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Umwelt + Klimawandel

Meer als man denkt

Bremerhavens „Havenwelten“: ein beeindruckender außerschulischer Lernort

mho

Guck mal, was da schwimmt: Die Südsee-Insel Samoa mit ihrer Flora und Fauna ist eine von neun Stationen der Weltreise, auf die man im Klimahaus gehen kann

Fährt man nach Bremerhaven hinein, fällt außer Tristesse erst einmal nicht viel auf. Gerät aber langsam die Skyline der „Havenwelten“ in Sicht, hält man den Atem an: Das weite Areal am Überseehafen erstaunt mit spektakulärer Architektur – aber vor allem mit innovativen Museen und Science-Centern erster Güte

Eine Seefahrt, die ist lustig – und in Bremerhaven auch ausgesprochen lehrreich. Darum ist ein Trip in die Hafenstadt an der Wesermündung als Privatreise wie für Exkursionen und Klassenfahrten perfekt geeignet. In jedem Fall sollten Sie sich einige Tage gönnen, um in Ruhe die maritimen und kulturellen Sehenswürdigkeiten erleben zu können – damit noch genug Zeit für Hafenrundfahrt, Strandspaziergänge und den Genuss von Fisch-Spezialitäten bleibt. Die Highlights im Bereich der „Havenwelten“ stellen wir Ihnen kurz vor.

Deutsches Schiffahrtsmuseum

Das Deutsche Auswandererhaus erzählt die Geschichten einiger Emigranten, die von Bremerhaven aus in die Neue Welt aufbrachen – und beleuchtet damit Ursachen für Migration, die bis heute virulent sind

Auf fast 8.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche und seinem großen Freigelände mit Museumshafen direkt am Weserdeich präsentiert das Museum Schifffahrt zum Anfassen und hautnahen Erleben. Die Ausstellung umfasst Hunderte von wertvollen historischen Exponaten, Schiffsmodelle, Gemälde und eindrucksvolle Dioramen sowie eine originale, weltweit einzigartige Hansekogge von 1380. Im Hafenbecken liegen historische Museumsschiffe vor Anker, etwa die Bark SEUTE DEERN, das Feuerschiff ELBE III, der Walfangdampfer RAU IX und das U-Boot WILHELM BAUER aus dem Zweiten Weltkrieg.

Klimahaus® Bremerhaven 8° Ost

Das Klimahaus Bremerhaven 8° Ost (siehe auch S. 13 in diesem Heft) wird von nahezu 100 Prozent der Besucher weiterempfohlen und zählt zu den meistbesuchten Wissens- und Erlebniswelten Deutschlands. Die Reise um die Erde – immer entlang des achten Längengrades – führt über fünf Kontinente an neun unterschiedliche Orte und ist in dieser Form weltweit einzigartig. Hier spüren die Besucher nicht nur die Temperaturen und Klimaverhältnisse von Wüsten, tropischen Regenwäldern und der Antarktis, sondern treffen auch auf große Aquarien mit See- und Süßwasserfischen oder Reptilien wie Schlangen und seltene Echsen.

Die Besucher folgen den Spuren von Axel Werner, der für das Klimahaus alle neun Reisestationen mit einem Kamerateam bereist hat. In der Ausstellung taucht der Klimahaus-Reisende immer wieder in Filmsequenzen auf, die seine Begegnungen mit den Menschen vor Ort dokumentieren. Die Reise beginnt bei einer Bergbauernfamilie in Isenthal in der „Schweiz“, wo Kuhglocken läuten und sich ein Bergmassiv mit Gletschern auftürmt. Tropische Wärme empfängt die Besucher der Reisestation „Kamerun“, wo besonders Mutige den westafrikanischen Regenwald bei Nacht mit Gerüchen und Geräuschen von faszinierender Exotik durchstreifen. Das Packeis der Antarktis bietet ein wenig Abkühlung, bevor es vorbei an üppig grünen Schluchten zum warmen Sandstrand von „Samoa“ geht. Hier können die Besucher in die bunte Vielfalt eines Saumriffs eintauchen.

„Diese Reise macht eindrucksvoll deutlich, wie das Leben der Menschen auf unserem Planeten vom Klima beeinflusst wird, zeigt aber auch, welche Veränderungen uns bevorstehen“, erläutert Arne Dunker, Geschäftsführer der Bremerhavener Besucherattraktion. Neben der „Reise“ erwarten weitere Ausstellungsbereiche die Klimahaus-Besucher: Die „Perspektiven“ veranschaulichen das Zusammenwirken von Mensch, Erde und Klima; außerdem geben sie Auskunft über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Zukunft. Seit April 2017 steht im neuen Ausstellungsbereich „World Future Lab“ die Welt wortwörtlich im Mittelpunkt. An mehreren Spielstationen können die Besucher die Welt verändern, lernen ihre persönlichen Stärken kennen und erfahren, wie andere das Klima schützen. In der „FRoSTA-Kochschule im Klimahaus“ lernen Groß und Klein den Umgang mit Lebensmitteln und die Zusammenhänge zwischen Klima und Ernährung. Die Mitmach-Experimente bringen nicht nur Spaß: Sie zeigen anschaulich, warum Klimaschutz für die Zukunft der Erde so wichtig ist und was ein jeder im Alltag dafür tun kann. So macht das Klimahaus Touristen, Familien und Schulklassen zu Entdeckern, Forschern und Klima-Verbündeten. Tipp: Genügend Zeit einplanen! Auf den 11.500 Quadratmetern Ausstellungsfläche kann man einen ganzen Tag verbringen. Mit dem 2-Tage-Ticket lässt sich die Reise durch die Klimazonen entspannt auf zwei Tage aufteilen.

Deutsches Auswandererhaus

Das Deutsche Schifffahrtsmuseum begeistert mit Exponaten aus vergangenen Epochen, aber auch mit Experimentierstationen, an denen man viel über Schiffstechnik, Wetter und Wasser lernt

Mehr als sieben Millionen Auswanderer traten zwischen 1830 und 1974 von Bremerhaven aus die Schiffspassage in die USA, nach Kanada, Brasilien, Argentinien und Australien an. Dort, wo sie Europa verließen, befindet sich mit dem Deutschen Auswandererhaus heute das größte Erlebnismuseum des Kontinents zum Thema Auswanderung. Aufwendige Rekonstruktionen und multimediale Inszenierungen lassen den Besucher die Auswanderung hautnah miterleben. Das Haus präsentiert zudem aktuelle Aspekte globaler Migration und ermöglicht die persönliche Spurensuche nach ausgewanderten Vorfahren. Kinder von vier bis zehn Jahren können in der „Kids World“ das Thema Auswanderung altersgerecht erleben.

Neu im Angebot des DAH ist das im April eröffnete „Studio Migration“: ein Ort der Kommunikation, in dem sich Museumsbesucher, Wissenschaftler und Zeitzeugen treffen und austauschen können. „Mit dem Studio Migration öffnen wir unser Haus noch stärker: Nicht nur können zukünftig unsere Besucher im Studio Migration unseren Wissenschaftlern beim Forschen zuschauen, auch können Passanten, die an der Kaje am Neuen Hafen spazieren gehen, ins Studio Migration blicken”, sagt Dr. Simone Eick, Direktorin des Deutschen Auswandererhauses. Eigens für die Aufnahmen von Zeitzeugeninterviews wurde das Oral-History-Studio errichtet, in dem zukünftig Auswanderer, Einwanderer und ihre Nachfahren von Wissenschaftlern interviewt und dabei audiovisuell aufgezeichnet werden.

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