber hinaus bei vielen weiteren Eigenschaften mit hohen Werten abschneidet. Das E-Book zeichnet sich dagegen vor allem als trendy, modern und praktisch aus, meinen zwischen 62 und 80 Prozent der Befragten. Als praktisch wird daneben auch das gedruckte Buch wahrgenommen – wenngleich wohl aus anderen Gründen als das E-Book. Ein hohes Ansehen weisen beide Formate auf: Ein gedrucktes Buch halten 46 Prozent der Befragten für prestigeträchtig, beim E-Book sind es immerhin 38 Prozent.

Von herausragender Bedeutung für den Erfolg eines Buches ist neben Einband, Papierqualität und Satz nach Ansicht der Befragten die Covergestaltung: 97,6 Prozent halten diese für sehr wichtig bzw. wichtig, wenn es um das gedruckte Buch geht. Das ist auch für den Erfolg von E-Books maßgeblich: 66 Prozent der Befragten halten gestalterische Aspekte wie Cover und Schriftart für wichtig.

Digitales Klassenzimmer

Nur wunde Daumen?

Mobiltelefone im Unterricht verbessern die Lernleistung von Schülern und wirken sich sogar positiv auf das Klassenklima aus. Das zeigt eine Studie der Fachhochschule St … mehr