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Darwin-Jahr 2009

Charles, der Schwindler?

Debatte um Kreationismus im Unterricht flammt erneut auf

Wissenschaftler auf der ganzen Welt gedenken dieses Jahr des 200. Geburtstages von Charles Darwin und des Erscheinens seines Werkes„On the Origin of Species“ vor 150 Jahren. Mit seiner Evolutionstheorie brachte der Brite den Mythos der biblischen Schöpfung ins Wanken. Doch die Kreationisten, die Darwins Theorien ablehnen, gewinnen wieder an Boden – auch in Schulen

Darwin

Ähnlich wie bei uns ist in den USA Schule Länder- (oder vielmehr Bundesstaaten-)Sache. Und so schaut die neue Obama-Administration ohnmächtig auf Texas. Dort hatte jüngst der Bildungsausschuss unter dem Vorsitz des bekennenden Kreationisten Don McLeroy die Bedeutung der Evolutionstheorie in den schulischen Curricula entscheidend geschwächt. Auf dessen Drängen hin ergänzte der Bildungsausschuss die Vorgaben zum naturwissenschaftlichen Unterricht um Formulierungen, dank derer die Kreationisten nun gesicherte Erkenntnisse über die Entstehung des Lebens relativieren können. Gerade so, als wäre es auch anfechtbar, dass Eins plus Eins Zwei ergibt. Dutzende von Wissenschaftlern beklagten den texanischen Weg als „Triumph von Ideologie über die Wissenschaft“ und appellierten an demokratische wie republikanische Mitglieder im Bildungsausschuss, wissenschaftsfeindliche Tendenzen im Unterricht zu unterbinden. Dennoch könnte das texanische Modellauch in weiteren Bundesstaaten Schule machen. Immerhin zweifeln mehr als zwei Drittel der US-Bürger die Evolutionstheorie an.

Mehr Religion, weniger Wissenschaft?

Es ist deutlich, dass es hier nicht um den Wunsch geht, Schöpfung und Wissenschaft nebeneinander als gleichberechtigte Disziplinen zu behandeln. Vielmehr soll hier eine Weltanschauung (und mit ihr ein Wertesystem) in Schulen etabliert werden, deren Wahrheitsgehalt nicht bewiesen werden muss, da sie direkt Gottes Wort entspringt. Doch jenseits aller ideologischen Absichten ihrer Verfechter: Die Schöpfungslehre verspricht vor allem einfache Antworten auf die schwierigen Fragen des Lebens und Seins, und die Sehnsucht danach greift um sich. Auch in Deutschland. Ein Fünftel der Deutschen steht der Evolutionstheorie nach neuen Studienergebnissen zumindest skeptisch gegenüber, sagt Dittmar Graf, Professor für Biologiedidaktik an der TU Dortmund. Eine Umfrage unter 1200 Lehramtsstudenten in Dortmund ergab zudem, dass 15 Prozent von ihnen Darwins Theorie nicht akzeptieren. Bei angehenden Biolehrern seien es immerhin noch sieben Prozent. Doch „Biologie kann man nicht verstehen, wenn man die Evolution nicht versteht“, sagt Graf. Er fürchtet wachsende Wissenschaftsfeindlichkeit in einem Land, in dem Politiker die Bildung immer wieder als wichtigste Ressource preisen.

Privatschulen-Boom hilft Kreationisten

Dank Internet und großzügiger Sponsoren könnten kreationistische Gruppen in Deutschland ihre Ideen verbreiten, sagt Graf. Hochglanzzeitschriften und Bücher würden gratis an Lehrer verschickt. Auch der Boom der Privatschulen begünstigt die Vorkämpfer der Schöpfungslehre: Der Verbund der Freien Evangelischen Schulen Berlins etwa wirbt auf seinen Internetseiten damit, dass dort im Biologieunterricht der „Ausschließlichkeitsanspruch“ der Evolutionslehre hinterfragt wird. Immerhin 540 Kinder werden an diesen Schulen unterrichtet. Der Didaktiker Graf glaubt, dass Skepsis an der Evolutionstheorie auch durch die übermäßige Betonung von Schöpfungsmythen in der Früherziehung entsteht. Und manche Menschen hätten außerdem schlicht ein „psychologisches Problem“ mit der Vorstellung, von Affen abzustammen.