Lernorte
Außerschulische Lernorte
Viel mehr als nur Unterricht
Martin Huisman
P rinzipiell kann jeder außerschulische Ort zu einem Lernort werden. Unterschieden werden muss aber in pädagogisch vorbereitete „spezielle Lernorte“ (z. B. Museen oder Labore) und nicht pädagogisch vorbereitete „natürliche Lernorten“ (z. B. ein Wald oder Bachlauf). Die Vorteile von außerschulischen Lernorten liegen auf der Hand: Naturwissenschaftlicher Unterricht ist in den Augen der Schüler oft langweilig. Die Möglichkeiten zum Selberausprobieren und Erforschen sind auch in der Schule von heute noch begrenzt. Viele Versuche dürfen nur von den Lehrkräften vorgeführt werden, weil versicherungstechnische Gründe gegen Schülerexperimente sprechen, für andere fehlt es einfach an der notwenigen Ausstattung.
Gerade weil der heutige naturwissenschaftliche Unterricht Naturphänomene außerdem nur noch im Vorbeigehen streift, sind außerschulische Lernorte so wichtig geworden. Und die Nutzung als eine Verbindung zwischen Schule und Freizeit regt das Lernen besonders an, erleichtert es und macht es nachhaltiger. Durch den direkten Kontakt mit Wissenschaftlern werden den Kindern und Jugendlichen dabei Erkenntnisse und Methoden der aktuellen Forschung vermittelt, die sie sonst kaum kennenlernen würden (Weitere Lernorte finden Sie auch unter www.bildung-plus.de/reisen).
Museen: Zusammenhänge erkennen
Museen bieten für Schülerinnen und Schüler eine einzigartige Möglichkeit, originalen, authentischen Zeugnissen direkt zu begegnen. Diese unmittelbare Begegnung mit dem Original im Museum schafft Orientierungsgrundlagen und Maßstäbe der Bewahrung von Erbe und Tradition, aber auch der Auseinandersetzung mit Gegenwart und Zukunft. Im Museen entdecken, erleben und erlernen Kinder und Jugendliche ästhetische Werte, den Zugang zu vergangenen Epochen und zu fremden Kulturen, sie schärfen ihren Blick auf unsere Welt und Umwelt und sie lernen neue Qualifikationen und Schlüsselkompetenzen, wie Teamfähigkeit und Toleranz, gesellschaftliches Engagement, Kommunikationsfähigkeit und Kreativität. Dieser Bildungsprozess wirkt nachhaltig, weil im Museum Erfahrungen gesammelt werden, die ganzheitlich eingebunden, selbst nachvollziehbar, sinnlich erlebbar und somit als Lernprozesse stärker motiviert sind.
Im Laufe der letzten Jahrzehnte haben sich viele Museen umorientiert. Nun wird nicht mehr nur, geordnet nach Epochen, Regional-, Kunst- oder Weltgeschichte in Ausstellungen präsentiert. Museen haben inzwischen pädagogisches Fachpersonal, das besondere Angebote für Schüler entwickelt hat. Dabei spielen die technische Entwicklung und die Veränderung der Arbeitswelt eine große Rolle. Als eines der ersten entstand dazu das Deutsche Museum in München, von Bedeutung ist außerdem die DASA (Deutsche Arbeitsschutzausstellung) in Dortmund. Auch in vielen Industriedenkmalen, wie z.B. der Völklinger Hütte, haben sich museumspädagogische Angebote etabliert, die speziell auf Schüler ausgerichtet sind.
Science Center: Anfassen erwünscht
Science Center sind Experimentier-Ausstellungen oder Experimentier-Felder. Sie sind naturwissenschaftlich orientiert und verschaffen somit auch einen Einblick in die Grundlagen der Technik. Das erste Science Center, das von Frank Oppenheimer initiierte Exploratorium, wurde 1969 in San Francisco eröffnet. Ziel waren die Aufklärung über die moderne Wissenschaft und Technik sowie die Anregung zur eigenständigen Auseinandersetzung. Die menschlichen Sinne bestimmen dabei das Ordnungsprinzip des Exploratoriums: Gehörsinn, Gesichtssinn, Geschmacks-, Geruchs- und Tastsinn sowie die Sinne zur Kontrolle des Gleichgewichts, der Fortbewegung und des Hantierens bilden die Grundordnung, nach der die Experimente präsentiert werden. Als Vorreiter in Europa gilt das 1969 gegründete Schweizer Technorama in Winterthur. Bereits 1980 wurden auch in Flensburg unter dem Begriff Phänomenta erste Science-Center-Experimentierstationen aufgebaut.
