Spezial: Bundesumweltwettbewerb
Die Sieger der Wettbewerbsrunde 2009/2010
Mark Müller-Geers
Ausgezeichnete Nachwuchsforscher: die BUW-Gewinner 2009/2010 bei der Preisverleihung auf Gut Herbigshagen
© BUW
Die Gewinnerinnen und Gewinner des diesjährigen BundesUmweltWettbewerbs (BUW) wurden am 17. 09. 2010 in der Heinz Sielmann Stiftung auf Gut Herbigshagen bei Duderstadt für ihre Leistungen geehrt. An der 20. Runde des BUW hatten über 350 engagierte junge Umweltschützer im Alter zwischen 13 und 21 Jahren mit insgesamt 117 Projektarbeiten teilgenommen. Als Vorbilder für herausragendes Engagement in Umweltschutz, Umweltbildung und Umweltforschung überreichten die mit 500 bis 1.500 Euro dotierten Haupt- und Sonderpreise:
- Prof. Dr. Angelika Zahrnt (Preisträgerin des Deutschen Umweltpreises 2009 und Ehrenvorsitzende des BUND),
- RD Matthias Nagel (stellvertretender Leiter der Arbeitsgruppe Wissenschaftsjahr 2010 „Die Zukunft der Energie“ beim BMBF),
- Prof. Dr. Gerrit Schürmann (Vorsitzender der BUW II-Jury und Professor am Umweltforschungszentrum Halle/Leipzig) und
- Dr. Susanne Eich (Umweltbildungsarbeit der Heinz Sielmann Stiftung).
Im Rahmen der Preisverleihung wurde das „Grüne Band“ mit einer Exkursion erkundet
© Swen Pförtner/BUW
Mit der Ausrichtung der Jubiläums-Preisverleihung im Natur-Erlebniszentrum der Heinz Sielmann Stiftung wurde auch die langjährige Partnerschaft des BUW mit der Heinz Sielmann Stiftung betont. Gefördert wird der BUW vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Planung und Ausrichtung des Wettbewerbs obliegt dem Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und der Mathematik an der Universität Kiel (IPN).
Im Folgenden stellt der BUW die Träger der Haupt- und Jahressonderpreise 2009/2010 mit ihren Wettbewerbsbeiträgen vor:
Hauptpreis BUW I
Faszination Moor:
Gefährdeter Lebensraum noch zu retten?
Nicola Tina Martens (Jg. 1996),
Amelie Sophie Smolinski (Jg. 1997),
Helene Wernitzsch (Jg. 1994),
Katharina Höher (Jg. 1997)
Gymnasium Rostock-Reutershagen
Unsere Moore sind schon seit langer Zeit stark gefährdet – vor allem aufgrund von Entwässerung und Torfabbau. Dabei sind Moore sowohl als Lebensraum für viele spezialisierte Tier- und Pflanzenarten sowie als Speichersystem für Kohlenstoff äußerst wichtig.
Mecklenburg-Vorpommern ist mit 300.000 Hektar das moorreichste Bundesland. Seit 2000 besteht hier ein Schutzkonzept zu Erhalt und Renaturierung von Moorlandschaften. Das Rostocker Schülerinnen-Team wollte wissen, ob das Schutzkonzept auch im Göldenitzer Moor Wirkung zeigt und sich die typische Moorflora und -fauna wieder auf den Renaturierungsflächen etablieren können. So erfassten die Schülerinnen monatlich die Artenanzahlen, den Wasserstand, die Wasser- und Bodenqualität und hielten die Entwicklung auf Fotos fest.
Die archivierten Daten wurden auch zu öffentlichen Ausstellungen und Vorträgen über das System Moor aufbereitet. Die Schülerinnen legten außerdem einen virtuellen Lehrpfad an und gaben ein Buch mit dem Titel „Faszination Moor“ heraus. An vielen Pflegemaßnahmen beteiligten sich die vier Preisträgerinnen selbst.
