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Klassenfahrt

Lernen in luftiger Höhe

Baumwipfelpfade in Deutschland

mho

Bildungs-Highway: So wie hier im Nationalpark Hainich schlängeln sich die Baumwipfelpfade durch arten- und aussichtsreiche Höhen – Top-Destinationen für Klassenfahrten und Exkursionen

Baumwipfelpfade sind Lehrpfade der besonderen Art: Auf bis zu 35 Meter hohen Stegen führen sie durch Waldregionen, die spannende neue Aus- und Einb licke bieten – vor allem in eine Tier- und Pflanzenwelt, die vom Boden aus verborgen bleibt.

Hochseilgärten – die kennt man. Behelmt und gesichert mit Geschirr und Leine, kann man hier Geschicklichkeits-Parcours zwischen Bäumen durchklettern – mal balancierend, mal tastend oder rutschend. Wer das schon mal gemacht hat, wird auf mancher Stationsplattform innegehalten haben, weil da doch gerade ein Tierchen durchs Blätterdach gehuscht ist, man in einer Astgabel ein Vogelnest erahnt hat oder ganz einfach diese ungewohnte Perspektive auf sich wirken lassen wollte. Aber nicht lange, denn von hinten nähern sich die nächsten Kletterer – weiter geht’s.

Bei einem Baumwipfelpfad ist das anders. Hier geht es weniger um Akrobatik und das Ausloten körperlicher Fähigkeiten als vielmehr um das Erleben eines Biotops, das man sonst nie zu Gesicht bekommt. Man braucht bei den meisten Pfaden keine Sicherheitsausrüstung, da man über feste, mit Geländern versehene Stege aus Planken oder Gitterrosten läuft, die auf im Erdboden verankerten Pfeilern ruhen. Nichts schwankt, auch wenn es manchmal so wirkt, wenn man nur auf die sich wiegenden Bäume schaut. Manche Pfade verfügen sogar über einen Fahrstuhl, mit dem es auch Rollstuhlfahrer dort hinauf schaffen. Ein bisschen Disziplin vorausgesetzt, kann man sich voll auf das Naturlerlebnis konzentrieren, in Ruhe die Lehrstationen absolvieren und auch mal die Richtung wechseln, ohne dass jemand von hinten drängelt. Nur abpflücken darf man nichts, darauf haben die betreuenden Ranger ein wachsames Auge.

Ableger der Forschung

Die Baumwipfelpfade haben sich aus der Baumkronenforschung entwickelt. Dieses Teilgebiet der Biologie ist noch recht jung. Als Pionier in Deutschland gilt der Leipziger Professor Wilfried Morawetz, der im Jahr 2001 die Idee hatte, mittels eines Krans in die bis zu 35 Meter hohe Wipfelregion des Leipziger Auenwaldes vorzudringen. So gelangten die Forscher zu völlig neuen, ja sogar verblüffenden Erkenntnissen: Mit Fröschen zum Beispiel hatten sie dort nicht gerechnet. Auch andere Wissenschaftler profitierten von dem Kran, etwa Botaniker, Meteorologen und Forstwissenschaftler.

Irgendwann muss damals jemand auf die Idee gekommen sein, dass die Wipfelwelt auch für Hobby- und kleine Nachwuchsforscher interessant sein könnte. So entstand 2003 im Biosphärenreservat Pfälzerwald bei Fischbach/Dahn Deutschlands erster Baumwipfelpfad. Mit seinen Rutschen und Seilbrücken ist er allerdings recht action-orientiert.

Dennoch begründete er einen Trend: Seither wurde fast jedes Jahr ein neuer Baumwipfelpfad irgendwo in Deutschland eröffnet. Und die nächsten drei stehen schon in den Startlöchern: im bayerischen Steigerwald, im niedersächsischen Bad Harzburg sowie im Naturpark Panarbora bei Köln (siehe Infokasten). Letzterer bietet ab Sommer 2015 neben einem üppigen pädagogischen Programm einen der längsten Kurse Deutschlands durch die verschiedenen Baum-Vegetationszonen.

Verschiedene Ansätze

Erster in Niedersachsen: Der Baumwipfelpfad Bad Harzburg mit seinem organisch geformten Aussichtsturm – hier ein Computermodell – nimmt am 8. Mai 2015 seinen Betrieb auf. Zu seinen Angeboten gehört auch eine geologische Lernstation

Manche dieser Pfade verbinden das Naturerlebnis mit bewegungsfördernden Elementen, andere sind als reine Lehr- und Beobachtungspfade für die Umweltbildung angelegt. Je nachdem also, was sich die Schüler wünschen und zutrauen, können ihre Lehrer aus einem wachsenden Angebot wählen. Fast immer sind nach Anmeldung auch pädagogisch aufbereitete Führungen durch speziell geschulte Fachkräfte oder Ranger möglich.

Vor allem die „echten“ Lehrpfade mit durchgehend befestigten Laufwegen nutzen übrigens gern auch Wissenschaftler. Auf dem Baumkronenpfad Hainich in Thüringen etwa sind regelmäßig Käferforscher zu Gast. Sie untersuchten den Hochzeitsflug der Dasselfliege – eine kleine Sensation, denn zuvor war dies nicht möglich, da die Fliegenart ihr Ritual immer am höchsten Punkt des Waldes zelebriert – den man nun im Baumturm des Pfades direkt vor Augen hat.

Aber auch größere (und zugegebenermaßen für das breite Publikum attraktivere) Tiere wie Spechte, Kleiber, Fledermäuse und – etwa in Prora auf Rügen – Seeadler sind mit etwas Glück zu beobachten. Und wer ganz genau hinschaut, entdeckt im schützenden Laub vielleicht auch mal ein Nest mit schlüpfenden Küken.mho

Der Baumwipfelpfad des Naturparks Panarbora im Bergischen Land – hier als 3D-Simulation – wird diesen Sommer eröffnet. Der Höhenkurs ist mit 1600 Metern einer der längsten Deutschlands

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