Reisetipps
Mönchsrobben
Die Mönchsrobben-Kolonie auf den Desertas Inseln ist natürlich streng geschützt. Außer den Wächtern der Nationalpark-Behörde darf sich ihr niemand nähern. Aber was tun, wenn die Mönchsrobben aus dem geschützten Gebiet auswandern? Jährlich werden zwei bis drei Jungtiere geboren und die Kolonie von den Desertas Inseln hat nun anscheinend eine Größe erreicht, bei der sie regelmäßig Ableger entlässt. Immer häufiger werden Mönchsrobben an der Südküste von Madeira gesehen und schon mehrere Male hatten Taucher das unglaubliche Glück, einer Mönchsrobbe unter Wasser zu begegnen. Und sie sind überhaupt nicht scheu! Im Gegensatz zu anderen Gebieten scheinen die Mönchsrobben von Madeira sogar die Nähe der Taucher zu suchen. „Meine“ Mönchsrobbe, die mich beim Fotografieren entdeckt hat, umkreist mich so dicht, dass mir etwas bang wird. Sie ist zwar noch nicht ausgewachsen, aber doch fast 2 Meter groß! Die Eckzähne, die ich kurz sehe, sind ziemlich beeindruckend. Ich halte den Fotoapparat zwischen mich und die Robbe und sie drückt ihre Schnauze direkt auf die Frontscheibe! Da Robben keine Hände haben, müssen sie neue Objekte natürlich mit der Schnauze ertasten. Nur, wer weiß, ob es beim Tasten bleiben wird? Das ist ein wildes Tier und am Ende beißt es?
Tatsächlich sind bereits mindestens vier Taucher bei Madeira von einer Mönchsrobbe gezwickt worden. Die Robben wollten offensichtlich mit den Tauchern spielen! In keinem bekannten Fall hat die Robbe wirklich gebissen. In den allermeisten Fällen, in denen Taucher das Glück hatten, bei Madeira Mönchsrobben zu sehen, kam die Robbe direkt auf die Taucher zu geschwommen, umkreiste sie einige Male und schwamm wieder weg. Mehrfach haben die Boote der Tauchbasen von Madeira auch schon Mönchsrobben gesehen, die an der Wasseroberfläche mit einem Fisch spielten und sich von der Nähe des Bootes überhaupt nicht stören ließen. Die Mönchsrobben, die zur Zeit der portugiesischen Entdecker die Küsten von Madeira dicht bevölkerten, sind anscheinend gerade dabei, die Insel zurückzuerobern.
Mönchsrobben gehören zu den Hundsrobben (Phocidae), wie die Seehunde in der Nordsee. In der Kolonie von Mauretanien, die zur Zeit etwa 110 Tiere enthält, führt eine spanisch-englische Forschergruppe Langzeitbeobachtungen durch und stellte fest, dass sich die Mittelmeer-Mönchsrobbe in ihrem Brutpflegeverhalten stark von den anderen Hundsrobben unterscheidet. Junge Mönchsrobben werden fast doppelt so lange gesäugt wie die Jungtiere anderer Hundsrobbenarten (nämlich im Mittel 119 Tage lang) und in etwa einem Viertel der Beobachtungen ließen Weibchen sogar Jungtiere anderer Mütter trinken! Im Gegensatz zu anderen Hundsrobben gehen die Mönchsrobben-Weibchen nach etwa einer Woche Säugezeit häufig zum Fressen ins Wasser und die Jungtiere bleiben derweilen alleine am Strand.
Alexandro Aguiar von der Universität Barcelona und seine Mitarbeiter nehmen an, dass das milde Klima und ein andauernd gutes Nahrungsangebot am Ort der Kolonie eine reichliche Milchproduktion der Mönchsrobben ermöglicht. Das für Hundsrobben-typisch gehaltene Brutpflegeverhalten (eine kurze Säugezeit und die Mutter bleibt ständig beim Jungtier) ist also wahrscheinlich gar nicht typisch für Hundsrobben, sondern liegt nur an den viel schwierigeren Umweltbedingungen, unter denen die anderen, weiter nördlich lebenden Hundsrobbenarten ihre Jungen aufziehen müssen. Außerdem zeigt diese Untersuchung, dass einzelne Mönchsrobben-Säuglinge am Strand nicht (wie bei anderen Hundsrobben) verlassene Jungtiere sind, die in falsch verstandener Fürsorge eingesammelt und von Menschenhand aufgezogen werden sollten!
Reiseinfo
Zu den Desertas Inseln vor Madeira fährt regelmäßig das von Meeresbiologen geführte Boot Ventura do Mar ( www.venturadomar.com). Auf der Fahrt sieht man fast immer Delphine (Stenella frontalis, Delphinus delphis, Tursiops truncatus), mit Glück auch Wale (Balaenoptera brydei, Globicephala macrorhynchus, Physeter macrocephalus) und gelegentlich auch Mönchsrobben. Sicher sieht man bei jeder Ausfahrt eine Reihe von verschiedenen Seevogelarten.
Literatur
A. Aguilar et al. (2007) Lactation and mother-pup-behaviour in the mediterranean monk seal Monachus monachus: an anusual pattern for a phocid. J. mar. biol. ass. UK 87, 93–99.
Osterhaus et al. (1997) Morbilivirus in monk seal mass mortality. Nature 388, 838-839.
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