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Nationalparks

100 Jahre Nationalparks in Europa

Nationalparks sind Landschaften, in denen Natur Natur bleiben darf und nach ihren eigenen Gesetzen funktioniert

Bereits 1872 wurde als weltweit erster Nationalpark der Yellowstone National Park in den USA gegründet. Auf einer Fläche ungefähr so groß wie Korsika wird eine beeindruckende Landschaft mit Wäldern, Geysiren und heißen Quellen geschützt. Hier in den Rocky Mountains sind Bisons, Grizzlybären und Wölfe heimisch.

Die ersten europäischen Nationalparks entstanden am 24. Mai 1909 – und somit vor 100 Jahren – in Schweden. In Deutschland dauerte es 60 Jahre länger, bis 1970 der Nationalpark Bayrischer Wald als erster von heute vierzehn Nationalparksn gegründet wurde.

Wir stellen in bildung+reisen regelmäßig einige der deutschen Nationalparks vor. In Heft 2/2008 waren es die Nationalparks Jasmund, Bayerischer Wald und das Elbsandsteingebirge in der Sächsischen Schweiz. Dieses Mal stehen zwei recht unbekannte Nationalparks im Mittelpunkt.

Nationalpark Kellerwald-Edersee

Davon haben Sie bestimmt noch nicht gehört. Wir wollen Ihnen helfen, ihn zu finden, denn in dem Nationalpark wohnt kein Mensch. 40  km südwestlich von Kassel liegt der Kellerwald und knapp 60 km2 davon bilden seit 2004 den Nationalpark Kellerwald-Edersee.

Uralte knorrige Buchen sind das Markenzeichen des Kellerwaldes, einem der letzten großen und naturnahen Rotbuchenwald-Bestände Mitteleuropas. Die Urwaldreste der Buchenwälder im Nationalpark Kellerwald-Edersee zählen damit zu den bemerkenswerten Naturphänomenen der Welt. Hinzu kommen eine Vielzahl besonderer Wälder wie Eichen-Trockenwald, Eichen-Hainbuchenwald sowie Blockschutt- und Hangwälder mit Winter- und Sommerlinde und anderen Edellaubhölzern. Insgesamt gibt es im Nationalpark über 540 Farn- und Blütenpflanzen sowie hunderte von Pilz- und Flechtenarten. Da gibt es also für Biologen eine ganze Menge zu entdecken.

Aber auch die Tierwelt ist beeindruckend. Neben heimischen Großsäugetieren wie Rothirsch, Reh und Schwarzwild leben hier die ausgesetzten Wildarten Mufflon und Damwild. Insgesamt beherbergt der Nationalpark 44 Säugerarten, darunter Fuchs, Dachs, Baum- und Steinmarder, Iltis, Hermelin und Mauswiesel. Auch Feldhase, Igel, Siebenschläfer und Haselmaus kommen vor und im Jahr 2007 wurde die seit 60 Jahren als ausgestorben geltende Wildkatze nachgewiesen. Außerdem leben hier im Nationalpark 15 der 24 in Deutschland vorkommenden Fledermausarten und 75 Brutvogelarten.

Insgesamt 14 Rundwanderwege führen durch den Nationalpark Kellerwald-Edersee. Die reizvollen Wanderwege führen vorbei an verwunschenen Buchen und klaren Quellen. Sie ziehen sich durch stille Wiesentäler und entlang steiler Hänge, zu herrlichen Aussichtspunkten und hinab zum Edersee. Auf allen Wegen können Sie die faszinierende Wildnis des Nationalparks endecken. Der Nationalpark liegt außerdem auf der Strecke der beiden Fernwanderwege Kellerwaldsteig (ein 156 km langer Rundwanderweg, der die Berge und Orte vom National- und Naturpark Kellerwald-Edersee verbindet) und Urwaldsteig (auf 68 km Länge geht es rund um den Edersee durch die Trockeneichenwälder am nördlichen Ufer und den südlich des Sees gelegenen Nationalpark Kellerwald-Edersee). Für Schulklassen wird unter anderem eine Wildnisschule angeboten.

Auch einen Besuch wert sind der am Südufer des Edersees gelegene Wildpark Edersee mit der Greifvogelstation „Greifenwarte Wildpark Edersee“ und dem Buchenwald-Informationszentrum „Fagutop“.

Informationen

Wissenswertes auch zu Programmen für Schulklassen: www.nationalpark-kellerwald-edersee.de.

Nationalpark Hainich

Auch den Hainich kennt kaum jemand, dabei ist er doch immerhin so groß wie 22.000 Fußballfelder und mit seiner Gesamtfläche von ca. 16.000 Hektar das größte zusammenhängende Laubwaldgebiet Deutschlands. Seit Sylvester 1997 gehören knapp die Hälfte davon zum 13. Nationalpark Deutschlands dem Nationalpark Hainich. Entsprechend dem Motto der deutschen Nationalparks, „Natur Natur sein lassen“, sind aktuell bereits 90 % der Gesamtfläche des Nationalparks ungenutzt. Lediglich Nadelwaldbestände und Weideflächen unterliegen noch einer Nutzung. Das bedeutet, dass der Hainich mit ca. 5.000 Hektar zur Zeit die größte nutzungsfreie Laubwaldfläche in Deutschland aufweist.

Buchenwälder wie im Hainich gibt es nur in Europa, schwerpunktmäßig in Mitteleuropa und das bieten auch einige andere deutsche Nationalparks. Der Hainich ist weltweit einzigartig, weil er als einziger Nationalpark Kalk-Buchenwälder auf Muschelkalk in mittlerer Höhenlage schützt.

In den letzten 50 Jahren konnten sich im Südteil des Hainichs Waldbestände entwickeln, die den in Mitteleuropa längst verschwundenen natürlichen Wäldern vermutlich sehr nahe kommen. Das hat natürlich seinen Grund: Auf ehemals militärisch genutzten Freiflächen spielt sich jetzt ein beeindruckender Wiederbewaldungs-Prozess ab. Der Nationalpark Hainich besteht in den Randbereichen aus beweideten Magerrasen, die durchsetzt sind mit zahlreichen Kleingewässern sowie größeren und kleineren Gebüschen und Gehölzgruppen. Angrenzend gibt es großflächige Verbuschungen, die übergehen in die flächenmäßig dominierenden arten- und strukturreichen Laubholzbestände mit hohem Alt- und Totholzanteil. Besonders farbenprächtig präsentieren sich die Wälder im Frühjahr, wenn der Boden von den Frühblühern bedeckt ist, und vor allem im Herbst beim Thüringer Indian Summer.

Beeindruckend ist das vielfältige Artenspektrum der Tier- und Pflanzenwelt im Nationalpark Hainich. Besonders hervorzuheben sind die Wildkatze, die Waldfledermäuse, verschiedene Spechtarten, holzbewohnende Käfer, Pilze und seltene Frühlingsblüher.

Ein echtes Highlight ist der Baumkronenpfad. Er führt den Hainich-Besucher in einen sonst unzugänglichen Bereich des Nationalparks, hoch über der Erde. Aber auch sonst ist für Schulklassen eine ganze Menge im Angebot: Ob bei geführten Erlebniswanderungen durch den Nationalpark, pädagogisch begleiteten Märchenwanderungen oder Wildkatzenwochen – die jungen Besucher stehen im Mittelpunkt der Umweltbildung.

Infos

Weitere Informationen unter: www.nationalpark-hainich.de

Nationalparks

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