Bundesumweltwettbewerb
Mut lohnt sich
BUW hat zukunftsweisende Schüler-Projekte prämiert
BUW / Markus Hofmann
Da strahlte nicht nur die Septembersonne: Die Gewinner des BUW 2010/2011 freuten sich über Geld- und Sachpreise – und über das Lob anspruchsvoller Juroren für ihre Projekte
© Alle Abb.: BUW 2010/2011
Wahre Umweltforscher haben keine Angst, sich die Hände schmutzig zu machen. Das zeigten allen voran die erfolgreichen BUW-Teilnehmer der 21. Wettbewerbsrunde. Sie experimentierten u. a. mit Klärschlamm, Morast und Kaninchenkot. Heraus kamen Projekte, die vorbildhafte Beiträge zur Schonung von Umwelt und Ressourcen leisten.
Jahr für Jahr steht die Jury des BundesUmweltWettbewerbs „Vom Wissen zum nachhaltigen Handeln“ vor der Qual der Wahl: Stets demonstrieren Hunderte von Jugendlichen und jungen Erwachsenen wie man mit Kreativität, Fachwissen und Engagement Umweltproblemen entgegenwirken kann. Der BUW – gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und realisiert vom Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik an der Universität Kiel (IPN) – verleiht Geld- und Sachpreise in zwei Alterskategorien: an 13- bis 16-Jährige im BUW I sowie an 17- bis 21-Jährige im BUW II. Von den über 200 eingereichten Projekten wurden mehr als 30 mit Geldpreisen belohnt. Die höchsten Auszeichnungen sind davon die Haupt- und JahresSonderpreise mit Beträgen zwischen 750 € und 1.500 €. Deren Preisträger haben den saarländische Bildungsminister Klaus Kessler auf der diesjährigen Preisverleihung im saarländischen Otzenhausen schwer beeindruckt: „Der Wettbewerb passt hervorragend in das Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung, da er Schülerinnen und Schüler dazu angeregt, sich ganz praktisch mit Umweltproblemen auseinanderzusetzen. Im Vordergrund steht dabei nicht das Problem, sondern seine Lösung. Es ist beeindruckend, wie viele kreative Projekte im Rahmen des Wettbewerbes entstanden sind. ...“ Ausführliche Porträts der ausgezeichneten Projekte und vieles mehr hält die Website des BUW unter www.bundesumweltwettbewerb.de bereit.
Hauptpreise BUW I
Miriam Löcke, David Löcke, Verena Hunstig und Lars Wortmeier vom Team e.Epunkt aus Paderborn lassen in ihrem Bildungsprojekt den „Ökobold aus dem Klimarucksack“. Neben einer Schulstunde für die fünfte und sechste Jahrgangsstufe, die sie in 14 Klassen gehalten haben, entwickelte und praktizierte das Team ein Bildungskonzept für den Vorschulbereich und setzte dieses auch medial auf einer eigenen Webseite (www.epunkt-e.de) kindgerecht um. Zentrale Figur dieses Konzeptes ist eine Handpuppe, der „Ökobold“; zentrales Medium ist der „Ökorucksack“. Jede der besuchten Vorschulgruppen konnte die Schülergruppe dank der Unterstützung durch selbst akquirierte Sponsoren kostenlos mit einem solchen Rucksack altersadäquater Materialien zur Umweltbildung ausstatten. Um mit den Vorschulkindern erfolgreich arbeiten zu können, reflektierten die vier Schüler aus dem Umkreis von Paderborn ihr Konzept inhaltlich wie didaktisch mit Erzieherinnen und einer Sozialpädagogin. Das Team qualifiziert auch Mitglieder ihres eigenen Juniorteams und Schüler des Goerdeler-Gymnasiums in Paderborn zu Multiplikatoren mit dem Ziel, in Zukunft noch mehr Vorschul- und Kindergartengruppen erreichen zu können.
