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Tief im Westen

Reisen durch die Geschichte des Ruhrgebiets

Regionalverband Ruhr / Stiftung Zollverein / Markus Hofmann

Im „Kohlenpott“ schlug lange Zeit das Herz der deutschen Industrie. Zechen, Kokereien, Hochöfen und Kraftwerke prägen bis heute das Gesicht dieses Kultur- und Lebensraums. Viele der einstigen Werkshallen und Schächte beherbergen heute Science Center, Museen und multimediale Erlebniswelten. Entdecken kann man sie zum Beispiel auf 25 Themenrouten, die der Regionalverband Ruhr anbietet

Außerschulische Lernorte haben die klassische Bildungslandschaft in den vergangenen Jahren enorm bereichert. Sie führen Kinder und Jugendliche "hands on" an Wissenschaft und Forschung heran – an authentischen Orten und konkret erlebbaren Gegenständen und Phänomenen. Wegen ihrer emotionalen, erlebnisorientierten Komponenten sind Science Center, Schülerlabore und interaktive Ausstellungen dem Schulunterricht da offenbar überlegen. Dennoch können und sollen sie nicht als Reparaturbetriebe für unsere angeschlagene MINT-Bildung herhalten. Vielmehr schaffen diese Einrichtungen eine neue Wechselbeziehung zwischen informellem und formalem Lernen.

Darin liegt der Ansicht vieler Experten die Zukunft unserer Bildung. Und nicht nur auf die Schule bezogen: Auch in der Öffentlichkeit steigt die Nachfrage nach Info- und Edutainmentangeboten. Die neue Art der Wissenschaftskommunikation hat geschafft, was vor Jahren noch undenkbar schien: Wissenschaft ist wieder stärker ins Diesseits der Kultur gerückt – bei Kindern und Jugendlichen wie Erwachsenen.

Das Ruhrgebiet leistet mit seinen industriegeschichtlichen Denkmälern dazu einen imposanten Beitrag.

Erinnerung trifft Zukunft

Die Hochöfen, Gasometer oder Fördertürme sind wichtige Zeugen der 150-jährigen industriellen Vergangenheit des Reviers, aber auch des sich vollziehenden Strukturwandels. Denn die ehemaligen Produktionsstätten – nicht wenige davon stehen unter Denkmalschutz – sind keine Orte wehmütiger Erinnerung, sondern haben sich längst zu lebendigen industriekulturellen Räumen und attraktiven Veranstaltungsorten mit touristischer Anziehungskraft entwickelt. Das regionale Tourismus-Projekt „Route der Industriekultur“ ist ein etwa 400 Kilometer langer Rundkurs durchs Ruhrgebiet.

52 herausragende Zeugnisse der industriekulturellen Vergangenheit und Gegenwart des Ruhrgebietes bilden die Route der Industriekultur. Dazu gehören überregional bedeutende Industrieanlagen ebenso wie von namhaften Architekten entworfene Arbeitersiedlungen, Museen oder Panoramen, durch die man sich einen guten Überblick über die Geschichte der Region verschaffen kann.

25 Ankerpunkte bilden das Rückgrat der Route. Sie sind Startorte für ebensoviele Themenrouten, auf denen Interessierte zum Beispiel die Geschichte einer Region erforschen oder den Spuren eines speziellen Aspekts wie der Bergbau-, der Schifffahrts- oder Eisenbahngeschichte folgen können. Besonders nah kommt man diesen Spuren bei einer Radwanderung.

Auch sie gehört zum Kohlenpott: die allgegenwärtige Currywurst

Kultur am Wegesrand

Emscher Park Radweg und Rundkurs Ruhrgebiet führen als Hauptwege der „Route der Industriekultur per Rad“ auf über 700 Kilometern durch die Landschaft zwischen Duisburg und Hamm. Große Teile des Wegenetzes verlaufen auf ehemaligen Bahntrassen, attraktiven Ufer- und Waldwegen oder verkehrsarmen Straßen. Viele Ankerpunkte liegen nah oder unmittelbar am Radweg. Der Reisende erlebt auf dem 230 Kilometer langen Emscher Park Radweg das Herz des ehemaligen Reviers: die imponierenden Zeitzeugen der Industriekultur und die vielen miteinander vernetzten, grünen Freiräume des Emscher Landschaftsparks. Oder er erradelt auf dem 350 Kilometer langen Rundkurs Ruhrgebiet die historisch und geographisch sehr unterschiedlichen Teilräume zwischen Rhein, Lippe, Ruhr und Börde. Die Verbindungswege – meist in Nord-Süd-Richtung verlaufend – ermöglichen individuelle Tourenkombinationen.

