FIFA Frauen-WM 2011
Runde Sache
Fußball-Fieber mit Städtetrips verbinden
Markus Hofmann / DFB / FIFA
Sehenswerte Architekturen: die Frauenkirche in Dresden (li.), Wolkenkratzer in Frankfurt/M. (re.)
© Fotolia
Fußballdeutschland im März 2011: Außerhalb der Spielorte ist noch wenig davon zu spüren, dass in wenigen Wochen die FIFA Frauen-WM 2011 angepfiffen wird. Viele Deutsche wissen nicht einmal von dem sportlichen Großereignis, das unter dem Motto „20Elf von seiner schönsten Seite“ steht. Dennoch sind die Organisatoren zufrieden: Einige der 32 Spiele sind bereits so gut wie ausverkauft, vor allem die Partien der deutschen Weltmeisterinnen.
Damit es nicht wie bei der Männer-WM 2006 zu Ticket-Engpässen kommt, wurde 100 Tage vor Turnierbeginn eine neue Phase des Kartenverkaufs eingeläutet: 100.000 zusätzliche Tickets aus anderen Kontingenten sind in den freien Verkauf gelangt. Wer trotzdem keines ergattern kann, wird sich darüber freuen, dass ARD und ZDF 28 WM-Spiele im öffentlich-rechtlichen Fernsehen live übertragen werden.
DFB-Spielerinnen bestens vorbereitet
Top-Favorit ist neben den USA natürlich die deutsche Elf. Sie will nach 2003 und 2007 auch dieses Jahr wieder den Titel holen. Die Chancen dafür stehen gut: In der 26 Spielerinnen umfassenden DFB-Auswahl stehen 15 Weltmeisterinnen, fünf U20-Weltmeisterinnen und drei Europameisterinnen. „Ich glaube, wir haben eine gute Mischung gefunden“, sagte DFB-Nationaltrainerin Silvia Neid im März bei der Teamvorstellung. „Das Leistungsniveau ist so hoch, wie es sein muss, wenn man um den WM-Titel mitspielen will.“
Neids Team wird angeführt von Routiniers wie Birgit Prinz (208 Länderspiele), Ariane Hingst (169), Kerstin Garefrekes (122), Nadine Angerer (94) und Inka Grings (87). Mit Celia Okoyino da Mbabi (51), Babett Peter (47), Lira Bajramaj (43) oder Kim Kulig (20) stehen aber auch Vertreterinnen der jungen Generation im Aufgebot, die trotz ihres Alters schon viel Erfahrung mitbringen.
Und das ist gut so, denn die internationale Konkurrenz ist stark. Das verspricht Top-Leistung und viel Spannung auf dem Rasen der neun Fußball-Arenen, und es lässt hoffen, dass durch dieses Turnier der Frauenfußball weiter an Attraktivität gewinnt.
Tickets: weniger Engpässe, günstige Preise
Die Damen-WM hat in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit freilich noch lange nicht den Stellenwert wie das Herren-Pendant. Doch immerhin ist es dadurch möglich, zu moderaten Preisen Turnierluft zu schnuppern: Die günstigsten Eintrittskarten für die erste Frauenfußball-WM auf deutschem Boden kosten 15 Euro und waren bei Redaktionsschluss noch für alle Begegnungen der Vorrunde mit Ausnahme des Eröffnungsspiels sowie für die Partie um Platz 3 verfügbar. Der Preis für das teuerste Ticket beim Endspiel in Frankfurt am Main liegt bei 200 Euro.
Noch ein schöner Zug: Die Ermäßigung auf Karten für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre ist nicht nur auf bestimmte Stadion-Bereiche beschränkt, sondern gilt für alle Plätze. Außerdem sind die Tickets übertragbar, sodass die Karten von Eltern für ihre Kinder bzw. von Lehrern für ihre Schüler gekauft werden können. OK-Präsidentin Steffi Jones betont: „Die Frauen-WM ist ein Event für die ganze Familie. Im Gegensatz zu 2006, wo ein Mangel an Tickets zu verzeichnen war, hat nun jeder die Chance, bei diesem Weltfest des Frauenfußballs dabei zu sein.“
Außer auf dem offiziellen Ticketing-Online-Portal www.fifa.com/deutschland2011 sind Karten auch per Hotline unter 01805 / 06 2011* bestellbar. Alle Preise sind inklusive Mehrwertsteuer, Vorverkaufs- und Ticketgebühr und berechtigen am Spieltag zur Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs.
