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Klassenfahrten

Von Camembert und Kathedralen

Die Normandie entzückt durch Kultur und Gaumengenüsse

Martin Huisman

Das Touristenhighlight in der Normandie: das Kloster Mont-Saint-Michel

Die Normandie ist eine der beliebtesten Urlaubsregionen Frankreichs. Der Mont-Saint-Michel, der Wandteppich von Bayeux, Monets Seerosenteich in Giverny und die Kathedrale von Rouen sind nur einige der vielen Highlights im normannischen Land. Doch darüber hinaus bietet dieser französische Landstrich noch viele Geheimtipps, die es zu entdecken lohnt. Wir stellen Ihnen die fünf Departements Calvados, La Manche, Orne, Eure und Seine-Maritime kurz vor und sagen Ihnen, was Sie garantiert nicht verpassen dürfen.

Calvados

An die 10 Millionen Apfelbäume verwandeln die Normandie jedes Frühjahr in ein weißes Blütenmeer. Viele werden zu einem berühmten Digestive verarbeitet: dem Calvados. Bei den Äpfeln, die für die Calvados-Produktion verwendet werden, liegt das Geheimnis des Aromas in der Größe der Frucht: je kleiner der Apfel, desto stärker ist sein Aroma. Bis aus unzähligen kleinen Äpfeln ein bernsteinfarbener Calvados herangereift ist, vergehen einige Jahre. Und so ist eine Flasche Calvados vor allem etwas für Genießer. Die Traditions-Brennerei „Château de Breuil“ liegt im idyllischen Pays d’Auge. Wenn man mehr über die Herstellung erfahren möchte, kann man im Rahmen einer Führung (auf Anfrage auch auf Deutsch: unter www.chateau-breuil.com) in die Geheimnisse des Kellermeisters eingeweiht werden.

Im La Cave du Vieux Bassin werden normannische Spezialitäten ausgeschenkt

Wohnen wie im Mittelalter: Ein Fachwerkhaus im Pays d’Auge

Aber auch historisch hat das Departement etwas zu bieten. Ein wichtiges Geschichtskapitel erzählt der Wandteppich von Bayeux (seit 2007 UNESCO-Siegel: Memory of the World). Dieser historische „Comicstreifen“ stellt die Eroberung Englands durch Wilhelm den Eroberer im Jahre 1066 dar.

Der Wandteppich von Bayeux ist ein historischer Comicstreifen

Eure

Nur eine Autostunde von Paris entfernt, liegt dieses ruhige Fleckchen Erde und mitten darin das kleine Dorf Giverny. Claude Monet lebte hier von 1883 bis zu seinem Tod im Jahr 1926 und gestaltete den Garten seines Hauses nach seinen Vorstellungen. Mit dem Vermögen, das er durch den Verkauf seiner Bilder erlangte, kaufte er sich unter anderem ein Stück Land nahe dem Bach Epte, um seinen Traum eines Wassergartens zu verwirklichen. 1899 entstand hier die erste Serie des Teiches, ab 1904 arbeitete er an den berühmten Seerosenbildern. Monets Wohnhaus sowie der Garten mit dem berühmten Seerosenteich stehen heute Besuchern offen.

Das Wohnhaus von Monet und sein Garten stehen Besuchern offen

Aber es gibt noch mehr zu besichtigen: Die Abtei Notre-Dame in Le Bec Hellouin, die Kathedrale von Evreux, der Ort Lyons-la-Forêt und auch die Ruine des Château Gaillard, die hoch über der Seine thront, verdienen ebenfalls das Prädikat „äußerst sehenswert“.

Das Château Gaillard tront hoch über dem Tal der Seine auf einem Kalkfelsen

La Manche

Jeder Frankreich-Fan kennt die Felseninsel Mont-Saint-Michel mit seinem 965 gegründeten Benediktinerkloster. Und natürlich ist der Pilgerort, seit 1979 Weltkulturerbe der UNESCO, das bedeutendste touristische Highlight in der Normandie.

