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Klassenfahrt

Einmal Læsø – immer Læsø

Schüler entdecken die Ökosysteme im Kattegatt

Mit der typischen Sommer-, Palmen-, Sonnenschein- Abschlussfahrt hat die Læsø-Exkursion wenig gemein. Dafür bietet Læsø allerdings viele Möglichkeiten, die dem biologisch interessierten Menschen das Herz höher schlagen lassen. Die in hohem Maße an Nachhaltigkeitskriterien ausgelegte Studienfahrt der Ludwig-Geissler-Schule hat den ersten Preis beim Wettbewerb „Deutschlands nachhaltigste Klassenfahrt 2008“ gewonnen

„Hat ja lange genug gedauert!“, so lautet die Begrüßung, wenn man es als „Ehemaliger“ nach vier Jahren und fast abgeschlossenem Biologie-Studium endlich einmal wieder schafft, seinen alten Bio-LK-Lehrer auf einer seiner berüchtigten Læsø-Exkursionen zu begleiten. Diesmal allerdings nicht als Schüler, sondern als Begleitperson mit etwas anderem Blickwinkel. So fuhr ich also im Mai 2008 nach 2003 und 2004 zum dritten Mal in den hohen Norden. Die berechtigte Frage eines Außenstehenden lautet jetzt vielleicht: „Warum eigentlich?“

Die Exkursion auf die winzige Insel Læsø im dänischen Kattegat erlaubt den Schülerinnen und Schülern einen Einblick in nahezu alle mit dem Begriff Küste assoziierten Lebensräume und Ökosysteme – und zwar in einem Ausmaß, wie er in Deutschland kaum für ausgebildete Biologen zur Verfügung steht. Spülsaum, Dünen, Watt, Salzwiesen und Vogelbrutgebiete liegen in mustergültiger Form nur ein paar Fahrradminuten auseinander. Alle Orte, ob nun biologischer oder verpflegungstechnischer Natur, sind mit dem Rad leicht zu erreichen.

Auf diese Weise erlaubt die Insel faszinierende Projektarbeiten, die nach eingehender Vorbereitung im Unterricht absolut selbstverantwortlich von den Schülern durchgeführt werden können. Aber nicht nur für den Erfolg oder Misserfolg ihrer Projekte sind die Teilnehmer selbst verantwortlich. Auch ihre Versorgung und Verpflegung sowie den verantwortungsvollen Umgang mit den ihnen zur Verfügung stehenden Arbeitsmaterialien nehmen die Lernenden selbst in die Hand. Zudem stellt der Zugang zu den in Deutschland kaum zugänglichen, meist unter Naturschutz stehenden Lebensräumen eine einzigartige Möglichkeit der Umwelterziehung dar. Warum dürfen diese Biotope nicht von jedem betreten werden, und wie kann ich sie schützen und mich trotzdem, ohne sie zu zerstören, dort aufhalten? All das wird im Verlauf der einwöchigen Exkursion gelehrt oder durch Erfahrung selbst herausgefunden.

Auf Basis dieser Arbeitsgrundlage muss man die Schülerinnen und Schüler nur in Frieden arbeiten lassen und sie stellen von selbst interessantere Fragen, als man sie sich je im Unterricht erträumen kann. In Gruppen befassen sie sich mit einem speziellen Aspekt der Insel, sammeln Material und präsentieren die Untersuchungsergebnisse am Ende der Woche vor der gesamten Gruppe.

Und was bringt nun einen ehemaligen Schüler und Biologiestudenten im höheren Semester dazu, gleich mehrfach auf diese Insel zu fahren? Sollten die Grundlagen nicht schon nach dem ersten Mal vermittelt worden sein? Neben dem besonderen Charme des kleinen Eilands und dem Spaß an dem eigenständigen Leben und Arbeiten in den Blockhütten war für mich als Begleitperson der weit wichtigere Beweggrund zur erneuten Teilnahme das eigene Interesse, Neues in Læsøs Biotopen zu lernen und zu versuchen, ein bisschen von dem, was ich gelernt habe, an die Schüler weiterzugeben. Ja, aller guten Dinge sind drei, aber ich würde auch jederzeit noch ein weiteres Mal begeistert nach Læsø aufbrechen, denn es gibt hier tatsächlich mehr zu sehen, als man auf den ersten Blick erwarten würde.