Ihre Untersuchung verzeichnet erste Erfolge der Renaturierungsversuche: Viele für Moorlandschaften typische Arten konnten die Schülerinnen im Göldenitzer Moor nachweisen.
Hauptpreis BUW I
Verpackungsfolie aus dem Meer:
Entwicklung eines biologisch abbaubaren Kunststoffs aus Krabbenschalen
Johannes Wüllenweber (Jg. 1995)
Gymnasium Oberalster, Hamburg
Die Menschheit produziert große Mengen an Abfall, häufig mit weitreichenden Folgen für die Umwelt. Mitunter treiben riesige Strudel aus Verpackungsmüll durch die Ozeane. Abfälle aus Kunststoff sind besonders problematisch. Indes wird die chemische Basis für die meisten Kunststoffe, das Erdöl, immer knapper. Es gilt also, Müll zu vermeiden und zugleich verstärkt kompostierbare Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen herzustellen – die Grundlage für Johannes Wüllenwebers Projekt. Der Schüler entschied sich, ein bereits bestehendes Herstellungsverfahren weiterzuentwickeln, das auf Chitin basiert, dem Hauptbestandteil der Außenskelette z.B. von Insekten und Krebstieren. Bei der Krabbenzucht fallen große Mengen chitinhaltiger Schalen an, aus denen sich durch Deacetylierung das leichtere Chitosan herstellen lässt.
In seiner Arbeit setzte sich Johannes Wüllenweber drei Hauptziele: die Herstellung und Materialeigenschaften des Chitosans optimieren – seine Umweltverträglichkeit prüfen – potenzielle Anwendungen ausloten. Für Letzteres hatte sich Folie als bestes Format erwiesen. Durch chemische Behandlung des Chitosans konnte der Hamburger Gymnasiast sogar ihre Konsistenz und Elastizität verändern. Seine Experimente ergaben den vollständigen, das Wasser kaum belastenden Abbau der Folie nach nur 14 Tagen. Damit konnte Johannes Wüllenweber erfolgreich zeigen, wie erstrebenswert und zielführend es sein kann, Alternativen zu herkömmlichen Kunststoffen zu erforschen.
Hauptpreis BUW I
BeeNature:
Ein Projekt zur Renaturalisierung von Honigbienen
Philipp Libitkowski (Jg. 1994),
Tobias Frahm (Jg. 1993),
Valentin Hopf (Jg. 1994)
Otto-Hahn-Schule, Hamburg
Honigbienen sind für unser Ökosystem enorm wichtig. Sie bestäuben zahlreiche Pflanzenarten und liefern Honig und Wachs. Seit der Ausbreitung der Varroamilbe ist ihr Bestand jedoch massiv gefährdet. Die Preisträger betrachteten mit ihrer Projektarbeit umfassend das Ursachengeflecht des Bienensterbens und hinterfragten auch die Haltungsbedingungen der Imkereien.
Sie kamen zu dem Schluss, dass die moderne Bienenhaltung in vielen Fällen zu naturfern abläuft. Während sich die aktuelle Bienenforschung darauf konzentriert, die Milben zu bekämpfen, vermuteten die drei Hamburger Schüler, dass die Haltung in Styroporstöcken den Bienen ebenfalls schwer schadet. Styropor kann keine Feuchtigkeit absorbieren. Die von den Bienen im Sommer angelegten Vorratswaben beginnen im Winter zu schimmeln, was die Gesundheit der Bienen belastet. Zudem wird den Bienen ihr Honig meist vollständig entzogen. Als Nahrungsersatz erhalten sie Zuckerwasser, dem jedoch die natürlichen Vitalstoffe des Honigs fehlen. Zur Untersuchung ihrer Thesen haben die Preisträger nachgebaute, traditionelle Holzstöcke und moderne Styroporstöcke mit Messtechnik ausgestattet. Sie erhoben in mehrmonatigen Messreihen Daten zu Feuchtigkeit, Temperatur, Schimmelbefall und Überlebensrate der Bienen. Zudem überließen sie den Bienen die Hälfte des Honigs als Nahrung.
