Wissenschaft + Lernen
Mit Gefühl lernen
Ekkehard Winter bricht eine Lanze für das Lernen „draußen“
Nicht informieren, sondern motivieren: Wer Schülerinnen und Schüler für Mathematik und Informatik, für Naturwissenschaft und Technik begeistern will, muss an deren Emotionen rühren. So lautete eine Kernthese, die Dr. Ekkehard Winter, Geschäftsführer der Deutschen Telekom Stiftung, in einem Symposiumsbeitrag zum „Forum Wissenschaftskommunikation“ 2008 aufstellte.
Science Center, Schülerlabore, Wissenschaftsfestivals und viele andere außerschulische Lernorte haben nach Winters Einschätzung Deutschland die klassische Bildungslandschaft in den vergangenen Jahren nicht nur enorm bereichert, sondern gegenüber dem herkömmlichen Schulunterricht auch einen entscheidenden Vorteil: Sie führten Kinder und Jugendliche „hands on“ an Wissenschaft und Forschung heran. Das heißt, an authentischen Orten und – möglichst – vermittelt durch echte Wissenschaftler.
Die Erfolge sprechen für sich
Die Zukunft der Bildung liegt Winter zufolge deshalb in einer neuen Wechselbeziehung zwischen institutionellen und außerinstitutionellen Lernorten. Sie dürften weder als Reparaturbetriebe noch als vorübergehende Phänomene betrachtet werden. Denn selbst, wenn sich diese reiche Landschaft von neuen Orten der Wissenschaftskommunikation an der Peripherie des Bildungssystems entwickelt hätte, sei sie mitnichten von lediglich peripherer Bedeutung.
Im Gegenteil: Auch abgesehen von Schulen bestehe auf Seiten der Öffentlichkeit augenscheinlicheine dauerhafte Nachfrage nach Info und Edutainmentangeboten. Viele Initiativen, die der PUSH-Prozess (Public Understanding of Science and Humanities) in den vergangenen zehn Jahren angestoßen habe, seien mittlerweile etabliert. Die Erfolge des von Wissenschaft im Dialog (WiD) organisierten Wissenschaftssommers, des Wissenschaftsschiffs, das alljährlich die Besucherrekorde breche, von Science Centern, Schülerlaboren und Wissenschaftsjahren wie dem Jahr der Mathematik 2008 sprächen für sich. (…)
Die neue Art der Wissenschaftskommunikation habe geschafft, was vor Jahren noch ganz und gar undenkbar schien: „Wissenschaft ist wieder stärker ins Diesseits der Kultur gerückt.“ Zwar führe ein kurzer Kontakt mit der Forschung während der Wissenschaftssommer, auf Wissenschaftsschiffen oder auch in Schülerlaboren nicht unbedingt zu einem deutlich messbaren und dauerhaft abrufbaren Mehr an Faktenwissen. Umso höher seien aber die emotionalen und motivationalen Effekte einzustufen: Wer es schaffe, Interesse zu wecken, habe schon halb gewonnen – zumal in einer Zeit, da es der Schule Studien zufolge weder gelänge, etwa eine breite MINT-Bildung (Mathematik/ Informatik/ Naturwissenschaft/ Technik) zu gewährleisten noch den wissenschaftlich-technischen Nachwuchs für Hochschule und Forschung zu generieren. (…)
Emotion und Erlebnis
Wegen ihrer emotionalen und erlebnisorientierten Komponenten seien Science Center, Wissenschaftsfestivals, Schülerlabore und interaktive Ausstellungen dem Schulunterricht da offenbar deutlich überlegen. So sieht Winter die Zukunft der Bildung im Allgemeinen – und insbesondere der MINT-Bildung – in einer neuen Wechselbeziehung zwischen institutionellen und außer-institutionellen Lernorten, zwischen informellem und formalem Lernen.
Der vollständige Artikel wurde zuerst gedruckt in der Dokumentation zum „Forum Wissenschaftskommunikation“ vom 23. bis 25. September 2008 in Bremerhaven. Das Forum ist ein Projekt von Wissenschaft im Dialog (WiD).
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