Science Center erfreuen sich einer besonderen Beliebtheit, weil sie nach dem Hands-on-Prinzip arbeiten. Das bedeutet, die Exponate können, ja müssen ausprobiert werden. Darum gilt hier:„Anfassen erwünscht“ statt „Berühren verboten“. Mit anderen Worten: Nothing will happen, unless you make it happen – ohne dieses Mitmachen läuft nichts.
Schülerlabore: Experimentieren erlaubt
„Der Besuch eines Schülerlabors hinterlässt bei vielen Kindern und Jugendlichen beachtliche Spuren in den Köpfen, mit positiven Rückwirkungen auf den schulischen Unterricht“, so der Kieler Bildungsforscher Prof. Manfred Euler. Dies belegen am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften durchgeführte Studien. Beispielsweise wird das Interesse von Schülerinnen und Schülern an der im Labor behandelten Naturwissenschaft nachhaltig gefördert. Dabei werden Jungen wie Mädchen auch von physikalischen oder chemischen Schülerlaboren gleichermaßen angesprochen. Das ist durchaus erstaunlich, schließlich gehören beide Disziplinen nicht gerade zu den beliebtesten Schulfächern.
Die Art und Weise, wie hier offen und ungebunden experimentiert und erkundet wird, haben die meisten Schülerinnen und Schüler noch nie zuvor erlebt. Da geht es eben gerade nicht – wie in der Schule – um die „richtige“ (oder „falsche“) Methode, die Dinge zu erkunden. Eine Übersicht zu den Schülerlaboren in Deutschland findet sich unter www.lernort-labor.de. Von den momentan 262 Laboren ist bestimmt auch eins in der Nähe Ihrer Schule.
Erfahrungsfelder: Sinne schärfen
Das Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne wurde von Hugo Kükelhaus konzipiert. Die Spiel- und Erfahrungsgeräte wurden erstmals auf der Weltausstellung 1967 in Montreal gezeigt. Es handelt sich dabei um eine Erlebnisausstellung, bei der alle Sinne angeregt werden. Die unterschiedlichen Ausstellungsobjekte sollen den Besucher inspirieren, selbst damit zu experimentieren, sie zu erforschen.
Orientiert an dieser Idee entstanden unzählige Sinnesobjekte, Erfahrungsfelder und Anlagen. Die inzwischen berühmteste in Deutschland ist der zur EXPO 2000 in Hannover eröffnete „Park der Sinne“. Hier können an vielen fest installierten Anlagen Gehör, Sehen, Tasten und Riechen getestet werden. So stehen unter anderem Hörmuscheln zur Verfügung, ein Barfußpfad, Klangstäbe, ein Pendel und eine Sonnenuhr. Weitere Erfahrungsfelder finden sich im Schloss Freudenberg (Wiesbaden) sowie z. B. in Nürnberg, Kassel, Essen oder Suhl.
Naturparks: Leben entdecken
Die National- und Naturparkhäuser bieten umfangreiche Programme besonders für Schulklassen an. Neben Umweltschulungen durch Park-Ranger werden hier häufig Renaturierungsmaßnahmen, z.B. von Bachläufen, als Schulprojekt angeboten, Wildkatzenwochen oder auch Nachtwanderungen. Dabei können Tiere in ihrer natürlichen Umgebung entdeckt werden und die Schülerinnen und Schüler lernen, wie der deutsche Wald als Urwald früher einmal ausgesehen hat. Ein echtes Highlight sind die Wipfelpfade, wo Besucher auf Baumkronenhöhe durch den Wald spazieren gehen können – Begegnungen mit den hier lebenden Tieren sind inklusive.
