Wissenschaftsjahr
Die Erde für kommende Generationen bewahren
„Zukunftsprojekt Erde“ stellt drei zentrale Fragen
Redaktion Wissenschaftsjahr
Zwanzig Jahre nach dem ersten Umweltgipfel im Rio de Janeiro liegt das Augenmerk des nunmehr 13. Wissenschaftsjahres auf den Forschungsgebieten, die sich mit den komplexen Veränderungen unseres globalen Ökosystems und seinen Folgen beschäftigen. Im Juni 2012 kommt die Weltgemeinschaft in Rio erneut zusammen, um Antworten auf die vielfältigen Herausforderungen zu entwickeln. Unter der Überschrift „Nachhaltige Entwicklungen“ wird die Staatengemeinschaft über die drängendsten Probleme im Bereich Umwelt, Ressourcen und Klima diskutieren. Im Wissenschaftsjahr 2012 – Zukunftsprojekt Erde sind alle eingeladen, sich an der Diskussion zu beteiligen.
Das Wissenschaftsjahr wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit der Initiative Wissenschaft im Dialog (WiD) sowie zahlreichen Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Kultur ausgerichtet. Mehrere Hundert Mitwirkende werden sich mit eigenen Informations- und Mitmachangeboten am Wissenschaftsjahr Zukunftsprojekt Erde beteiligen – mit Ausstellungen, Wettbewerben, Vortragsreihen oder Diskussionsveranstaltungen.
Interessierte können dort Forschung für nachhaltige Entwicklungen hautnah erleben. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellen ihre Arbeit vor und laden ein zum Dialog: um zu verstehen, weshalb exzellente Forschung für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft wesentlich ist, um auszuloten, welche Erwartungen an ihre Arbeit gestellt werden. Denn es geht um die Lebensperspektiven unserer und auch künftiger Generationen.
Vernetzung der Disziplinen
Gemäß der Tradition der Wissenschaftsjahre, Zukunftsthemen unserer Gesellschaft über Fachgrenzen hinweg zu diskutieren, werden im Wissenschaftsjahr 2012 – Zukunftsprojekt Erde Fragen aufgegriffen, auf die es mehr als eine richtige Antwort gibt: Wie wollen oder wie müssen wir leben? Wie wollen oder wie müssen wir wirtschaften? Und: Wie können wir unsere Umwelt bewahren? Indem wir „Anders Leben“, „Anders Wirtschaften“ und in dem wir die „Umwelt bewahren“. Das sind drei zentrale Dimensionen des Wissenschaftsjahres für nachhaltige Forschungen. Wie die konkret aussehen können, veranschaulichen exemplarisch folgende drei Projekte, die neben vielen anderen im Rahmen des Wissenschaftsjahrs 2012 gefördert werden.
Wie wollen wir leben?
Ein markantes Beispiel für globale Veränderungen, die nicht mehr einzelne Länder oder Regionen, sondern die Menschheit als Ganzes betreffen, ist der Trend zur Urbanisierung und die Ausbreitung von Megastädten auf allen Kontinenten der Erde. Beispiel Casablanca: Innerhalb von 30 Jahren ist die Bevölkerung von 1,5 Millionen auf 3,5 Millionen Einwohner angestiegen. Mit der Urbanisierung gehen ein enormer Energieverbrauch und damit die verstärkte Emission von Treibhausgasen und ein wachsender Landschaftsverbrauch einher. Die Frage, wie städtische Ballungsräume und Megastädte angesichts ungebremsten Wachstums trotzdem so gestaltet werden können, dass Menschen gerne dort leben, ist eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Das Bundesforschungsministerium fördert zum Beispiel das Projekt „Urbane Landwirtschaft als integrierter Faktor einer klimaoptimierten Stadtentwicklung für Casablanca“. Undine Giseke, Professorin für Landschaftsarchitektur/ Freiraumplanung an der Technischen Universität Berlin und Leiterin des Projekts, untersucht mit Partnern vor Ort, „inwieweit urbane Landwirtschaft zu nachhaltiger Stadtentwicklung und Landnutzung beitragen kann angesichts der Tatsache, dass sich ländliche und städtische Räume zunehmend verschränken“.
Wie wollen wir wirtschaften?
Auch in Deutschland ist die Großstadt Forschungsobjekt: Wissenschaftler gehen dort auf Schatzsuche nach Gold und weiteren Metallen, die als Elektronikschrott im Müll landen. Prof. Dr.-Ing. Vera Susanne Rotter von der TU Berlin, Fachbereich Abfallwirtschaft, sorgt dafür, dass Bestandteile von Kabeln, Laufwerken und Motoren wiederverwendet werden können. „Im städtischen Raum konzentrieren sich Produktion, Verwertung und die Beseitigung von Abfällen. Diese Ver- und Entsorgungsaufgaben aufeinander abzustimmen und dabei die Lebensqualität in Städten zu erhöhen, wird Aufgabe in den nächsten Jahren sein“, sagt die Wissenschaftlerin. Im Jahre 2007 etwa hat sie verfolgt, dass in Deutschland 90 Prozent des Goldes in Mobiltelefonen nicht zurückgewonnen werden konnte. Der ökonomische Verlust liegt zwischen sieben und zehn Millionen US-Dollar. Als Hauptursache gilt die unzureichende Trennung bei der Erfassung durch die Entsorgungsfirmen. Rotter und ihr Team erarbeiten Informations- und Kommunikationsstrukturen, damit Recyclingnetzwerke – technisch wie organisatorisch – besser als bisher diese strategisch wichtigen Rohstoffe erhalten können.
Wie können wir unsere Umwelt bewahren?
Forscher aus Deutschland arbeiten vor Ort in den Weiten der russischen Steppen daran, für einen Klimawandel gewappnet zu sein. Im internationalen Forschungsprojekt „Kulunda“ arbeiten nicht nur deutsche und russische Universitäten zusammen, sondern auch Partner aus der Industrie und Verwaltung aus beiden Ländern. Professor Manfred Frühauf, Geoökologe der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) koordiniert das Projekt: „Wir wollen ökologische und ökonomische Strategien zur nachhaltigen Landnutzung in den russischen Steppen entwickeln und damit einen Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel leisten“, beschreibt er. Unter anderem sorgt sein Team auch dafür, dass die Böden mehr Kohlenstoff aufnehmen und speichern: „Somit würden wir auch einen Beitrag leisten zur Reduzierung der Emissionen von Treibhausgasen“, sagt Manfred Frühauf.
Das sind drei Beispiele für Forschung zu nachhaltigen Entwicklungen. Gegenwärtig fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung mehr als 500 internationale Projekte in 62 Ländern auf fünf Kontinenten.
!Weitere Informationen:
Gold aus Handy-Schrott: eines von vielen Projekten im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2012, mit denen Forscher den Schutz von Ressourcen und Umwelt vorantreiben wollen
© fotolia.de / Werner Dreblow
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