Mit Erfolg: Alle 25 Bienenvölker in den Holzstöcken überlebten trotz eines langen, harten Winters. Das Klima darin war deutlich gesünder, die Schimmelpilzbildung geringer. Die Nachwuchsforscher vermuten, dass die Bienen unter naturnahen Lebensbedingungen mehr Abwehrkräfte gegen Schädlinge entwickeln können.
Von ihrem Erfolg bestätigt, haben die drei Bienenfreunde Handlungsempfehlungen für Imker formuliert sowie Kombinationen moderner und natürlicher Haltung konzipiert. In ihrem Wettbewerbsbeitrag sehen sie aber nur den Anfang ihres Projekts: Sie wollen weiterhin ehrgeizig daran arbeiten, die Bienen zu „renaturalisieren“.
Hauptpreis BUW II
Entwicklung eines Verfahrens zur Früherkennung von Pflanzenschädigungen durch Quantifizierung von Photosyntheserate und Pflanzenstress mittels Chlorophyllfluoreszenzanalyse
Lisa Schowe (Jg. 1991)
Johann-Conrad-Schlaun-Gymnasium, Münster
Schädlingsbefall, Wasser- oder Nährstoffmangel führen zu Ertragsverlusten bei Nutzpflanzen. Pestizide oder Dünger können oft erst dann eingesetzt werden, wenn die Schädigungen deutlich sichtbar sind. Es wäre also hilfreich, den Stress der Pflanzen frühestmöglich zu erkennen, um rechtzeitig und mit moderaten Gegenmaßnahmen reagieren zu können.
Dies forderte Lisa Schowe heraus, die Messung der Chlorophyllfluoreszenz bei Nutzpflanzen methodisch und technisch zu verbessern. Gemessen wird hierbei die Emission jener Energie, die die Pflanze zuvor absorbiert, photosynthetisch aber nicht genutzt hat. Je mehr Energie die Pflanze abgibt, desto größer ihr Stress.
Die bisher gebräuchlichen Messverfahren erfordern eine zeitaufwendige Dunkeladaption der Pflanzen. Die Münsteraner Abiturientin entwickelte den Prototypen eines tragbaren, direkt auf dem Feld einsetzbaren Spektrometers, das dies unnötig macht. Auch die dazugehörige Software programmierte sie selbst, konzipierte und erprobte die zentralen mathematisch-technischen Komponenten des Mess- und Auswertungsverfahrens, das sie mittlerweile zum Patent angemeldet hat. Sehr gut möglich, dass dank Lisa Schowes Arbeit die Landwirtschaft künftig nachhaltiger und schonender arbeiten kann.
Jahressonderpreis BUW I
Das ECO AREA Projekt
Miriam Löcke (Jg.1997),
David Löcke (Jg.1995),
Marius Brettner (Jg.1995),
Verena Hunstig (Jg. 1998),
Lars Wortmeier (Jg.1997),
Simon Hagen (Jg.1994)
Team „Epunkt e.“ (Erneuerbare Energien),
Paderborn
Zwar laufen immer mehr Autos mit alternativen Antriebssystemen und geringen CO2–Emissionen vom Band, die Akzeptanz bei den Autokäufern ist jedoch noch sehr gering. Das alters- und schulübergreifende Schüler-Team „Epunkt e.“ hat sich daher Gedanken gemacht, welche Anreize Kfz-Nutzer in ihrer Stadt zusätzlich motivieren könnten, auf umweltfreundlichere Autos umzusteigen. Angesichts der Parkplatzknappheit in Paderborns City kam ihnen die Idee für ihr „ECO AREA“-Parkleitsystem. Das Prinzip: Für die Fahrer von Öko-Autos werden spezielle, nach einem ausgeklügelten System zugängliche Parkzonen reserviert. Zunächst sendet der Parkplatzsuchende seine Anfrage an einen Zentralrechner. Dieser nennt dem Fahrer umgehend den Ort des nächsten reservierten Platzes. Ein Scanner an der Parkplatzeinfahrt erkennt die Berechtigung des Halters am Nummernschild und gestattet den Zugang.
