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Ergonomie

Positionswechsel

Bewegt sich der Körper, kommt auch der Geist in Schwung

Wie ein Büro- oder Bildschirmarbeitsplatz auszusehen hat, der der Gesundheit zumindest nicht schadet, definieren arbeitschutzrechtliche Bestimmungen und Gesetze. Den Arbeitsplatz der Schüler berücksichtigen diese aber nicht. Zwar gibt es eine Empfehlung, basierend auf der DIN ISO 9470. Sie stammt aber aus dem Jahr 1974, als Ergonomie in der Schule noch so gut wie kein Thema war. Inzwischen gibt es gesicherte Erkenntnisse darüber, dass herkömmliche Schuleinrichtung der Entwicklung der Kinder schadet – und auch das Lernen bremst

Mit der Einschulung wird aus dem Spielkind ein Sitzkind. Und mit jedem Schuljahr steigt die tägliche Dauer des Stillsitzens. Eine fatale Entwicklung: Internationale Experten weisen schon länger auf eine enge Beziehung von statisch-passiver Sitzhaltung und physischen wie psychosomatischen Beschwerden im Kindes- und Jugendalter hin. Doch zu deutschen Schulträgern dringen diese Stimmen nur selten durch. Hier ist noch die Haltung verbreitet, dass Kinder nur mit dem Kopf, nicht aber mit dem Körper zur Schule kommen.

Dabei pfeifen schon die Spatzen von den Dächern, dass Lernen, Denken und Intelligenz der Mitwirkung des ganzen Körpers bedürfen. Deshalb darf das natürliche Bedürfnis der Kinder nach Bewegung nicht unterdrückt werden, sondern muss – während ihres gesamten Schullebens – im Sinne einer gesunden körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung in den Unterrichtsalltag integriert werden.

Möbel noch kein Thema

Diese Erkenntnis ist die Grundlage des Konzepts der „Bewegten Schule“, das viele Schulen zumindest teilweise in Unterricht und Pause umsetzen. Die Schulmöbel aber spielen dabei kaum eine Rolle. Dabei machen insbesondere mit dem Stuhl kippelnde Kinder deutlich, wie ihr Arbeitsplatz beschaffen sein sollte: dynamisch. Das Kippeln zeigt, dass der Körper der Kinder wichtige ganzkörperliche Impulse einfordert, um auch Geist und Seele wieder in die Balance zu bringen.

Solche Impulse bietet ein Drehstuhl mit einer sich um ca. sieben Grad stufenlos nach vorn und hinten beweglichen Sitzfläche. Er unterstützt den natürlichen, vom Körper geforderten dynamischen Wechsel von Statik und Dynamik, von Aktivität und Ruhe, von An- und Entspannung. Der Benutzer kann sein Körpergewicht einfach nach vorn als auch zurück verlagern. Der Stuhl ermöglicht sowohl die nach vorn orientierte Arbeitshaltung als auch die zurückgelehnte passive Ruhehaltung. Dieses aktiv-dynamische Sitzen erfordert die Bewegung von Füßen und Beinen. Und das ist gut so: Die Dynamik der Beine beeinflusst maßgeblich die Durchblutung unseres Körpers. Das Gewicht durch „Beinarbeit“ auf der beweglichen Sitzfläche zu verlagern, verbessert somit die Blutzirkulation und die Sauerstoffversorgung des gesamten Körpers und des Gehirns.

Raum und Bewegung

Mit einem bewegungsfördernden Schulstuhl ist viel, aber noch nicht alles gewonnen. Das gesamte Klassenzimmer muss als dynamische Einheit betrachtet werden. „Mitwachsende“ Möbelsysteme und flexibel platzierbare Arbeitsplatzmodule fördern ebenso die körperliche und geistige Dynamik im Unterricht: in Höhe und Neigung verstellbare Schultische etwa, die schnell und einfach je nach Unterrichtsform umgestellt werden können. Hier deutet sich aber schon an, dass es auch auf Unterrichtsmethoden und Organisationsformen ankommt. Ein Wechsel von Projekt-, Gruppen- oder Freiarbeit animiert die Schüler zum „Springen“ zwischen verschiedenen Arbeitsplätzen – und damit zu einer dynamischen Abfolge von Sitzen, Stehen und Gehen. Als sinnvoll hat sich folgende Gewichtung erwiesen:

  • 50 Prozent aktiv-dynamischen Sitzen,
  • 25 Prozent Stehen,
  • 25 Prozent körperliche Aktivität.