Die Projektarbeit

Die Arbeitsgruppen beschäftigten sich in der Exkursionswoche vor allem mit den biologischen Themen „Düne und Salzwiese“, „Watt“, „Strand und Spülsaum“ sowie „Vögel an der Küste“. Aber auch das dänische Schulsystem oder die Gesundheitsversorgung auf der Insel waren Bestandteil der Untersuchungen. Sechs Tage hatten sie Zeit, in den Projekten zu arbeiten. Am siebten Tag fanden die Präsentationen statt. Jede Arbeitsgruppe stellte nacheinander vor, was sie in den vorangegangenen Tagen gemacht und erlebt hatte. Auch Experimente wurden vorgeführt und gesammelte „Schätze“ ausgestellt, wie zum Beispiel viele verschiedene Muschelarten, ein Meerwasseraquarium, Vogelfedern oder Pflanzen.

Aus dem Projektbericht „Düne und Salzwiese“

Während der ersten zwei Projekttage erkundeten wir zusammen mit dem unsere Gruppe betreuenden Lehrer Herrn Kleinert die Insel. Von ihm erfuhren wir zum Beispiel mehr über die verschiedenen Muschelarten und ihre Schließmechanismen oder die verschiedenen Dünenarten und ihre Entstehung. In den folgenden drei Tagen untersuchten wir einem Dünenabriss nahe des Vesterö Havn und seine Umgebung intensiver, stellten Versuche an und bestimmten Pflanzen und Tiere. …

Als erstes untersuchten wir den Dünenabriss am Holmbaek. Dort ist eine Düne im Querschnitt zu sehen, anhand derer man deutlich erkennen kann, dass der Pflanzenwuchs der Düne Stabilität verleiht und verhindert, dass sie verweht wird. Dabei wachsen Pflanzen auf dem Sand, die extrem lange Wurzeln haben. Nun wird dieser Pflanzenwuchs mit Sand überweht und es wachsen wieder Pflanzen darauf. Meist passiert das im Abstand von 3 m. So entsteht eine Düne. Die Pflanzen haben eine durchschnittliche Wurzellänge von 1,14 m. Diese Angabe haben wir anhand von 6 Einzelwerten errechnet, welche wir mit einem Maßband nahmen. …

Interessant war auch die Vegetation direkt an dem Süßwasserbach im Vergleich zur Vegetation der Düne nebenan zu betrachten. An dem Bach haben wir Schilf, Brennnessel, Doldenblütler und Löwenzahn gefunden. In der Düne direkt daneben haben wir Kiefern, Strandhafer, klebriges Greisblatt, Strand- Salzmiere, Krähenbeere, Kriechweide, Schachtelhalm, Strandroggen und die Grasnelke bestimmt. Diese unterschiedliche Vegetation zeigt, dass nur ganz bestimmte Pflanzen mit salz- und sandhaltigem Boden auskommen können. Viele Pflanzen sind aber auf Süßwasser angewiesen.

Unser letztes Projekt fand in der Salzwiese in der Bovet Bugt statt. Dort haben wir ebenfalls die meisten Pflanzen bestimmt. Es wachsen dort Strandsalzmiere, Strandsalzmelde, Krähenbeere, Strandroggen, Kriechweide, Strandwermut, Schilf, Queller, Löwenzahn, Salzaster, Rotschwingel, dänisches Löffelkraut, Fingerkraut und Segge. Die Salzwiese ist im Durchschnitt 72 m breit. In der Salzwiese gibt es einen kleinen Salzwasser-Tümpel. Wir haben Wasserproben vom Meerwasser und aus diesem Tümpel genommen, sowie Bodenproben aus der Salzwiese nahe dem Meer und etwas weiter Richtung Land. Diese Proben wollten wir dann auswerten.

(von Alice Fritz, Markus Hermann, Dominik Wissel, Philipp Stier)

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