Wandern + pilgern
Zu Hopfensäcken und Hahnenkleeklippen
Wanderungen im Harz
Der Kaiserweg
Der Kaiserweg ist einer der wichtigsten Weitwanderwege in Deutschland und Bestandteil des Weges Deutscher Kaiser und Könige ( www.wanderbares-deutschland.de). Er verbindet den Burgberg von Bad Harzburgs in Niedersachsen mit der Königspfalz Tilleda in Sachsen-Anhalt.
Die erste Etappe des Kaiserwegs beginnt auf dem Burgberg oberhalb von Bad Harzburg, den wir mit der seit 1929 bestehenden Seilbahn erreichen. Auf dem großen Burgberg gibt es viel zu entdecken, denn die Harzburg war die wichtigste der Höhenburgen, die Heinrich IV. vor fast tausend Jahren errichten ließ.
Von hier wandern wir nun in südöstlicher Richtung auf dem ausgeschilderten Kaiserweg weiter. Wir folgen dem Wanderweg am Südwesthang des Kaltetalkopfs entlang. Vorbei am Grillplatz Molkenhaus geht es auf geschotterten Forststraßen weiter und bald haben wir auch einen schönen Waldspielplatz erreicht (Busanschluss nach Bad Harzburg). Gerade noch als Forststraße gleicht der Kaiserweg bald wieder einem Pfad, der durch einen Fichtenhochwald führt. Vorbei am Sellenberg, dem Abbenstein und an den Luisenklippen vereinen sich für ein kurzes Stück Kaiserweg und der vom Torfhaus zum Brocken führende Goetheweg. Wieder getrennt von den vielen Brockenwanderern erreichen wir zwei Granitklippen, die „Hopfensäcke“. Mit dem moorbraunen Wasser wandern wir hinab zum Gasthaus Oderbrück, wo wir uns mit deftigen Harzer Spezialitäten stärken (Busanschluss nach Bad Harzburg).
Für die Wanderung bis Königskrug sind wasserfeste Wanderschuhe ein „muss“. Teilweise haben wir das Gefühl, es ginge geradewegs durch das Bett einer der zahllosen Bäche im Quellgebiet der Oder. Doch schon bald haben wir aber festen Boden unter den Füßen: mittelalterliche Wegepflasterung. Unschwer wird uns bewusst, dass selbst hier die Fahrt mit den zweirädrigen Harzkarren eine Tortur gewesen sein muss. Nun ist es nicht mehr weit bis zur Gaststätte Königskrug, wo wir uns mit den berühmten Windbeuteln den Bauch vollschlagen. Von hier nehmen wir den Bus zurück nach Bad Harzburg.
Der Milliardenweg
Der Wanderweg vom Königskrug bei Braunlage zur Achtermannshöhe trägt den ungewöhnlichen Namen „Milliardenweg“. Wer diesen zwei Kilometer langen, gut ausgeschilderten Weg entlang wandert, wird schnell merken, dass der Name des Weges nicht von den Milliarden von Wanderern vor ihm stammen kann. Die Achtermannshöhe ist zwar ein sehr schönes und lohnenswertes Wanderziel, aber dennoch relativ wenig besucht. Tatsächlich weist der Name des Milliardenweges auf seine Entstehungskosten hin. Bei seinem Bau im Jahre 1923 erlebte Deutschland einen bis dahin einmaligen Wertverfall seines Geldes, deshalb kostete er auch Milliarden Reichsmark.
Die Achtermannshöhe, im Volksmund auch gerne „Der Achtermann“ genannt, erreichen wir nach gut zwei Kilometern. Mit ihrer Höhe von 926 Metern über dem Meeresspiegel gehört sie zu den höchsten Bergen im Harz und ist die dritthöchste Erhebung in Niedersachsen. Die letzten Meter erfordern noch ein wenig Anstrengung, belohnt uns aber mit einer grandiosen Aussicht. Seine mit lockerem Fels überdeckte Gipfelkuppe überragt die umliegenden Bäume und bietet uns somit eine ausgezeichnete Rundumsicht auf den Hochharz mit dem Brockenmassiv. Durch seine markanten Gipfelfelsen ist die Achtermannshöhe auch von vielen anderen Harzgipfeln gut auszumachen.
