Bildungsreise
Auf den Spuren Anne Franks
Vier Häuser, die Geschichte lebendig machen
Markus Hofmann
Das Anne Frank Zentrum in Berlin beeindruckt Besucher jeden Alters mit seinen pädagogisch durchdachten Ausstellungen
© Anne Frank Zentrum
Anne-Frank-Haus Amsterdam
In diesem Gebäude in Amsterdams Altstadt, heute eine weltbekannte Gedenk- und Studienstätte, versteckte sich einst das jüdische Mädchen mit seiner Familie. Die Besucher können sich in dem Haus und dem Hinterversteck frei bewegen, persönliche Dinge sowie Möbelstücke aus der damaligen Zeit besichtigen und sich einen Eindruck von den Geschehnissen verschaffen.
Neben den Führungen für Erwachsene bietet das Anne-Frank-Haus auf Anfrage auch spezielle dialogorientierte Führungen für Schulklassen von 15 bis 35 Personen im Alter von 12 bis 18 Jahren an.
In deren Verlauf erhalten die Jugendlichen alters- und lernstandgerechte Antworten auf ihre Fragen über die Geschichte der Familie Frank – und erfahren, was Zivilcourage bedeutet und wohin Totalitarismus führen kann. Als Unterstützung und Vertiefung des Oberstufen-Unterrichts bietet das Anne-Frank-Haus Amsterdam abwechslungsreiche Arbeitsformen mit historischen Fotos und einer Zeitleiste zu den Themen Zweiter Weltkrieg und Judenverfolgung.
Jugendbegegnungsstätte Anne Frank in Frankfurt
Anne Franks Fragen wie „Wer bin ich?“, „Was geschieht mit mir?“ oder „Was ist mir wichtig?“ machen das Tagebuch bis heute besonders für junge Menschen interessant. Diese Fragen leiten durch eine multimediale Ausstellung „Anne Frank. Ein Mädchen aus Deutschland“ der Jugendbegegnungsstätte in Frankfurt am Main, Annes Geburtsort. Die Besucher werden mit drei geschichtlichen Ebenen konfrontiert: Annes persönlichem Umfeld, historischen Hintergründen und aktuellen Bezügen zur Gegenwart. Die Ausstellung stellt die Perspektiven von Verfolgten, Helfern, Mitläufern und Tätern nebeneinander. Mit Hilfe jugendlicher Experten und aktivierender Methoden bietet die Jugendbegegnungsstätte die Möglichkeit, die Ausstellung selbstständig zu entdecken und individuelle Fragen zu stellen. Schulklassenbesuche sind nach Vorab-Reservierung möglich.
Anne-Frank-Haus des CVJM Hannover
Das Anne-Frank-Haus in Hambühren-Oldau ist eine Freizeit- und Jugendbildungsstätte des CVJM Hannover in der Nähe der Gedenkstätte Bergen-Belsen – jenes KZ, in dem Anne 1945 ermordet wurde. Das Anne-Frank-Haus bietet viele Entfaltungsmöglichkeiten für Pädagogengruppen und Schulklassen. Von Vollverpflegung im Haupthaus bis zur Selbstverpflegung in einer Blockhütte ist flexible Buchung möglich.
In Kooperation mit Schulen verschiedener Schulformen veranstalten der CVJM, die Evangelische Berufsschülerarbeit und die ver.di Jugend seit Jahren Projektwochen und Klassentagungen im Anne-Frank-Haus. Anhand Anne Franks Leben und Sterben können sich die Schüler in die Geschichte des Lagers Bergen-Belsen und des Holocaust einarbeiten. Dazu gehört ein Besuch des ehemaligen Vernichtungslagers. In Reflexionsphasen stellen die Schüler Bezüge zu ihrer gegenwärtigen Lebenswelt her, berücksichtigen dabei Fragestellungen etwa zu Glauben, Ethik und Religion.
Das Anne Frank Zentrum Berlin
Zwar war Berlin keine Lebensstation des jüdischen Mädchens, das Anne Frank Zentrum in Berlin-Mitte am Hackeschen Markt ist dennoch eine Reise wert. Es bietet zum Beispiel die Ausstellung „Anne Frank. hier & heute“. Im Mittelpunkt stehen das Tagebuch und die Lebensgeschichte Anne Franks. Über Hörstationen und kurze Porträtfilme kommen auch Berliner Jugendliche zu Wort, die sich mit aktuellen Fragen beschäftigen und einen Bezug der Ausstellungsthematik zur Gegenwart herstellen. Die Angebote sind geeignet für Besucher ab zehn Jahren.
Des Weiteren realisiert das Anne Frank Zentrum Seminare, Trainings und Weiterbildungen für Pädagogen und entwickelt innovative Unterrichtsmaterialien. Es schafft Lernorte, an denen sich Jugendliche und Erwachsene mit der Geschichte des Nationalsozialismus und ihren vielfältigen Bezügen zur Gegenwart auseinandersetzen können. Es will die Kinder und Jugendliche zum Handeln gegen Diskriminierung aktivieren, zu Zivilcourage ermutigen sowie die Fähigkeit zur Selbstbestimmung und zu gesellschaftlichem Engagement fördern.
Journal der Leipziger Buchmesse