MEER ALS EIN MUSEUM
Die modernen Ausstellungen und tropischen Aquarien des MEERESMUSEUMs in einer ehemaligen Stralsunder Klosterkirche schaffen eine Atmosphäre, wie man sie selten findet. Highlight ist das größte Meeresschildkrötenbecken Deutschlands. Gerade diese Urreptilien machen die Einzigartigkeit des MEERESMUSEUMS aus. Projekttage und Themenwerkstätten der Museumspädagogik vermitteln einen nachhaltigen Zugang zum Lebensraum Meer.
WEITERE INFORMATIONEN:
Deutsches Meeresmuseum
Katharinenberg 14–20
18439 Stralsund
Öffnungszeiten:
Okt. bis Mai 10:00 –17:00 Uhr,
Juni bis Sept. 10:00 –18:00 Uhr
Telefon: +49 (0) 3831 26 50 350
UNTER WASSER UNTERWEGS
Im OZEANEUM Stralsund erleben Sie eine Unterwasserreise durch die nördlichen Kaltwassermeere. Liebevoll gestaltete Lebensraum-Aquarien ergänzen die informativen Ausstellungen zu den Themen Weltmeer, Ostsee, Erforschung und Nutzung der Meere sowie „1:1 Riesen der Meere“. Die klassische Führung darf in einem Museum natürlich nicht fehlen. Die Museumspädagogik bietet außerdem spezielle Angebote für Schulklassen wie Themenwerkstätten oder Projekttage an.
WEITERE INFORMATIONEN:
OZEANEUM Stralsund GmbH
Hafenstraße 11
18439 Stralsund
Öffnungszeiten:
Okt. bis Mai 9:30 –19:00 Uhr,
Juni bis Sept. 9:30 –21:00 Uhr
Telefon: +49 (0) 3831 26 50 690
Biosphäre Potsdam – Die wunderbare Welt der Tropen
In unserer Tropenhalle finden sich die verschiedensten tropischen Pflanzen und exotische Tiere, die nur darauf warten, entdeckt und erforscht zu werden. Die Biosphäre Potsdam ist das größte Tropenhaus Europas und hat an 365 Tagen im Jahr geöffnet.
Gerne informieren wir Sie über unsere Schulangebote wie „Das grüne Klassenzimmer“, das „Schmetterlingspraktikum“, das „Dschungelabenteuer“ oder verschiedene Themenführungen. Unterrichtsmaterialien stehen zum Download auf der Homepage zur Verfügung.
WEITERE INFORMATIONEN:
Biosphäre Potsdam, Georg-Hermann-Allee 99, 14469 Potsdam
Öffnungszeiten: Mo-Fr 9–18 Uhr, Sa, So, Feiertage 10–19 Uhr, letzter Einlass immer 1,5 Stunden vor Schließung.
Telefon: 03 31/55 07 40
PHÆNO – DIE WELT ENTDECKEN
Phänomene sehen, spüren und selber ausprobieren – das ist der außerschulische Lernort phæno! Erforschen Sie gemeinsam mit Ihren Schülern über 300 spannende Experimentierstationen aus Naturwissenschaft und Technik, um letztendlich den Phänomenen der Welt auf die Schliche zu kommen. Workshops und Entdeckertouren verhelfen Schülern zu einer intensiven Auseinandersetzung mit den Experimenten. Im Rahmen von Lehrerfortbildungen erhalten Sie praktische Anregungen für Ihren Unterricht. Zudem ermöglicht die bundesweit einmalige Datenbank für Lehrer eine umfassende Vor- und Nachbereitung Ihres Besuchs.
WEITERE INFORMATIONEN:
SEA LIFE – ACHTMAL IN DEUTSCHLAND
Kennen Sie schon die neue Entdecker- Tour für Schulklassen? In insgesamt acht SEA LIFE Aquarien können sich Schulklassen auf eine spannende Reise durch die heimische und tropische Unterwasserwelt begeben. Auf dem geführten, interaktiven Rundgang durch die verschiedenen Themenbereiche und Lebensräume erforschen sie das Element Wasser, seine Bewohner und ihre Lebensräume. Mit Bezug zur heimischen Unterwasserwelt führt der Weg von der Quelle bis in die Tiefen der Meere. Mittelpunkt bildet das bis zu 1,5 Mio. Litern fassende Tiefseebecken, durch das ein Glastunnel führt.