Der RuhrtalRadweg verläuft zwischen Duisburg und Schwerte identisch mit dem Rundkurs Ruhrgebiet und setzt sich östlich über Fröndenberg ruhraufwärts fort. Er stellt somit den direkten Anschluss der „Route der Industriekultur per Rad“ an das Hochsauerland bis nach Winterberg her.

Erlebnis Lernen

Die Themenroute 5 der „Route der Industriekultur“ führt nach Essen. Wer sie unter seine zwei oder vier Räder nimmt, sollte sich unbedingt Zeit für einen Abstecher zur Zeche Zollverein im Norden der Stadt nehmen. Die oft als „schönste Zeche der Welt“ bezeichnete, 100 Hektar große Anlage zählt zum UNESCO-Welterbe und gilt als eines der imposantesten Industriedenkmale im Ruhrgebiet.

Im Jahr 1986 wurde hier die letzte Kohle gefördert, 1993 die Kokerei stillgelegt. Gebäude und Anlagen stehen seit 2000 offiziell unter Denkmalschutz. 2001 folgte die Aufnahme in die Welterbeliste. Erhalt durch Umnutzung ist heute die Losung; Vielfalt bestimmt das Angebot. Geschichte, Kultur, Kreativität, Veranstaltungen, Gastronomie, Freizeit, all das bietet Zollverein seinen rund eine Million Besuchern im Jahr.

In den Hallen und auf dem Gelände des Zollvereins beeindrucken einige Einrichtungen mit einem erlebenswerten Edutainment-Angebot.

Ruhr Museum

Das Ruhr Museum befindet sich in der ehemaligen Kohlenwäsche auf dem Welterbe Zollverein in Essen. Als Regionalmuseum zeigt es in seiner Dauerausstellung die gesamte Natur- und Kulturgeschichte des Ruhrgebiets. Es versteht sich nicht als klassisches Industriemuseum, sondern als Gedächtnis und Schaufenster der Metropole Ruhr.

Portal der Industriekultur

Die Kohlenwäsche ist auch der Schauplatz für einen 360°-Film und innovative Medienstationen, die über die Route der Industriekultur sowie das industriekulturelle Panorama der Metropole Ruhr informieren. Multimediale Inszenierungen und innovative Informationsstationen zeigen die Ankerpunkte der Route der Industriekultur in ihrer ehemaligen und heutigen Nutzung: Aus den Flözen „wachsen“ sie und zeigen mit Bild, Text und Ton die Monumente des Industriezeitalters in Geschichte, Gegenwart und Zukunft.

Phänomania

In diesem Science-Center auf dem Zollverein dreht sich alles um die Aktivierung der sinnlichen Wahrnehmung. An über 80 Versuchsstationen im Innen- und Außenbereich erfahren Besucher jedes Alters, wie das Auge sieht, das Ohr hört, die Nase riecht, die Haut fühlt und der Körper schwingt. Auf über 1500 Quadratmetern bietet das Center über 80 Stationen, an denen Neugierige naturwissenschaftliche Phänomene erforschen, entdecken und bestaunen können. So können sie beispielsweise die Schwerelosigkeit erleben, in die Unendlichkeit schauen oder auf festem Boden das Gleichgewicht verlieren. Anfassen und ausprobieren sind ausdrücklich erwünscht!

Die Routen durchs Ruhrgebiet säumen viele stillgelegte Fabriken: Industriedenkmale mit morbider Ästhetik

!Weitere Informationen:

www.route-industriekultur.de

www.zollverein.de

www.ruhrmuseum.de

www.phaenomania.de/essen/index.php

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