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Klassenfahrten

Alles, was sich bewegt

Die Autostadt in Wolfsburg als außerschulischer Lernort

Die Autostadt ist nicht nur etwas für VW-Freaks, sondern ein Ausflugsziel für Menschen aller Altersgruppen. Seit der Eröffnung haben sich davon schon mehr als 19 Millionen Menschen überzeugen lassen, davon im letzten Jahr allein 125.000 Lernende. Und die meisten, ob groß oder klein, kommen immer wieder. Um den Interessen speziell von Kindern und Jugendlichen gerecht zu werden, hat die Autostadt eine eigene pädagogische Abteilung ins Leben gerufen: die Inszenierte Bildung. Aber was macht den Reiz der Autostadt gerade für Schülerinnen und Schüler aus? Hier wird auf eindrucksvolle Weise Mobilitätserziehung vermittelt, ein in der Bildungslandschaft bisher einmaliges Projekt, das zusammen mit dem Niedersächsischen Kultusministerium begründet wurde.

Mobilität

Das Thema Verkehrserziehung wird in seiner klassischen Form schon länger nicht mehr den Ansprüchen gerecht, denen sich Heranwachsende in einer mobilisierten Welt stellen müssen. „Natürlich hat die Verkehrserziehung weiterhin ihre Berechtigung“, betont Dr. Michael Pries, Leiter der pädagogischen Abteilung der Autostadt in Wolfsburg, „aber die Mobilitätserziehung geht, gerade weil sie einen fächerübergreifenden Ansatz verfolgt, weit darüber hinaus.“ Was die Autostadt außerdem zu einem echten Lernort macht, ist sein qualifiziertes Personal. „Bei uns arbeiten nur ausgebildete Pädagogen“, so Dr. Pries, „denn dem Anspruch, den die Lehrkräfte an uns stellen, wollen und müssen wir natürlich auch gerecht werden.“

Ein weiteres Highlight auf der Klassenfahrt ist die Besichtigung der Automobil-Produktion in Wolfsburg. Mit der gläsernen Panoramabahn geht es mit der WerkTour von der Autostadt direkt in das benachbarte Volkswagenwerk.

Lernorte der Autostadt

Für ein erstes Kennenlernen bietet sich die eineinhalbstündige Schülerführung an, bei der – je nach Interessenlage – auf besondere Schwerpunkte (Technik/Naturwissenschaften, Gesellschaftswissenschaften/Politik sowie Kunst/Architektur) eingegangen wird. Ich habe dabei viele unterschiedliche Facetten der Autostadt kennengelernt – aber definitiv nicht alle.

Ich habe mich als Autodesigner betätigt und meinen Wunsch-Minibus kreiert (das geht übrigens ganz einfach am Computer). Kurz danach bin ich in die Welt der Börse eingetaucht und habe im Bereich Investor Relations versucht, mein Talent als Anleger unter Beweis zu stellen (leider hatte ich nicht so ein glückliches Händchen).

Danach ging es ins ZeitHaus, das besucherstärkste Automobilmuseum weltweit, wo die unterschiedlichsten Meilensteine in der Entwicklung des Automobils zu besichtigen sind, wie z. B. den Benz „Velo“ von 1893, das erste in Serie gebaute Kraftfahrzeug (das aber noch sehr große Ähnlichkeit mit einer Kutsche hat), den Matra DJet als ersten Mittelmotorsportwagen das Hanomag „Komissbrot“ und natürlich, neben mehr als 90 weiteren einmaligen Modellen, die VW-Bestseller Käfer und Golf.

Nachhaltigkeit

Wer sich mit Mobilität, vor allem der Automobilität, auseinandersetzt, darf seine Augen nicht vor den Problemen verschließen. Das geschieht in der Autostadt auf sehr überzeugende Weise an den Themen Globalisierung, Nachhaltigkeit und Umweltschutz in fast allen Lernbereichen. Am deutlichsten wird dies an der neuen Ausstellung „Level Green – Die Idee der Nachhaltigkeit“.

Installation zum „Ökologischen Fußabdruck“ in der Ausstellung Level Green.