Ob ECO AREA auf positive Resonanz stoßen würde, prüfte das Team „Epunkt e.“ mit einem Fragebogen. Um die Befragung möglichst repräsentativ zu gestalten, haben die Schülerinnen und Schüler eigenständig Persönlichkeitstypen definiert und ihre Fragebögen entsprechend gestreut.
Das Team stellte ECO AREA im Modell mit LEGO-Technik nach und präsentierte es zusammen mit den Befragungsergebnissen multimedial einem Plenum aus Fachleuten, Lokalpolitikern und Öffentlichkeit. Die Reaktionen waren überwiegend positiv. Die Stadt Paderborn erwägt, das Konzept zu realisieren. Und die Chancen stehen gut, dass es auch anderswo Anwendung finden wird.
Jahressonderpreis BUW II
Kolibri-Fashion: Wir gründen ein Ökomodelabel
Claudia Schnupp (Jg. 1990),
Carolin Hofer (Jg.1991)
Christian-Ernst-Gymnasium, Erlangen
Das Angebot der großen Modehäuser ist reichhaltig und oft sehr günstig. Doch auch billige Massenproduktionen haben ihren Preis. Viele Firmen lassen ihre Kleidung in Billiglohnländern produzieren. Dies geht oft einher mit menschenunwürdigen, die Umwelt belastenden Produktionsbedingungen. Und auch manche Altkleidersammlung reist um den halben Globus, um mit negativen Folgen für die lokale Bekleidungsindustrie billig wiederverkauft zu werden. Diese Problemfelder bearbeiteten Claudia Schnupp und Carolin Hofer in ihrem Projekt. Die Schülerinnen beschlossen, das alternative Modelabel „Kolibri-Fashion“ zu gründen. Es basiert auf alten T-Shirts, die sie bei Freunden, Verwandten und auf Flohmärkten sammeln. Dann entwerfen sie eigene Motive und bedrucken die Shirts damit per Hand im Siebdruckverfahren. Die so recycelten Shirts werden verkauft, die Erlöse gespendet.
Den Schülerinnen ging es jedoch nicht nur darum, individuelle, fair produzierte Kleidung zu verkaufen. Sie möchten die Ex-und-hopp-Mentalität unserer Gesellschaft nachhaltig verändern, indem sie möglichst vielen Verbrauchern zeigen, wie einfach es ist, schöne Kleidung selbst herzustellen. Daher verbinden Claudia Schnupp und Carolin Hofer auch den Verkauf ihrer T-Shirts mit umfassenden Informationen für die Kunden. Das zeigte sich besonders bei ihrer ersten selbst organisierten Modenschau „FAIRKLEIDEN“ und auf einem Informationstag im Gemeindehaus Erlangen. Beide Veranstaltungen gestalteten die beiden Modekünstlerinnen ebenso kreativ wie ihre Shirts. Gemeinsam mit vielen Helfern aus dem Freundes- und Familienkreis informierten sie über die Nachteile des üblichen Konsumverhaltens.
Mit dem Erlös der Kolibri-Fashion-Produkte wollen die Preisträgerinnen die Situation der Näherinnen in Nicaragua verbessern helfen sowie WWF-Projekte zum Erhalt der Regenwälder fördern.
Die Ehrenvorsitzende des Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland, Angelika Zahrnt, hielt den Festvortrag zur Preisverleihung und überreichte den Gewinnern des Jahressonderpreises „Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt“ ihre Urkunden persönlich
Spezial: Bundesumweltwettbewerb
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