Die Hahnenkleeklippen
Die Hahnenkleeklippen befinden sich zwischen Braunlage und St. Andreasberg und stehen in keinem Zusammenhang mit dem bekannten Harzer Kurort Hahnenklee. Bei den Klippen handelt es sich um eine sehr steile, etwa 700 Meter breite Felswand oberhalb des Odertals. Die Felsen ragen beinahe senkrecht etwa 200 Meter in die Höhe, an einigen Stellen sind sie sogar leicht überhängend. Der heutige Name „Hahnenkleeklippen“ ist abgeleitet von der ursprünglichen Bezeichnung „Hohe Klippen“.
Von den Hahnenkleeklippen bietet sich dem Auge des Wanderers ein beeindruckender Blick auf das gegenüberliegende Rehberg-Massiv mit dem Rehberger Graben und das sich in der Tiefe entlangschlängelnde schmale Band der Oder. Am Aussichtspunkt gibt es einen kleinen Rastplatz, von welchem aus Sie das herrliche Panorama in aller Ruhe genießen können. Der kürzeste Wanderweg zu den Hahnenkleeklippen beginnt am Königskrug. Er ist ca. 1,5 Kilometer lang und auch für ungeübte Wanderer leicht zu begehen. Weitere Wandertipps: http://www.harzlife.de
Der Goetheweg
Der Goetheweg zum Brocken ist ein Klassiker unter den Wanderwegen auf den höchsten Harzgipfel: Im Nationalpark Harz folgt er der Route, die der 28-jährige Goethe am 10. Dezember 1777 bei der ersten bekannten Winterbesteigung des Brockens zusammen mit dem Torfhausförster Degen bei Schneelage beging. Üblicherweise wird der Goetheweg im Auf- und Abstieg begangen: hin und zurück eine Strecke von 16 km (350 Hm). Seit 2003 ist der Goetheweg ein Teilstück des Harzer Hexenstiegs. Aber Achtung: 250.000 Menschen laufen pro Jahr auf den Brocken, die meisten von ihnen auf dem Goetheweg. Einsamkeit, wie Goethe sie erlebt hatte, sieht heutzutage anders aus.
Im November 1777 aber ritt Goethe allein in den Harz, Anfang Dezember ging er von Wernigerode aus „spazieren auf die Berge“: Acht Tage lang blickte er zum tief verschneiten Brocken, immer wieder wurde ihm versichert, eine Besteigung sei unmöglich.
Am Morgen des 10. Dezember begab er sich zum Torfhaus, doch mit dem Hinweis auf Nebel und Schnee lehnte Förster Degen eine Besteigung ab. „Ich war still und bat die Götter das Herz dieses Menschen zu wenden und das Wetter, und war still. So sagt er zu mir: nun können Sie den Brocken sehn, ich trat ans Fenster, und er lag vor mir klar wie mein Gesicht im Spiegel, da ging mir das Herz auf und ich rief: Und ich sollte nicht hinaufkommen!“ Tatsächlich stieg der Förster nun mit Goethe auf: „Ich habs nicht geglaubt bis auf der obersten Klippe. Alle Nebel lagen unten, und oben war herrliche Klarheit.“ Am Abend schrieb er an Charlotte von Stein, sein sehnlichster Wunsch sei in Erfüllung gegangen - die Winterbesteigung des Brockens: „Ich sagte: ich hab einen Wunsch auf den Vollmond! - Nun Liebste tret ich vor die Türe hinaus da liegt der Brocken im hohen herrlichen Mondschein über den Fichten vor mir und ich war oben heut und habe auf dem Teufels Altar meinem Gott den liebsten Dank geopfert.“
Wandern + Pilgern
Auf alten Pfaden neue Wege gehen
Das Matterhorn hatte Angelika Horsch schon in Oberstdorf fest im Blick. Denn auch wenn man das 4478 Meter hohe Wahrzeichen der Schweiz vom Allgäu aus nicht wirklich sehen kann, besteht zwischen den Regionen eine jahrhundertealte enge Verbindung … mehr
Journal der Leipziger Buchmesse