„Level Green“ zeigt anhand von sechs Themenbereichen, was Nachhaltigkeit aus Sicht der Mobilitätserziehung heute ausmacht. Das beginnt mit dem Ökologischen Fußabdruck, der exemplarisch zeigt, wie viele der vorhandenen Ressourcen jeder einzelne von uns verbraucht (ich brauche definitiv zu viel). Natürlich kann jeder Besucher auch die automobilen Zukunftstechnologien wie Hybrid oder Wasserstoff unter die Lupe nehmen oder im Utopienentester schauen, welche Mobilitätskonzepte (emissionsfreie Stadt, Raketenrucksack und vieles mehr) bereits realisiert worden sind. An der Medienwand kann außerdem nachvollzogen werden, welche Faktoren das komplexe System der Klimawechselwirkungen in Balance halten und wie sich globale Klimaveränderungen in den einzelnen Regionen der Erde auswirken. Mit „Level Green“ ist die Autostadt damit um einen Lernort bereichert worden, der sehr stark zur eigenen Auseinandersetzung mit dem Thema Nachhaltigkeit anregt – ohne dabei den moralischen Zeigefinger zu erheben.

Ein letzter Tipp hat aber gar nichts mit dem grünen Umweltgewissen zu tun: Wer einmal den Italienischen Stier so richtig röhren hören möchte, kommt um den Besuch im Lamborghini-Pavillon nicht herum. Aber Achtung, die Show ist nichts für schwache Nerven und empfindliche Ohren.

Kleine Automanufaktur und andere Kurse

Was wäre ein Lernort ohne spannende Fortbildungen? In dem umfangreichen Kursangebot stehen Filmwerkstätten, wo der Umgang mit filmischen Mitteln geschult wird und am Schluss ein kleiner eigener Spielfilm steht, neben Angeboten zum Thema Mobilität (an Hand des Themas Kaffee lernen die Schüler hier ökologische, wirtschaftliche und soziale Aspekte des Welthandels kennen). Und wer einmal so richtig in die Welt der Autoproduktion eintauchen will, findet in der Autostadt mit Sicherheit den richtigen Kurs.

Ich persönlich habe meinen Favoriten schon gefunden: „Die Kleine AutoManufaktur“ Dieser Kurs widmet sich voll und ganz der Automobil-Technik. Fahrzeuge und ihre Funktion stehen im Mittelpunkt der Lernsequenzen für junge Auto-Konstrukteure wie mich. Ziel der Kleinen AutoManufaktur ist es, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu befähigen, ein selbst erdachtes Fahrzeug zu konstruieren. Die Lernstation ist ausgestattet mit Werkzeugen und Materialien - bis hin zu CAD (Computer Aided Design)-Arbeitsplätzen und CNC (Computer Numeric Control)-Fräsen -, die in der Autoproduktion verwendet werden. Dabei konnte ich mit CAD und CNC vor kurzem rein gar nichts anfangen.

Ein Tipp für Schulen: Besonders geeignet ist die Kleine AutoManufaktur für Projekttage und -wochen, zu denen die Teilnehmer in einer Folge von dreistündigen Lernsequenzen in die Autostadt kommen. Die Inhalte variieren sowohl im Anspruch der Aufgabenstellung als auch in der Komplexität der Umsetzung. Dadurch ist die Kleine Automanufaktur für Lerngruppen aller Altersstufen geeignet. Das allerbeste aber: Das selbst konstruierte Modell durfte ich mit nach Hause nehmen.

Zielgruppe der Kurse sind, Schüler der Primarstufe (Klassen 1–4), der Sekundarstufe I ( Klassen 5–10), Schüler der Sekundarstufe II (Klassen 11–12) und der Berufsbildenden Schulen.

Dauer: ca. 3 Stunden, Preis pro Lernseqenz und Teilnehmer: Euro 3 zzgl. Eintrittspreis (Folgetage: Eintritt frei)

WEITERE INFORMATIONEN:

Alle Informationen zu den umfangreichen Programmen unter www.autostadt.de.

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