Eine derartige Arbeitsplatz-Ergonomie beugt nicht nur Haltungsstörungen vor, die durch Bewegungsmangel verursacht werden. Sie schafft auch hirnphysiologische Bedingungen, die ein konzentriertes, geistig vitales Arbeiten erst möglich machen.

Tipps zur ergonomischen Einrichtung von Medienecken

Bildschirm

  • Die Anordnung von Bildschirm, Tastatur und Maus darf keine verdrehte oder permanent schiefe Kopf- bzw. Körperhaltu g hervorrufen. Die oberste Bildschirmzeile sollte ungefähr in Augenhöhe des Kindes liegen, im Zweifel eher etwas darunter.
  • Der Abstand des Bildschirmes zu den Augen sollte ca. 50 cm betragen.
  • Stellen Sie Monitore stets frontal hinter der Tastatur auf.
  • Blendender Lichteinfall auf den Bildschirm ist äußerst störend und muss vermieden werden.
  • Werden ältere Röhrenmonitore verwendet, bedenken Sie, dass deren rückwärtige Strahlung stärker ist als die frontseitige. Daher sollten Sie direkt hinter dem Monitor keinen Arbeitsplatz einrichten. Ein chronisch flackernder oder in anderer Form defekter Bildschirm darf nicht verwendet werden.
  • Achten Sie auf fachgerechte Entsorgung alter Geräte.

Tastatur und Maus

  • Die Stellfüße der Tastatur sind einzuklappen, damit sie möglichst flach aufliegt und so die Handgelenke schont.
  • Eine „griffige“ Mausunterlage sollte vorhanden sein.
  • Mit den Linkshänder-Kindern sollten Sie die Tastenbelegung der Maus (Systemsteuerung) entsprechend einüben.

Elektrik

  • Stolper-, Sturz- und Stromschlaggefahr durch lose hängende oder liegende Kabel muss vermieden werden.
  • Gefahr durch gequetschte oder beschädigte Leitungen ist unbedingt auszuschließen.
  • Über Kopf geführte Steckerleisten sind ungeeignet, denn frei hängend reagieren sie sensibel Zugbelastungen. Besser eignen sich Steckdosen, die im Boden, an der Wand oder am Tisch fest installiert sind.

Ergonomie

Man kann nicht davon ausgehen, dass die Schule zu jedem angeschafften Computer auch das passende Mobiliar kauft. Daher sind Improvisation und Ideenreichtum gefragt, um aus der Situation das Beste zu machen. Hier einige Tipps, die sich in der Praxis bewährt haben.

  • Je Arbeitsplatz zwei Schülertische hintereinander stellen. Der hintere für den Monitor kann ggf. etwas niedriger sein als der vordere, damit der Bildschirm auf die optimale Arbeitshöhe kommt. Bei dieser Anordnung können auch zwei Kinder gleichzeitig am PC arbeiten, ohne sich allzu sehr verdrehen zu müssen.
  • Bildschirme auf Schärfe und Flimmerfreiheit des Displays überprüfen.
  • Bildschirm hin und wieder reinigen: Das Entfernen von Staub und Fingerabdrücken wirkt manchmal Wunder!
  • Jalousien oder Vorhänge etwas zuziehen, um Reflexionen auf dem Bildschirm zu vermeiden.
  • Funktion von Maus und Tastatur selbst ausprobieren. Die Kugel und Mechanik der Maus hin und wieder von Staub und Schmutz befreien.
  • Einführen linkshändiger Kinder in die Vorgehensweise zum Wechsel der Tastenbelegung, sodass sie die nötigen Änderungen vor und nach der Arbeit selbst ausführen können.
  • Kontrolle, ob die Isolierung der Kabel überall einwandfrei ist und nicht durch Tischbeine, -platten oder dergleichen gequetscht werden. Defekte Kabel austauschen, nicht mit Isolierband reparieren!
  • Mehrere lose hängende Kabel mit Kabelbindern zusammenzurren.
  • Mehrfachsteckdosen mit Kippschaltern zum An-/Ausschalten und mit Überspannungsschutz (z.B. gegen Blitzschlag) verwenden.
  • Isolierband oder breites Tape benutzen, um Kabel und Ähnliches zu fixieren.

Barbara Dörpinghaus, lehrer-online.de