Nationalparks
Expedition im Pfälzerwald
Ein Naturerlebnis zwischen Erde und Himmel
Wo sich an der Grenze zum Elsass in Deutschlands größtem zusammenhängenden Waldgebiet Fuchs und Hase gerne gute Nacht sagen, ist auch hoch über der Erde tierisch viel los: Durch die Wipfel schlängelt sich Deutschlands erster Baumwipfelpfad in bis zu 35 Metern Höhe, und darunter geht ein Lehrpfad dem fließenden Wasser auf den Grund. Im Sommer lernen Kinder und Erwachsene im Biosphärenreservat in Fischbach die Natur von einer ganz neuen Seite kennen.
Dschungel made in Germany
Mit dem Wasser-Erlebnispfad gibt es jetzt ein komplettes Wegenetz für Natur-Erlebnisse der unterschiedlichsten Art. Ausgangspunkt für die Entdeckungsreisen zwischen Wasser, Wurzeln und Wipfeln ist immer das Biosphärenhaus. Dort haben wir uns mit einer neuen Ausstellung auf das Naturschauspiel bei Tag und – in einer neuen Dunkeletage – bei Nacht eingestimmt. Und von dort geht es entlang der Sauer zu den Wurzeln des Wassers.
Wir machen zuerst einen Hausbesuch bei Schilfkäfern und Wildbienen, die sich am Wasser eine Wohnung teilen. Sie haben ihre WG in einem Hochhaus für Insekten gegründet. „In diesem Riesenschilfrohr lässt es sich wunderbar leben und sogar den Pfälzer Winter überstehen“, so Diplom-Biologe Ulrich Diehl. 14 Stationen für den 1,5 Kilometer langen Wasserlehrpfad hat das Biosphärenhaus an der Sauer errichtet – alle durchdacht, meist interaktiv und in gut einer Stunde locker zu durchlaufen.
Auf dem Wasserlehrpfad geht es dabei niemals trocken zu – unsere kleinen Forscher kommen mit einfachen Mitteln schnell groß ins Staunen. Physikalische Gesetze werden kindgerecht vermittelt und der pfälzischen Natur und deren Bewohnern kräftig auf den Zahn gefühlt. Gleich an den ersten Stationen wird – feucht-fröhlich – simuliert, wie die Natur den Wasserkreislauf regelt. Und mit Hilfe von Modellen wird deutlich, warum der Fisch nicht zu Boden geht oder wie ein Korken an der Wasseroberfläche schwimmt: Seine luftgefüllte Blase hilft ihm dabei, und sein stromlinienförmiger Körper verhindert, dass er abgetrieben wird.
Spätestens an der vierten Station des Wasserlehrpfads wird uns auch klar: Männchen sind stets blau, und Weibchen tragen mit Vorliebe grün. Wer jetzt noch Mut beweisen will und barfuß oder mit Gummistiefeln und ausgerüstet mit Becherlupe und Kescher in die Sauer steigt, kann bisweilen sogar einen Wasserskorpion entdecken. Der sieht zwar aus wie sein tödlicher Namensvetter, „er benutzt seinen Stachel aber lediglich als Schnorchel“, beruhigt Ulrich Diehl die ängstlicheren Gemüter unter uns.
Erlebnis im Baumwipfel
Aber auch der Wipfelpfad hat eine Menge zu bieten. Im Zickzackkurs führen in 18 Metern Höhe zwei Wege durch die Wipfel: der eine sanft, der andere abenteuerlich. Neben dem sicheren Holzsteg gerät auf drei rundum mit Netzen gesicherten Seilbrücken alles ins Wanken. Halt für die Füße gibt ein dickes Tau. Ganz Mutige schreiten auf der Tellerbrücke von Metallscheibe zu Metallscheibe und testen die eigenen Grenzen aus. Abwärts geht es ganz bequem über eine Rampe oder rasant über eine 40 Meter lange Baumrutsche. Besonders imposant ist der Rundblick vom 35 Meter hohen Turm. Auf einer kleinen Plattform verdeutlicht eine Station der Pädagogischen Hochschule Heidelberg die Zuckerproduktion durch Photosynthese – mit Hilfe von Solarzellen und so, dass es auch die jüngsten Besucher verstehen können.
Früh am Morgen und in den Abendstunden ergreifen die Waldtiere vom Baumwipfelpfad Besitz. Beim Blick auf seltene Käuze und knorrige Eichen. Schnell wird klar: Im Lebensraum Wald regieren eigenwillige Gesetze. Wer das nicht glaubt, wird vom unheimlichen Gefühl für Höhe im schwankenden Adlernest auf dem Hauptturm überzeugt. Oder er holt sich mit einem Fernglas die Wohnwelt der Vögel ganz nah ran.
Expedition in der Dunkelheit
Nach Einbruch der Dunkelheit wird es besonders spannend, denn rund um Deutschlands ersten Baumwipfelpfad sind viele Nachtschwärmer zu Hause. Dunkle Gestalten huschen über die Kronen des Pfälzer Waldes und schüren die Mär von blutsaugenden Vampiren. Spannende Expeditionen führen bei Nacht auf den bis zu 35 Meter hohen Lehrpfad und lüften nicht nur bei Vollmond das Geheimnis der Fledermäuse: „Rund um den Baumwipfelpfad leben fünf von mehr als 950 Fledermausarten weltweit“, erzählt Ulrich Diehl. Mit einem Bat-Detektor spürt er die fliegenden Säugetiere auf und räumt auch gleich mit tierischen Schauergeschichten auf: „Es gibt nur wenige Fledermausarten in Mittel- und Südamerika, die das Blut anderer Tiere trinken“, erklärt der „Bat-Man“ des Biosphärenhauses. Für den Menschen seien aber selbst die ungefährlich – allenfalls als Krankheitsüberträger gefürchtet. Ein beruhigender Gedanke – finden auch wir bei unserem nächtlichen Besuch des Baumwipfelpfades. Auf dem luftigen Lehrpfad besteht somit keine Gefahr für unsere Gruppe. Für absolute Sicherheit sorgen zudem auf dem 270 Meter langen Wipfelpfad ein massives Geländer und ein dickmaschiges Netz.
INFOS
Biosphärenhaus Pfälzerwald/Nordvogesen, 66996 Fischbach,
Telefon 06393/92100, www.wipfelpfad.de
Für Schulklassen gibt es zwei Paketangebote mit Preisen zwischen € 6,00 und
€ 11,00. Näheres zu den Angeboten im Internet.
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