Wer sich aber abseits von Besucherströmen bewegen will: Versuchen Sie es doch mit einem Abstecher in die Bucht von Les Veys, auf die Insel Tatihou. Die Besucherzahl ist auf täglich 500 beschränkt, um die vielen hier brütenden Vogelkolonien nicht zu stören. Nur einmal im Jahr ist richtig was los auf Tatihou: Dann findet unter dem Titel „Traversées Tatihou“ ein außergewöhnliches Musikfest statt. Außergewöhnlich vor allem, weil die Besucher zu Fuß durchs Watt auf die Insel wandern. Ein weitere Tipp: Im Elternhaus von Christian Dior in Granville, das inzwischen als Museum eingerichtet ist, können Sie die Kreationen des Modeschöpfers bewundern.

Für Haute-Couture-Fans: Das Dior-Museum in Granville

Orne

Normannische Hecken- und Weidelandschaft, Apfelbäume, Herrenhäuser und edle Pferde prägen diesen Teil der Normandie. In Orne befindet sich eines der bekanntesten Nationalgestüte Frankreichs – das Haras du Pin. Außerdem wurde hier – der Legende nach – von der Bäuerin Marie Fontaine Harel aus dem Dorf Camembert der gleichnamige französische Weißschimmelkäse „erfunden“. Doch die Bäuerin hatte einen „göttlichen“ Helfer: Abbé Charles-Jean Bonvoust, ein Priester aus Brie. Während der Französischen Revolution fand er bei ihr Unterschlupf und weihte sie aus Dankbarkeit in die Geheimnisse der Käseherstellung ein.

Ursprungsort des berühmten Käses: das Dorf Camembert

Besonders für Familien mit Kindern gibt es eine weitere Gaumenfreude: Ein Besuch im Château de Carrouges, denn hier gibt es für die jungen Besucher kostenlos heiße Schokolade und eine Leckerei aus der Bäckerei des Schlosses, um den Besuch dieser historischen Stätte für sie etwas zu versüßen. Die süße Gratis-Bestechung gibt es aber nur jeweils an einem Sonntag pro Monat (Infos dazu im Schloss unter +33 (0)233 311 642).

Seine-Maritime

Direkt gegenüber der englischen Küste säumen beeindruckend schroffe Kreidefelsen die Alabasterküste der Normandie. Doch das Departement hat auch seine lieblichen Seiten, wie das Flusstal der Seine, die hier mäandernd in Richtung ihrer Mündung in Le Havre zieht. Le Havre selbst, Frankreichs zweitgrößte Hafenstadt nach Marseille, wurde im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört. Der wieder aufgebaute Stadtkern (nach Plänen des Architekten Auguste Perret) mit seiner charakteristischen modernen Betonarchitektur wurde als einziges Stadtensemble des 20. Jahrhunderts in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.

Das französische Seebad Étretat ist umgeben von spektakulären Felsformationen

Das Kulturzentrum „Maison de la Culture du Havre“ wird wegen seiner Form auch „le volcan“ genannt

Für Liebhaber des Morbiden lohnt sich auf jeden Fall ein Besuch der Abtei von Jumièges, für Victor Hugo die schönste Ruine Frankreichs. Aber auch Rouen ist eine Reise wert. Die Kathedrale von Rouen, eine der bekanntesten gotischen Kirchen in Frankreich, war von 1877 bis zur Fertigstellung des Kölner Doms das höchste Gebäude der Welt.

Die Abtei Jumièges war bis zu den Religionskriegen eines der größten Klöster Frankreichs

Von Monet in einer 33 Bilder umfassenden Serie beeindruckend gemalt: die Kathedrale von Rouen

WEITERE INFORMATIONEN:

Comité Régional de Tourisme de Normandie

info@normandie-tourisme.fr

www.normandie-tourisme.fr/de

Atout France - Französische Zentrale für Tourismus

info.de@franceguide.com

www.franceguide.com