Auch Christoph Griehl vom Georg-Cantor-Gymnasium in Halle/Saale konnte sich über einen Hauptpreis beim BUW I freuen. „Da in unserem Kaninchenstall täglich pro Kaninchen etwa 100 g Kaninchenkot anfallen, habe ich mich gefragt, ob man diesen Abfallstoff auch zu Biogas umwandeln kann“, beschreibt der Schüler seine Idee. Das Projekt „Energie aus dem Kaninchenstall“ war geboren. Im Internet informierte sich Christoph darüber, was Biogas ist und wie es gewonnen wird. Dann schrieb er lokale Firmen an und wurde von einem Geschäftsführer eingeladen, den Herstellungsprozess von Biogas in der Praxis kennenzulernen. Im Rahmen eines Praktikums an der Hochschule Anhalt gelang es Christoph Griehl schließlich, wie geplant Biogas aus Kaninchenkot herzustellen. Seine Erkenntnis: Aus 200 g der Exkremente lassen sich rund 130 Liter Biogas gewinnen, das entspricht einem Energiewert von ungefähr 0,84 kWh. Und auch eine praxisnahe Rechnung machte der Schüler auf: „Ein Einfamilienhaus, das täglich etwa 82 kWh Energie verbraucht, könnte mit dem Kot von 200 Zwergkaninchen oder 100 Zuchtkaninchen beheizt werden.“
Die Hauptpreis-Gewinner und ihre Projekte: der „Ökobold“ von Miriam Löcke, David Löcke, Verena Hunstig und Lars Wortmeier (4)
Hauptpreise BUW II
In der Altersklasse der 17- bis 21-Jährigen (BUW II) erhielten zwei Schüler aus Niedersachsen die beiden Hauptpreise. Justin Müller von der Europaschule Gymnasium Westerstede hat unter dem Titel „Moor and More“ seine langjährigen und weitsichtigen Umweltforschungen im Hollweger Moor zusammengefasst. In Zusammenarbeit mit dem Helmholtzzentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig konnte er das für den Lebensraum typische Spektrum an Bakterien nachweisen. Auf Grundlage seiner Bodenuntersuchungen rechnete Justin aus, dass auf einer 75 ha großen Fläche im Hollweger Moor die gewaltige Menge von etwa 650 000 t Kohlenstoff gebunden ist. Die Werte an Stickstoff und Phosphat in den untersuchten Moorgräben lagen, abgesehen vom alten Moorgraben, im Normalbereich.
Alle Arbeiten des engagierten Nachwuchsforschers erfolgten in Abstimmung mit der Naturschutzbehörde des Landkreises Ammerland. Die Ergebnisse waren auch unmittelbarer Anlass für die Ausweisung weiterer Renaturierungsflächen und für die Schließung eines Moorbaches, um den Nährstoffeintrag in einen kleinen Fluss zu stoppen. Mit seinen wissenschaftlichen Arbeiten und Bildungsprojekten an Grundschulen zum Thema Moor sowie mit Führungen und Fachvorträgen hat Justin auf abwechslungsreiche Weise für die Erhaltung der letzten Hochmoorreste in seiner Heimatregion geworben.
Umweltfreundliche und energiesparende Klärschlamm-Entwässerung war das Thema von Ali Karaca. Durch sein Projekt hat der Schüler des Christian-von-Dom-Gymnasiums in Goslar verfahrenstechnische Optimierungen vorangebracht. Und das war dringend nötig, denn bislang wird Klärschlamm, der bei der Abwasserreinigung anfällt, energieaufwändig und zudem nicht sonderlich effizient entwässert. Das bedeutet ein höheres Gewicht und damit mehr Aufwand für den Abtransport durch LKW sowie eine herabgesetzte Brennbarkeit. Zudem werden bei der chemischen Behandlung des Schlamms toxische Flockungsmittel zugesetzt, die eine spätere Verwertung in der Landwirtschaft verhindern. Der Schüler aus Goslar hat diese Probleme erkannt. Mit einem elektrochemischen, einem biologischen und einem physikalisch-chemischen Ansatz untersuchte der Jungforscher drei unterschiedliche Verfahren im Labormaßstab. Seine Analysen zeigen, dass dem Klärschlamm durch Osmose über eine semipermeable Membran bis zu 50 Prozent des Wassers entzogen werden können. Dies würde zu einer deutlichen Energieeinsparung im Vergleich mit konventionellen Methoden führen; dieser Effekt könnte mit Hilfe von Sonnenenergie weiter optimiert werden. Einsatzmöglichkeiten für seine Verfahrensansätze sieht der Goslarer Schüler in der Ergänzung bestehender Verfahren und aufgrund der einfachen Umsetzung in Entwicklungsländern sowie in Regionen mit dezentralen Kleinstabwasseranlagen.
BUW/mho
realisiert vom:
Journal der Leipziger Buchmesse