* 0,14 Cent / Min. aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunkpreise können abweichen.
Kunst- und Kulturprogramm gestartet
Bis zur FIFA Frauen-WM 2011 dauert es noch ein paar Wochen – das kulturelle Programm dazu hat schon begonnen. Mit SPIELRAUM 2011 unterstützt die DFB-Kulturstiftung im Frühjahr und Sommer zahlreiche Projekte, die überwiegend in den neun WM-Städten zu finden sind (siehe dazu Kasten unten). Das Programm umfasst mehr als 100 Einzelveranstaltungen.
„Der Frauenfußball mit seinen mehr als eine Million Mitgliedern und seiner wechselhaften Geschichte ist ein lebendiger Teil unseres sportlichen und sozialen Lebens“, sagt DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger. Durch die Unterstützung kultureller Projekte wolle der DFB auch außerhalb der Vereine und Stadien Räume für die kreative Beschäftigung mit seinen vielfältigen Facetten öffnen. „Gleichzeitig sollen möglichst viele Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten einbezogen werden, sei es als Aktive oder Zuschauer. Vor allem Kinder und Jugendliche. Viele Projekte setzen deswegen ganz bewusst niedrigschwellige Ansatzpunkte zum Mitmachen, Mitdenken, Gestalten und Erleben“, so Zwanziger.
Die Herangehensweisen an das Thema Frauenfußball sind entsprechend unterschiedlich: Kinderkunstwerke, Mädchenradio, Modenschauen, Karnevalswagen, Chöre, Schülerzirkus, interreligiöses Fußball-Camp, Fanzine-Workshops – das sind nur einige der geförderten Initiativen. Auch im Bereich der klassischen Kultur gibt es Angebote. In Bochum, Wolfsburg und Berlin haben sich bildende Künstler mit dem Frauenfußball befasst. Foto-Ausstellungen werden in Dresden und Berlin gezeigt. Fußballskulpturen und Flaggen-Installationen setzen in Leverkusen, Frankfurt und Sinsheim Akzente im öffentlichen Raum. Und es wird auch experimentell: Videojockeys zelebrieren in Augsburg das Tanzspektakel „90-Minuten-Rave“. Die Poetry-Slam-Tour „SLAM THE WM!“ bringt den Frauenfußball in die Bars und Clubs. Und in Mönchengladbach wird zu einem Wettbewerb zur künstlerischen Gestaltung einer Hausfassade aufgerufen – gegenüber dem Geburtshaus von Günter Netzer.
Dazu kommen überregionale Projekte, die sich auch mit der Geschichte und den internationalen Dimensionen des Frauenfußballs auseinandersetzen, wie das Fußballfilmfestival „11mm“, die multimediale Ausstellung „Pionierinnen des deutschen Frauenfußballs“, das Turnier DISCOVER FOOTBALL oder das Bühnenprogramm „Gegnerinnen-Aufklärung“ der Heinrich-Böll-Stiftung. Die Augsburger Puppenkiste wird am 1. Mai das Kindertheaterstück „Steffi – ein Sommermärchen“ aufführen, das anschließend auf Tournee durch die anderen Spielorte geht.
Zum Start des Kulturprogramms SPIELRAUM 2011 hat die DFB-Kulturstiftung einen 60-seitigen Kulturkalender veröffentlicht, in dem alle Projekte und Veranstaltungen zusammengefasst sind. Die Broschüre als PDF-Download sowie weitere Infos sind unter http://spielraum2011.dfb.de verfügbar.
Journal der Leipziger Buchmesse