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Aktivurlaub

Reif für die Inseln

„Schleusen-Hopping“ per Faltboot in Südschweden

Martin Huisman

Die Inselchen in Dalsland bieten zahlreiche idyllische Buchten zum Anlegen, Baden, Erholen – atemberaubende Sonnenuntergänge inklusive, wenn das Wetter mitspielt. Bild unten: Das Faltboot verbringt die Nacht meist auf dem „Trockendock“

Auf etwa 250 km führt der Dalsland-Kanal durch das Seenlabyrinth der von unberührter Natur geprägten Provinzen Dalsland und Värmland in Richtung Norwegen. Der Kanal verbindet die Gewässer mit nur zehn Schleusen und Kanälen – und wurde so zum Dorado für Wasserwanderer

Da stehen wir nun an der Schleuse von Köpmannebro, der ersten von zehn, die wir auf unserer Reise passieren wollen. Hier setzen wir unser Faltboot ein, verstauen das Gepäck – und los geht’s. Die ers­ten Kilometer ist es noch gewöhnungsbedürftig, sich paddelnd fortzubewegen, aber nach einiger Zeit kommt Routine auf. So fahren wir hinaus auf den Svannefjorden-See, biegen an einer Landzunge nach Süden ab und nehmen, die Insel Björkön immer rechts von uns, Kurs auf eine Einschnürung, die uns nordwärts auf den Spången-See führt. Da wir erst am Nachmittag gestartet sind, suchen wir uns hier schon einen Platz zum Übernachten. Schnell haben wir eine geeignete kleine Insel gefunden, ziehen das Boot an Land und beginnen mit der Arbeit, die uns die nächs­ten zwei Wochen begleiten wird: Boot ausräumen, Zelt aufbauen, Kakao und Essen kochen, die Umgebung sondieren, ein wenig die Glieder strecken.

Kurs Nordwest

Am nächsten Morgen strahlendes Wetter. Nach kurzer Fahrt erreichen wir die Schleuse von Upperud, die versteckt am Westufer des Sees liegt. Gut drei Kilometer weiter erreichten wir die vier Schleusen von Håve­rud, die insgesamt einen Höhenunterschied von zehn Metern überwinden. Hier bietet sich auf der Straßenbrücke oberhalb des Ortes ein imposanter Blick auf eines der berühmtesten Bauwerke Schwedens, das Aquädukt von Håverud. Es wurde 1868 fertiggestellt, um die Stromschnellen zwischen dem Upperudshöljen und Åklång zu überqueren.

Kurs Nordwest fahren wir auf den See hinaus, auf die Schleuse von Buterud zu. Paddler umfahren sie meist und wählen den Weg über den Råvarpen-See. Auf einer Halbinsel im Westen liegt ein idyllischer Campingplatz, an dem wir heute anlanden. Am nächsten Tag geht es durchs Naturschutzgebiet von Högsbyn Richtung Wes­ten zu den Schleusen von Mustadors und Dals Långed.

Wir gönnen uns eine Pause in der Sonne bei Heringssalat und Leichtbier. Auf dem Lelång, steht im Reiseführer, werden wir auf den nächsten 39 Kilometern keine Schleuse finden. Nun können wir also eineinhalb Tage ungestört vor uns hin paddeln und die Landschaft genießen. Bevor der See breiter wird, sind an seinen Ufern einige Sommerhäuser im typisch schwedischen Stil zu sehen, alle mit Steg und Boot. Die Insel Greaön mit ihrem Lagerplatz ist unser Ziel, in einer kleinen seichten Bucht mit dem Wald im Rücken. Richtig warm ist es und wir entschließen uns, schwimmen zu gehen.

Tags darauf schleichen wir uns in gebührendem Abstand an Vogelschutzinseln vorbei bis zur Felsnase Herrenäs. Noch immer lacht die Sonne und unter unseren Schwimmwesten wird es richtig heiß. Nach gut zwei Stunden können wir die Einfahrt nach Gustafsfors und den Västra Silen hinter dem Inselchen Hallön ausmachen. Die Nacht wollen wir am Ostufer des Lelång verbringen, queren also den See und paddeln auf die rund einen Kilometer entfernte Siedlung Ekenäs zu. Eine leichte Brise aus Südwest gibt uns Rückenwind; wir nutzen ihn mit einem improvisierten Segel aus Regenjacke und Paddel. So treiben wir gemütlich auf das andere Ufer des Lelång zu.

See der 1000 Inseln

Dort auf den glatten Felsen können wir das Zelt nicht mit Heringen fixieren, aber wir behelfen uns mit einer Kombination aus Paddeln, Steinen und Spanngurten. Danach sitzen wir noch lange davor und schauen in den roten Sonnenuntergang. Dann ab in den Schlafsack, denn die Abende hier sind recht kühl.

Am Ende des Lelång bei der Schleuse von Lennartsfors gibt es einen Supermarkt, auf den wir uns schon freuen. Endlich mal wieder Abwechslung in der Campingküche. Nach einer ungewohnt üppigen Mahlzeit setzen wir unser Boot am Steg des Gästehafens in einen der schönsten Seen, die Dalsland zu bieten hat: den Foxen.

Besonders seine vielen winzigen Inseln und einsamen Buchten an der Ostseite laden zum Rasten und Entdecken ein. Doch der See hat auch seine Tücken. Seine Breite von vier Kilometern und der häufige Wind lassen auf ihm die Wellen schon mal recht hoch schlagen. Wir halten uns daher dicht am Ufer, immer mit einem Auge auf Wind und Wetter, mit dem anderen auf Karte und Kompass. Trotzdem müssen wir manchmal mit aller Kraft gegen bis zu einem Meter hohe Wellen anpaddeln. Gischt klatscht uns ins Gesicht – eine schöne Abkühlung.

Wir legen an in einer kleinen, versteckten Bucht wie aus einem Piratenroman. Noch scheint die Sonne und wir gehen schnell schwimmen, bevor die Temperaturen mit der Sonne sinken und Fleecepulli statt Badehose fordern.

Surfen statt paddeln

Noch einmal lassen wir uns Zeit, paddeln gemütlich jede Bucht des Foxen aus, bevor wir wieder Richtung Seemitte und nach Norden weiterfahren. Der Wind hat gedreht und treibt uns nun vor sich her. Mit Schwung „surfen“ wir über die Wellen, die uns nun weit weniger bedrohlich als noch vor zwei Tagen erscheinen. An der Steilküste des Langefjällen (die nur wenige Campingmöglichkeiten bietet) erreichen wir nach einem halben Tag die Brücke von Flågelvik, unter der wir hindurch in den kleineren Teil des Foxen gleiten. Nachdem wir eine Fischfarm passiert haben, wollen wir noch ein wenig weiter nordwärts zu einem Lagerplatz auf der Insel Kalvön. Von hier sind es nur noch vier Kilometer bis nach Töcksfors, dem Endpunkt unserer Tour. Als wir in Göteborg an Deck der Fähre stehen und auf die Ostsee schauen, fangen wir schon wieder an zu träumen. Vom nächsten Mal in Schweden. Wohin, wissen wir noch nicht, aber das Faltboot, das uns in den letzten drei Wochen so ans Herz gewachsen ist, wird ganz sicher dabei sein.

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