Lernorte
Coole Klassen – eiskalter Unterricht
Die Polargebiete im Fokus der Schulen
Rainer Lehmann
Was für eine Gelegenheit: In den vergangenen zwei Jahren wurde das Internationale Polarjahr 2007/08 durchgeführt, das neben dem rein wissenschaftlichen Ansatz das Ziel verfolgte, die Jugend verstärkt an zentralen, internationalen Forschungsaktivitäten teilhaben zu lassen. Deshalb wurde ein bundesweites, interdisziplinäres Bildungsprogramm als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Schulen geschaffen: Coole Klassen. Lehrer arbeiten mit Wissenschaftlern in Deutschland und auf Polarexpeditionen zusammen und transferieren neue Forschungsansätze, Methoden und Erkenntnisse in den Schulunterricht. Nicht nur der Austausch zwischen Forschung und Lehrern, sondern auch zwischen den Lehrern der Fächer Geographie, Biologie, Physik, Chemie und Sozialwissenschaften sowie die direkte Einbindung von Schülern ist innovativ. Das komplexe Thema eignet sich hervorragend für einen fächerübergreifenden Unterricht.
Wie kommen die Polargebiete konkret zu denn Schülern? Der Unterricht konnte beispielsweise aus den Polargebieten heraus durch virtuelle Kontakte wie Telefonkonferenzen und Internetaustausch erfolgen: Die direkte Erfahrung der Lehrer in den Polargebieten macht sie im Unterricht authentisch. Neben den Expeditionen mit Lehrer-Beteiligung wurden und werden viele weitere Schulprojekte initiiert, dabei entwickeln Lehrer Unterrichtseinheiten zu polaren Themen, Schüler beteiligen sich an Wettbewerben und bauen persönliche Kontakte zu Schülern an Schulen in Polargebieten auf.
Es ist ein sicherlich interessantes Programm, an dem sich viele Pädagogen und Jugendliche beteiligt haben. Wie steht es aber um die Nachhaltigkeit? Coole Klassen wird in der Deutschen Gesellschaft für Polarforschung als Arbeitskreis Polarlehrer fortgeführt. Dieser Kreis von polarbegeisterten Lehrern wird neue Ideen zur weiteren Implementierung der Polargebiete im Unterricht entwickeln, Fortbildungen und Diskussionsrunden organisieren und weitere Lehrer mit Expeditionen in Polargebiete schicken, um an der aktuellen Forschung dran zu bleiben.
Auf Eis gebaut – Unterrichtsmaterial zu den Polargebieten
Gibt es einen Klimawandel? Gehen uns Polarregionen etwas an? Die Empfindlichkeit dieser kalten und lebensfeindlichen Gebiete gegenüber der Klimaerwärmung ist häufig bekannt, begründen können das aber nur wenige. Kann der Unterricht diese aktuellen gesellschaftsrelevanten Fragen in schülergerechter Form beantworten? Experimente sind ein probates Mittel, um Interesse und Verständnis zu wecken und sich den Antworten anzunähern. Lehrer entwickelten beispielsweise Versuche zur Wirkung des Sonnenlichts auf verschiedene Oberflächen wie Eis oder Fels, wobei die Schüler auch auf Temperaturmessungen in der Antarktis zurückgreifen konnten, die nach ihren Vorgaben gemessen wurden. Zu verdeutlichen ist mit diesem Versuch der sich selbst verstärkende Erwärmungseffekt – also die positive Rückkopplung innerhalb eines Systems – bei Abschmelzen der Eismassen durch die dann dunklen Gesteins- bzw. Meeresoberflächen. Von großer Bedeutung sind aber auch die Schmelztemperatur oder die Stabilität von Eis. Neben diesen Versuchen werden den Kollegen auch Arbeitsblätter kostenlos zur Verfügung gestellt, und Publikationen mit bekannten Schulbuchverlagen sind in Vorbereitung.
Lehrer auf Expedition – direkter Erfahrungstransfer in die Schulen
Ein Traum wird wahr! Hautnah Forschung miterleben, sich aktiv daran beteiligen und die neuen Erfahrungen an die eigenen und andere Schüler sowie Kollegen auf vielfältige Weise weitergeben, das wurde für einige Lehrer im Internationalen Polarjahr Wirklichkeit. Die Möglichkeiten der Mitarbeit in einem Forscherteam und in einem unzugänglichen und faszinierenden Lebensraum sind interdisziplinär und für viele Pädagogen absolut erstrebenswert. Die Beteiligung an Polarexpeditionen in die Arktis und Antarktis auf dem deutschen Forschungsschiff Polarstern und auf terrestrischen Stationen ist weiterhin möglich. Eine Fortbildung der Extraklasse! Im kommenden Dezember und Januar werden zwei Lehrer bei Antarktis-Expeditionen auf der Polarstern und der deutschen Antarktisstation Gondwana (GANOVEX X) mitarbeiten.
Exotische Brieffreundschaften und mehr
Wie lebt und fühlt ein Schüler, eine Schülerin in Grönland, in der Antarktis? Eigene Kontakte zu Gleichaltrigen in einer für unsere Jugendlichen fremden Welt zu haben, ist spannend und sehr lehrreich. Einige engagierte Schüler ergriffen die Möglichkeit und stehen im Austausch mit jungen Menschen in Grönland und der Antarktis. Sie erfahren per E-Mail, Skype und durch Briefe, wie ihre Freunde leben, was sie interessiert und wie sich ihre Kultur von der unsrigen unterscheidet. Da werden Fragen wichtig, was man so isst, oder wie kalt es denn nun eigentlich ist oder ob es gerade einen Schneesturm gibt. Welches ist die Lieblingsband? Wer der beliebteste Filmstar? Das sind auch typische Fragen, über die sich die Jugendlichen austauschen. Für die Zukunft sind persönliche Begegnungen geplant, die bei unseren Schülern auf großes Interesse stoßen.
WEITERE INFORMATIONEN:
Das 4. Meeting findet am 14. November 2009 an der Europäischen Schule in Karlsruhe statt, Informationen und Anmeldung bei:
Journal der Leipziger Buchmesse