WEITERE INFORMATIONEN:
SEA LIFE in Berlin, Hannover, Königswinter, Konstanz, München,
Oberhausen, Speyer, Timmendorfer Strand,
Täglich ab 10 Uhr geöffnet
Kostenlose Reservierungsnummer für Schulklassenbesuche: 0800 – 66 48 200
VON DER ERKENNTNIS ZUR ERFINDUNG
Das TECHNOSEUM gehört neben dem Deutschen Museum in München und dem Deutschen Technikmuseum in Berlin zu den größten Technikmuseen in Deutschland. Die naturwissenschaftlich-technische Entwicklung seit dem 18. Jahrhundert und die Industrialisierung in Deutschland sind die Themen der Dauerausstellung. Experimentierstationen vermitteln naturwissenschaftliche Grundlagen und verdeutlichen, wie neue Erkenntnisse zu technischen Erfindungen führten. Für Schulklassen werden spezielle Führungen und Kurse im museumseigenen Labor angeboten – von der Geschichte der Papierherstellung bis zum Bau von Robotern.
WEITERE INFORMATIONEN:
TECHNOSEUM, Museumsstr. 1, 68165 Mannheim
Öffnungszeiten: täglich 9–17 Uhr
Buchung und Information: Tel. 0621/4298-839, E-Mail: paedagogik@technoseum.de
Odysseum Köln: Spielend lernen im Abenteuer-Wissenspark
Anfassen und Experimentieren ausdrücklich erwünscht
Im außerschulischen Lernort Odysseum erfahren Schüler wissenschaftlich fundierte Inhalte an 200 interaktiven Erlebnisstationen mit Spaß, Anspruch und Spannung. In fünf Themenwelten setzen sich die Nachwuchsforscher mit Fragen zu technischen, naturwissenschaftlichen bis hin zu gesellschaftspolitischen Themen auseinander. Dabei bietet das Schulprogramm CLEVERlernen mit seinen drei zentralen Bausteinen die Möglichkeit zur Unterrichtsgestaltung der etwas anderen Art:
- CLEVERtour: thematisierte Entdeckerpfade
- CLEVERlab: vertiefende Workshops
- CLEVERclass: Unterrichtsreihen von Lehrern für Lehrer
WEITERE INFORMATIONEN:
Odysseum Köln
Corintostraße 1
51103 Köln
Öffnungszeiten: Mo-Fr 9–18 Uhr, Sa, So, feiertags 10–19 Uhr
Telefon: 02 21/69 06 82 00
Mathematikum Gießen
Denken als Spaßfaktor
Das Mathematikum ist das erste mathematische Mitmach-Museum der Welt. Über 150 Exponate öffnen eine neue Tür zur Mathematik. Besucher jeden Alters und jeder Bildung legen Puzzles, bauen Brücken, zerbrechen sich den Kopf bei Knobelspielen, entdecken an sich selbst den Goldenen Schnitt, stehen in einer Riesenseifenhaut und – verlassen das Mathematikum glücklicher als sie es betreten haben! Das Lernen erfolgt beim Experimentieren, Tüfteln und Staunen ganz nebenbei, ohne Formeln und Gleichungen. In der Abteilung Mini-Mathematikum öffnet sich die Welt der Mathematik für vier- bis achtjährige Kinder.
Phänomenale Erlebnisse bei Phänomania
Bei den Phänomania Ausstellungen in NRW, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen geht es darum, unsere Umwelt mit den dazugehörenden Phänomenen bewusst wahrzunehmen. An interaktiven Stationen gehen Ihre Schüler auf Entdeckungsreise und erleben auf eindrucksvolle Weise die menschlichen Sinne und damit verbundenen physikalischen Gesetzmäßigkeiten. Alle Stationen haben einen hohen Aufforderungscharakter und die erstaunlichen Experimente bieten zahlreiche Anknüpfungspunkte an den Unterricht. Wo kann man schon, mit Hilfe des Hebelgesetzes, ein echtes Auto mit einer Hand hochheben oder Schallwellen sichtbar machen?
WEITERE INFORMATIONEN:
Nähere Informationen zu den Ausstellungen in Essen, Peenemünde und Carolinensiel finden Sie unter
Journal der Leipziger Buchmesse